Von Rückkehr und Einkehr

Ihr Lieben,

ich bin verliebt. Und zwar in vielerlei Hinsicht.
In das Leben, denn es zeigt sich mir immer wieder auf so liebenswerte Weise mit seinen kleinen und großen Ereignissen, Schönheiten, Begegnungen…
In mein Kind, denn sie ist das größte Wunder und Glück, dessen Ausmaß ich mir (obwohl mit wirklich viel Fantasie gesegnet) nicht mal ansatzweise vorstellen konnte.
Und in einen Mann. Und das war letztes Jahr für einige Zeit undenkbar.

Aber ich greife vor. Das neue Jahr ist schon wieder zwei Monate alt, und ich möchte endlich mein Versprechen halten und euch von meiner Rückker zum Hof Upwarf Ende September letzten Jahres erzählen.

Hier habe ich euch berichtet, was für eine wunderbare Erfahrung der erste Besuch dort war. Und es war völlig klar für mich, dass ich nochmal wieder kommen wollte, allein schon, um Oma Helga zu zeigen, wie groß das kleine Mädchen in der Zwischenzeit geworden war. Jetzt begab es sich aber, dass es zum geplanten Zeitpunkt des Besuchs im herrlichen Ostfriesland bereits jemand in unser Leben getreten war, der das Meer ebenso liebt wie das Mausekind und ich: der Nordmann. Und deswegen traten wir die Reise zu dritt an.
Und kommt es überraschend, dass Ostfriesland im Herbst ebenso bezaubernd ist wie im Frühsommer? Nicht wirklich, oder? Hier ist eine kleine Galerie für euch:

Es waren diesmal nur vier Tage, aber die heilende und befreiende Wirkung von Luft, Wasser und geliebten Menschen setzte trotzdem sofort ein. Die kleine Maus hatte ihre erste Erkältung mit in diesen Kurzurlaub genommen, und nach nur zwei Tagen Rotznäschen ging es ihr wieder gut. Ob auf dem Arm, im Tragetuch oder im Buggy, sie saugte die Bilder und Eindrücke genauso auf wie bei unserem ersten Besuch. Und der Nordmann händelte das kränkelnde, neugierige Baby, als hätte er nie etwas anderes getan. Setzte sie ins Tragetuch, damit sie mehr sehen konnte, ging mit ihr bis an die auslaufenden Wellen heran, um sie ihr zu zeigen und holte nachts das wuselige und nicht schlafen könnende Mädchen aus ihrem Reisebettchen zu uns ins Doppelbett, wo sie, eine Hand von mir, eine Hand von ihm festhaltend, schließlich selig einschlummerte. Wie hätte ich diese Tage mit diesen Beiden nicht genießen können?

Wir haben unfassbar gut gegessen, ob nun in Norden im Speicher No.77 oder in Greetsiel im Fischerhus, und morgens bei Oma Helga ein köstliches Frühstück bekommen.
Wir setzten einmal auf meine Herzensinsel Juist über, wenn auch nur für wenige, viel zu kurze Stunden, die wir drei fast komplett am Strand verbrachten, wir haben eine Minikreuzfahrt zu den Robbenbänken gemacht, wir waren in Norden und Greetsiel spazieren und sind am letzten Tag, um dem Meer quasi Lebewohl zu sagen, noch nach Bensersiel gefahren, um dort den Strand genießen zu können. Der Abschied fiel uns denkbar schwer, auch wenn wir wieder die Gewissheit hatten, dass wir wiederkommen werden.

Was soll ich anderes sagen als „ich bin verliebt“? Das Leben ist so gut zu mir gerade…

Nordmann und Mausekind

Es stehen noch einige Veränderungen an, ihr Lieben. Aber dazu dann mehr beim nächsten Mal.
Genießt die schönen Stunden, bis bald!

Herzlichst, Sunny

Von einer die auszog, sich selbst zu finden

Ihr Lieben,

hier habe ich euch vor kurzem erzählt, was das letzte Dreivierteljahr so bei mir los war. Unter anderem habe ich ganz zu Anfang eine „Autofahrt in Ostfriesland im Mai“ erwähnt. Darauf möchte ich jetzt noch etwas eingehen, denn diese Tage im Mai habe ich mir selbst verordnet, um zu denken. Keine Ablenkung, nur meine Kleine und ich. Und meine Gedanken.

Nachdem ich die ersten knapp drei Monate nach der Geburt meiner Tochter in einer Wolke aus Trauer und Unverständnis und Verzweiflung verbacht hatte, und klar war, dass die beantragte Mutter-Kind-Kur zwar genehmigt würde, aber erst später im Jahr, war es für mich beschlossene Sache: Ich muss mal raus hier! Durch den Tipp meiner Hebamme schaute ich im Internet nach „Urlaub auf dem Bauernhof“ an der Nordseeküste in Deutschland. Und stieß bereits nach kurzer Zeit auf den Ferienhof Upwarf in Norden-Norddeich. Durch sehr netten e-mail Kontakt fand ich schnell heraus, dass mein Mädchen und ich in einem „Gästezimmer mit Familienanschluss“ unterkommen könnten: wir hätten kein eigenes Badezimmer, dafür Frühstück und Mittagessen (oder bei Bedarf, auch mal Abendessen) mit der dort lebenden Familie. Das gefiel mir gut und der Preis war mehr als erschwinglich, also buchte ich zehn Tage und fuhr Anfang Mai mit der Kleinen los. Während wir gen Ostfriesland eilten, schoss mir mehrfach der Gedanke durch den Kopf „wenn mir das vor einigen Monaten jemand erzählt hätte, dass ich allein mit einem knapp drei Monate alten Säugling in den Urlaub fahre…“ Aber ich hatte gar nicht lange überlegt. Ich wusste nur, dass ich irgendwo sein wollte, wo ich mich wohlfühle und wo ich zur Ruhe kommen und einfach mal klar denken kann. Hier habe ich euch erzählt, wie ich mit meiner lieben Freundin Anny mal auf Meeressuche in Greetsiel gegangen bin, und da der Ferienhof genau zwischen den Orten Norden, Norddeich und Greetsiel lag, wusste ich schonmal, dass ich es landschaftlich toll finden würde. Und was soll ich sagen… Oma Helga und ihre Familie haben es mir und meiner Tochter auf dem Hof so leicht gemacht, mich wohl und willkommen zu fühlen, mit heißem Ostfriesentee, frischen Brötchen und immer einem offenen Ohr und gerne auch offenen Armen. Unser Zimmer lag unter’m Dach, mit Balken an der Decke und rundum kleinen Fenstern mit Blick auf die umliegenden Felder und den Deich. Morgens lag ich mit dem Mädchen kuschelnd im Bett und lauschte den Vögeln vor dem offenen Fenster, und konnte, da wir fast durchgehend traumhaftes Wetter hatten, die Sonne aufgehen und es draußen heller werden sehen.

Und in mir wurde es auch heller. Ich war jeden Tag mit der Kleinen quer durch Ostfriesland unterwegs (in Norden und Greetsiel waren wir mehrfach, weil es dort einfach wirklich hübsch ist), das zu dem Zeitpunkt gerade erschienene Album „Mr. Lee“ von Reinhard Mey war mein Soundtrack, und ich habe kreuz und quer (und ja, manchmal auch im Kreis) gedacht… bin bei Spaziergängen auf dem Deich in Tränen ausgebrochen, habe laut über die Kleine gelacht bei ihren Begegnungen mit Gänseblümchen und Schmetterlingen und konnte plötzlich wieder ein- und noch wichtiger, durchschlafen. So esoterisch das auch klingen mag, ich konnte spüren, wie ich heile. Ich bin nicht vor meinen Gedanken davongelaufen (oder vielmehr, gefahren), ich habe sie mitgenommen und sie endlich mal zu Ende gedacht. Und alles, was ich wirklich nicht gebrauchen konnte, was mir weh getan und mich nicht weiter gebracht hat, habe ich in Gedanken auf eine Wolke gesetzt und über’s Meer geschickt. Und alle schönen Erinnerungen, die ich nicht verdrängen wollte (oder kann, denn im Verdrängen von Geschehenissen und Bildern im Kopf war ich noch nie besonders gut), aber auch in dem Moment einfach nicht ertragen konnte, weil auch sie zu weh getan haben, habe ich in Gedanken in eine wunderhübsche kleine Holzkiste in meinem Innern gesteckt. Da wusste ich, wo sie sind, und bei Bedarf kann ich sie irgendwann rausholen und liebevoll betrachten. Aber jetzt nicht, und damals erst recht nicht. So habe ich die Zeit im wunderschönen Ostfriesland verbracht, begleitet von den herrlichen Eindrücken, dem Duft der Rapsfelder und dem friedlichen Schnorcheln des kleinen Kindes neben mir.

Hier habe ich noch eine kleine Galerie für euch von den Orten, die meine Maus und ich besucht haben:

Ich will nicht so tun, als wäre ich nach diesen 10 Tagen quietschvergnügt und mit einer Lösung für alle Probleme in der Tasche nach Hause gekommen. Aber es ging mir so viel besser. Rückblickend sage ich gern: „Zu dieser Zeit fing ich an, endlich zu mir selbst zu finden.“ Ich kann nicht schreiben „wieder zu mir selbst“, denn bei den vielen Erkenntnissen, die mir inzwischen über mich, mein bisheriges Leben und das, was ich in Zukunft will, gekommen sind, bezweifle ich, dass ich vor dieser großen Krise schon bei mir angekommen war.

Upwarf ist für mich jetzt ein Ort der Heilung, ein Ort der Freude… ein Herzensort. Und vor ein paar Wochen bin ich nochmal dorthin zurück gekehrt, mit zwei Herzensmenschen: dem Mausemädchen und meinem Nordmann. Aber davon erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Alles Liebe,

Sunny