Von Rückkehr und Einkehr

Ihr Lieben,

ich bin verliebt. Und zwar in vielerlei Hinsicht.
In das Leben, denn es zeigt sich mir immer wieder auf so liebenswerte Weise mit seinen kleinen und großen Ereignissen, Schönheiten, Begegnungen…
In mein Kind, denn sie ist das größte Wunder und Glück, dessen Ausmaß ich mir (obwohl mit wirklich viel Fantasie gesegnet) nicht mal ansatzweise vorstellen konnte.
Und in einen Mann. Und das war letztes Jahr für einige Zeit undenkbar.

Aber ich greife vor. Das neue Jahr ist schon wieder zwei Monate alt, und ich möchte endlich mein Versprechen halten und euch von meiner Rückker zum Hof Upwarf Ende September letzten Jahres erzählen.

Hier habe ich euch berichtet, was für eine wunderbare Erfahrung der erste Besuch dort war. Und es war völlig klar für mich, dass ich nochmal wieder kommen wollte, allein schon, um Oma Helga zu zeigen, wie groß das kleine Mädchen in der Zwischenzeit geworden war. Jetzt begab es sich aber, dass es zum geplanten Zeitpunkt des Besuchs im herrlichen Ostfriesland bereits jemand in unser Leben getreten war, der das Meer ebenso liebt wie das Mausekind und ich: der Nordmann. Und deswegen traten wir die Reise zu dritt an.
Und kommt es überraschend, dass Ostfriesland im Herbst ebenso bezaubernd ist wie im Frühsommer? Nicht wirklich, oder? Hier ist eine kleine Galerie für euch:

Es waren diesmal nur vier Tage, aber die heilende und befreiende Wirkung von Luft, Wasser und geliebten Menschen setzte trotzdem sofort ein. Die kleine Maus hatte ihre erste Erkältung mit in diesen Kurzurlaub genommen, und nach nur zwei Tagen Rotznäschen ging es ihr wieder gut. Ob auf dem Arm, im Tragetuch oder im Buggy, sie saugte die Bilder und Eindrücke genauso auf wie bei unserem ersten Besuch. Und der Nordmann händelte das kränkelnde, neugierige Baby, als hätte er nie etwas anderes getan. Setzte sie ins Tragetuch, damit sie mehr sehen konnte, ging mit ihr bis an die auslaufenden Wellen heran, um sie ihr zu zeigen und holte nachts das wuselige und nicht schlafen könnende Mädchen aus ihrem Reisebettchen zu uns ins Doppelbett, wo sie, eine Hand von mir, eine Hand von ihm festhaltend, schließlich selig einschlummerte. Wie hätte ich diese Tage mit diesen Beiden nicht genießen können?

Wir haben unfassbar gut gegessen, ob nun in Norden im Speicher No.77 oder in Greetsiel im Fischerhus, und morgens bei Oma Helga ein köstliches Frühstück bekommen.
Wir setzten einmal auf meine Herzensinsel Juist über, wenn auch nur für wenige, viel zu kurze Stunden, die wir drei fast komplett am Strand verbrachten, wir haben eine Minikreuzfahrt zu den Robbenbänken gemacht, wir waren in Norden und Greetsiel spazieren und sind am letzten Tag, um dem Meer quasi Lebewohl zu sagen, noch nach Bensersiel gefahren, um dort den Strand genießen zu können. Der Abschied fiel uns denkbar schwer, auch wenn wir wieder die Gewissheit hatten, dass wir wiederkommen werden.

Was soll ich anderes sagen als „ich bin verliebt“? Das Leben ist so gut zu mir gerade…

Nordmann und Mausekind

Es stehen noch einige Veränderungen an, ihr Lieben. Aber dazu dann mehr beim nächsten Mal.
Genießt die schönen Stunden, bis bald!

Herzlichst, Sunny

Der alte Mann und das Meer

Ich bin mir noch nicht sicher, was der Tenor dieses Posts ist. Vielleicht weiß ich es, wenn ich die Begebenheit aufgeschrieben habe, von Montag am Strand in Egmond.

Ich laufe nah am Wasser, immer mal wieder mit den Füßen in den Wellen. Die Nordsee ist kalt, aber nicht so sehr, dass ich meinen Zehen die Freude an dem feinen Sand wieder rauben möchte. Meine Kamera liegt in meiner Hand und wartet darauf, dass ich ein neues Motiv festhalten möchte. Im Prinzip ist ja jede Muschel fotografierenswert… aber ich lasse meinen Blick schweifen. Da ist eine Familie, wo die Mama eben auf dem Weg zum Wasser ist, und der Papa hält das kleine Kind im Arm, beide haben die Augen geschlossen und dösen. Das würde ich gerne festhalten… aber irgendwie trau ich mich nicht, zu fragen. Vor mir laufen zwei Frauen mit ihren Hunden. Einer ist groß und dunkel, der andere weiß und wuschelig. Sie balgen sich und rennen umeinander. Auch das wäre ein schönes Motiv… aber ich müsste schon vorher um Erlaubnis bitten, oder? Dumme Unsicherheit.
Kurze Zeit später schaue ich mal wieder hoch von den Muscheln zu meinen Füßen, da kommt mir ein Mann entgegen. Er fällt mir sofort auf, weil sein weiß-grauer Haarschopf windzerzaust um seinen Kopf steht, in einen (zugegebenermaßen recht kurzen) Vollbart übergeht und dann auf seiner Brust fröhlich weitersprießt. Das kann ich so genau sehen, weil er nur eine (sehr modische) Jeans trägt, das Oberteil liegt quer über seiner Umhängetasche, die Füße sind bloß. Er bewegt sich sehr geschmeidig, wie ein Kampfsportler, und hat auch so eine Figur. Seine Augen sind sehr blau. Wir schauen uns einen Moment an und ich denke „DER wäre auch ein Motiv!“ und muss lächeln. Ich glaube aus dem Augenwinkel zu sehen, dass er den Arm hebt, aber ich bin schon zu einer Stelle weitergelaufen, wo ein Priel ins Meer fließt, weil dort eine besonders schöne Muschel liegt. Als ich mich etwas drehe, um den Bildausschnitt zu verändern, sehe ich, dass der Mann auf mich zukommt. Er gestikuliert zu meiner Kamera. Was soll’s, denke ich und fühle mich irgendwie trotzdem etwas mulmig. Was der wohl will?
„Nederlands?“ fragt er, als er vor mir steht. Ich schüttele entschuldigend den Kopf. „English?“ versucht er es nochmal. „Yes“, entgegne ich. Schließlich spreche ich ganz gut englisch. „Oh, you’re from England?“ fragt er erfreut und klingt irgendwie so, als sei er selbst von dort. „No, Germany“, anworte ich etwas lahm. „But you speak english?!“ Das scheint ungewöhnlich zu sein, aber ich nicke. „I do.“ Dann fragt er mich, ob ich vielleicht auch ein, zwei Bilder von mir selbst mit dem Meer haben möchte. Klar möchte ich. Leider sehe ich heute etwas… nicht so toll aus, finde ich, aber das ist nicht seine Schuld. Er macht ein paar Bilder und gibt mir die Kamera schließlich wieder.
„You’ve got a really beautiful smile“, sagt er und lächelt mich seinerseits an. Da bin ich erstmal baff. „Thank you“, stottere ich, während er schon rückwärts wieder losgeht. „My pleasure!“ sagt er und hebt die Hand zum Abschied. „Have a nice day“, stammle ich noch hinter ihm her.
So. Und was hatte ich dann? Fotos von mir, die mir nicht so gut gefallen haben (nochmal, lag an mir, nicht an dem Fotografen), aber kein Foto von diesem Mann, der eigentümlich beeindruckend aussehend barfuß am Strand herumläuft und Komplimente verteilt. Wieder nicht getraut.
Ich erwische mich den restlichen Weg dabei, wie ich mir eine Lebensgeschichte für ihn ausdenke, warum er an diesem wunderschönen Vormittag allein am Strand unterwegs ist.So ein herzlicher Mann um die sechzig gehört doch wohl mit einer Frau und fünf Enkeln an eine Sandburg, mit Schaufel und Förmchen bewaffnet? Oder?

Falls du ihn heute nochmal sehen solltest, dann sprichst du ihn an und redest richtig mit ihm, nehme ich mir vor und halte tatsächlich den ganzen Tag noch nach ihm Ausschau. Soo groß ist Egmond ja nicht.
Ich habe ihn nicht wieder gesehen.

Meerliebe 2.0

Meine Meersehnsucht ist immer da. Aber manchmal wird sie ganz besonders stark, und wenn dann ein freier Tag und trockenes Wetter zumindest kein Dauerregen zusammenfallen, gepaart mit relativer Schmerzfreiheit, hält mich eigentlich nichts mehr. Gerne schleppe ich jemanden mit, wie den Liebsten, Jasmin oder Anny. Manchmal fahre ich aber auch einfach allein los.

So geschehen am gestrigen Tag. Der Wecker schmiss mich um halb sieben raus und um sieben saß ich im Auto Richtung Egmond aan Zee. (Jaja, ich weiß, da bin ich doch ständig. Na und? Es ist quasi mein 2. Zuhause, und wenn ich nicht entdecken, sondern nur genießen will, geht es dorthin. )
Wen’s interessiert: A3 hoch Richtung Emmerich/Arnhem (nach der Grenze wird die Autobahn zur A12), weiter bis Utrecht, dort Wechsel auf die A2 Richtung Amsterdam, kurz vor Amsterdam auf die A9 Richtung Haarlem/Schipol, runter am Ring Alkmaar auf die N9 (gut zu erkennen am riesigen AFAZ-Fußball-Stadion), Beschilderung im großen Kreisverkehr Richtung Egmond aan Zee folgen.
Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich an einem ganz normalen Montag vermutlich in den Berufsverkehr geraten würde. Und so saß ich dann zwischen der Grenze und Utrecht erstmal fest. Naja. Bütterken und Kaffee dabei, Hörbuch an, halb so wild. Danach war aber freie Fahrt, und um viertel nach Zehn fuhr ich endlich über die Strandpromenade, winkte dem Meer das erste Mal zu und parkte schließlich am Kennedyboulevard.

(Dort habe ich mit meinen Eltern jahrelang in einer Mietferienwohnung gewohnt, in der obersten Etage mit Blick vom Balkon direkt auf den täglichen Sonnenuntergang, und als wir 1998 aus heiterem Himmel erfuhren, dass die Wohnung verkauft sei und die neuen Besitzer nicht mehr vermieteten, habe ich mich in den Schlaf geheult. Aber es war ja „nur“ die Wohnung verloren, nicht mein geliebtes Dorf, also habe ich neue Wohnmöglichkeiten ausprobiert: auf dem Campingplatz, in Zimmern mit Frühstück und Sommerhäusern. Und dabei zweifelsfrei festgestellt: „Egmond is‘ immer schön!“)

Von der angekündigten Bewölkung war nichts zu sehen, ein wenig Hochnebel vielleicht, ansonsten: Sonne pur! Herrlich. Die Regenjacke wanderte direkt mal aus dem Rucksack auf den Autositz, und dann zog ich los.
Der erste Gang führte mich (natürlich!) zum Strand, wo ich sogleich von einer Möwe und einem Schiff und einem kleinen, gelben Bötchen bezaubert wurde…

Ein Stück den Strand hinauf (um kurz vor elf übrigens noch erfreulich menschenarm) kraxelte stolperte und kullerte ich eine Düne hinauf, um meine Decke auszubreiten und erstmal nur zu gucken und zu hören und zu riechen.

Ausblick Egmond rechtsDas war meine Aussicht nach rechts…

Ausblick hinter mir…das war hinter mir…

Ausblick Egmond links…das nach links…

Aussicht Egmond vorn…und das war meine Aussicht nach vorn. Hach.
Ich hatte mir ein Buch mitgebracht, das ich aber immer mal wieder zur Seite legte, um die Augen zu schließen und nur zu genießen. (Ich hatte übrigens auch Kopfhörer für Musik dabei. Aber braucht frau die, wenn doch Meeresrauschen allgegenwärtig ist? Eben.) Kennt ihr das? Man vergisst wirklich die Zeit, und wenn man ganz viel Glück hat, auch Stress und Hektik und Lärm.
Als dann gegen Mittag mein Bäuchlein die hehre Stille mit einem unfeinen Knurren unterbrach, packte ich erstmal wieder alles ein und lief (barfuß ❤ ) zurück am Strand Richtung Dorf (und entdeckte freudig das gelbe Bötchen vom Morgen, jetzt auf „hoher See“).

Im „Het Wapen van Egmond“ ließ ich mir dann ein Broodje Gezond (das ist ein wahlweise weißes oder braunes Brot mit Kochschinken, Gouda, Salat, Gurke, Tomate und Ei) und einen Cappuchino schmecken und machte mich danach auf in den Ort.

Cappuchino im Wapen van EgmondIch brauche diesen Spaziergang jedes Mal, obwohl ich die Voorstrat schon so lange kenne. Irgendwie ist sonst ein Besuch in Egmond nicht vollständig. Dort bestaunte ich die hübsche Auslage eines Blumengeschäftes, verliebte mich in einem Dekoladen in eine Kommode und fand eine bezaubernd-verwucherte Hinterhofidylle.

Den Tag abgeschlossen habe ich aber nach diesem Spaziergang natürlich am Meer…
…und angedacht war, den Abschluss mit einem Bild voll goldener Abendsonne zu krönen… Hmpf. Hat meine kleine Kamera aber anders entschieden. Beziehungsweise die Batterien für „Low Power Products“, die ich ihr aus Versehen zugeführt hatte. Gut. Dann kommt eben ein Bild vom Vormittag an den Schluss und das Versprechen, dass ich die Tage noch mit einer Begebenheit um die Kurve komme, die sich gestern am Meer zugetragen hat. Die verdient aber einen eigenen Post. Bis ganz bald also!

Herzlichst, Sunny

Strandblick

Wie ich an einem Samstag morgen das Meer gesucht habe

Wer an einem arbeitsfreien Samstag freiwillig um 2:30 Uhr nachts aufsteht hat se nicht mehr alle? Hätte ich vielleicht auch so unterschrieben… wenn, ja wenn nicht meine sonnenaufgangsliebende, fotografieverrückte Freundin Anny am Wochenende zu Besuch gewesen wäre und wir ratzfatz alle „um diese Zeit ist man entweder noch nicht oder schon längst im Bett und steht nicht auf!“-Regeln über Bord geworfen hätten. So sind wir um 3:00 Uhr einfach losgefahren. Richtung Ostfriesland, genauer: Greetsiel. Da waren wir beide noch nie, ich hatte aber schon viel drüber gehört von Freunden und Bekannten. Und weil Anny eher aus der Mitte Deutschlands und somit nicht „mal eben“ ans Meer kommt, hab ich ihr mehr Meer versprochen. Mit Morgendämmerung und Sonnenaufgang.

Um 3:15 Uhr waren wir auf der Autobahn. Da mich meine Meerliebe schon öfter nach Juist verschlagen hat, wusste ich von den Fahrten zur Fähre in Norddeich, dass Greetsiel da ganz in der Nähe ist. Also brausten wir die A31 hoch, mümmelten irgendwann ein mitgebrachtes Bütterken und schauten zu, wie „draußen“ langsam Konturen bekam. Wie sich Bäume und Häuser und Felder aus dem Dunkel der Nacht schälten. Die Wolken hatten ein Einsehen und ließen zumindest kleine Lücken. Gegen 5:00 Uhr schoss Anny die ersten Bilder aus dem fahrenden Auto, von rosarot angeleuchteten Wolken über Feldern mit Windrädern. Die Landschaft rief eindeutig „Norden!“  Dann kam auch schon die Abfahrt Emden und eine Tankstelle, die den ersten Kaffee des Morgens versprach. Eigentlich konnte ich es kaum erwarten, dann auch den ersten Schluck von dem dampfend heißen Gebräu zu nehmen. Aber das ging dann doch nicht sofort, denn direkt an einer Landstraße eine Ecke weiter musste ich rechts ranfahren, deswegen:

Sonnenaufgang in EmdenUnd deswegen:

FasanHach. Glückselig von Morgensonne angeleuchtet, den zum Glück immernoch warmen Kaffee in der Hand, ging es weiter nach Greetsiel. Ein kleiner Parkplatz am Ortseingang lud uns ein, das Auto stehen zu lassen und den Rest zu Fuß zu erkunden. Der Automat spuckte einen Parkschein aus, der verkündete, dass es 6:13 Uhr sei.

Wir marschierten also los, durch ein (fast) völlig stilles Dorf. Da kam ein tatkräftig aussehender, weil Arbeitskleidung tragender, Herr des Weges , der olle, vom Sturm durch den Kanal angespülte Fahrräder wegräumte. Da fegte eine alte Dame sorgfältig den Platz vor ihrem Ladenlokal. Aber sonst? Schläfrige Stille und an jeder Ecke etwas zum knipsen…

Nur… das versprochene Meer war nicht da! Ich Schaf hatte nicht nachgesehen, ob Greetsiel denn am Wattenmeer liegt. Da ist ein Hafen, also ist da auch Meer. Dachte ich. Nee. Da ist ein Hafen, und von da aus kann man einen Kanal entlangschippern, der dann irgendwann zum Watt kommt. Dass um etwa  6:00 Hochwasser sein sollte, wusste ich allerdings, denn daran hatte ich gedacht. Die Uhr zeigte inzwischen 7:30. Noch nichts geöffnet zum frühstücken und kein Meer? Das ging so nicht, und eins davon konnten wir zumindest aktiv ändern. Also sind Anny und ich nochmal los, das Meer zu suchen und versprachen dem entzückenden Greetsiel, zum Frühstücken zurück zu kehren.

Die Irrfahrt begann. Ostfriesland ist wunderschön, und weil es außerdem so platt ist, konnte man auch überall den Damm sehen… aber der war meistens eingezäunt und/oder abgesperrt, und so gab es kein Durchkommen zum Watt. Wir sahen Schafe und empörte Pferde, die uns anschnauften, als wir das Auto kurz mal stehen ließen, um ein neues Hindernis, einen Graben, zu sehen… es war wie verhext. Aber dann fiel mir etwas ein, was ich bei Katja in ihrem Blog maedchenmitherz gelesen hatte (dort schreibt Katja mit viel Herz über ihre Wahlheimat Ostfriesland und viele schöne, andere Dinge): am Knock kann man bis ans Wasser! Und so weit war es bis dahin nicht, mit etwas Glück würden wir noch auf das Meer treffen und ich mein Versprechen einlösen können. Dran gedacht, getan, und nachdem wir dort den Deich erklommen hatten (der zwar abgesperrt war, aaaber nur für die Schafe), erwartete uns das:

WattenmeerUnd das:

WindräderUnd während wir, völlig begeistert vom Geruch des Tangs und dem leisen Rauschen und Schwappen der kleinen Wellen, auf den Steinen herumkletterten, kam mir Anny vor die Linse:

Anny(that’s a hell lot of hair ❤ )

Das Meer gesucht und gefunden! So eine Expedition, auch wenn von Erfolg gekrönt, macht erst recht hungrig, also wurde es um 9:30 Uhr dann endlich Zeit für ein schmackhaftes Frühstück. Zurück nach Greetsiel. Dort haben wir nicht nur tolle, knackfrische Brötchen in der Bäckerei und Konditorei Rector genossen, sondern waren auch bummeln, in einem kleinen Museum Motive sammeln, haben mit einem Kapitän geflirtet und in vollen Zügen die Sonne genossen (und die geniale Wetterstation entdeckt)…

Eigentlich war der Tag somit zur Mittagsstunde perfekt… außer dass uns irgendwie noch ein bisschen der Sand an den Schuhen fehlte. Aber die freundlichen Greetsieler wussten keinen Tipp (jedenfalls nicht die, die wir gefragt haben), wo man sich halbwegs in der Nähe noch vergnügt im Sand würde panieren können. Doch eine Karte, die an der Seitenwand eines Hauses hing und ganz Ostfriesland zeigte, verwies bei genauerem Hinsehen auf einen Badestrand in Norddeich. Da mussten wir nicht lange überlegen! Nur das Wetter wollte nicht mehr unser Freund sein und schickte dunkle Wolken, die schnell (schneller, als uns lieb war) gen Küste zogen. Trotzdem wollten wir den Sand. Also auf nach Norddeich. Dort angekommen zeigte zwar auch ein Schild die Richtung zum Strand, aber es war einfacher, genau dorthin zu fahren, von wo alle Menschen gelaufen kamen, schnell, mit verkniffenen Gesichtern, teilweise noch im Badeanzug und zusammengerafften Strandtüchern. Die allgemeine Flucht vor dem Wetter war ausgebrochen, aber wir wollten genau dort hin, wo es sich austobte. Und hinter einer Düne war er endlich: der Strand, samt Meer. Und Wind. VIEL Wind:

SturmHundMöweArmeeHaare im Gesicht, Sand von überall… es war überwältigend nordisch. Die Möwen standen reglos in der Luft, die Strandkörbe muteten an wie eine reglose Armee, die dem Feind trotzt. Der Regen brach los, als wir noch etwa 200 Meter vom Auto entfernt waren. Passend zum Sturm waren es dann auch keine Tröpfchen, sondern ein Wassereinbruch. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass wir danach nicht nur das Meer in unseren Köpfen und in unseren Nase hatten, sondern auch AUF unseren Köpfen, zwischen den Zähnen und in den Augenbrauen und Schuhen… aber es war wunderbar.

Die Rückfahrt gestaltete sich müde und nass, aber glücklich und bis zum Rand gefüllt mit einem herrlichen Tag und der Freude über eine erfolgreich abgeschlossene Suche.

Hatten wir se also tatsächlich nicht mehr alle, dass wir so früh einfach losgefahren sind? Mag schon sein… aber wir würden es wieder tun. Sofort.

 

Meerliebe

Ich bin gerne unterwegs. Nein, das ist zu schwach. Unterwegs sein ist eins der Dinge, die mich erfüllen, inspirieren (!) und glücklich machen. Und meine ganz besondere Freundin ist dabei die Nordsee. Da bin ich schon gewesen, als meine Mom mich noch mit sich herum getragen hat. So wie andere Mamas ihren ungeborenen Kindern klassische Musik über Kopfhörer auf dem Bauch ins Fruchtwasser plätschern lassen, hat meine mir Meeresrauschen vorgespielt.  Und als ich dann da war, ging der erste große Meerurlaub nach

Egmond aan Zee.

Gasse und Leuchtturm

Gasse und Leuchtturm

Im Sommer, bevor ich zwei wurde. Und danach immer wieder. Und wieder. Und nie war es langweilig, sondern wie eine zweite Heimat. Ich würde glatt behaupten, dass ich die Meeresluft so tief in meine Lungen gesogen habe, dass ich ohne auf Dauer kaputt gehen würde.

Und in eben diesem mir unentbehrlichen Egmond war ich auch am Wochenende vom14./15.06. mit meiner lieben Freundin und treuen Reisebegleiterin Jasmin. Sie teilt meine Meerliebe und die Reiselust.

links: Jasmin, rechts: ich, um uns rum: Nordseewind <3

links: Jasmin, rechts: ich, um uns rum: Nordseewind ❤

Egmond ist ein ehemaliges Fischerörtchen, dessen Charme auch im größer werdenden Tourismus nicht untergehen konnte. Kleine Gassen, der Leuchtturm J.C.J van Speijk, gebaut 1834 und das angrenzende „Noordhollandse Duinreservaat“ sind die meistgenannten Sehenswürdigkeiten, aber ich habe noch so meine eigenen Lieblingsplätze…

Zum Beispiel das alteingesessene Café am Marktplatz „De Klok“. Urgemütlich, wirklich guter, nicht zu teurer Kaffee und Tee und leckere Snacks und ein schöner Blick auf den Platz und das bunte Treiben.

Leckereien bei "de Klok"

Leckereien bei „de Klok“

http://www.deklok.nl/

Oder die wunderbar verwinkelte Stadt, zu der man innerhalb einer kurzen Fahrt (20 Minuten von Egmond aus) gelangt, Alkmaar. Sie ist die kleine Version von Amsterdam, mit Grachten, alten Gässchen, einer großen Einkaufsstraße und Windmühlen.

und man kann Alkmaar für kleines Geld selbst mit einem Bötchen erkunden...

und man kann Alkmaar für kleines Geld selbst mit einem Bötchen erkunden…

Die Bötchentour war im Übrigen ein echtes Abenteuer… da ich viel besser navigieren als steuern kann, war Jasmin so mutig und hat sich an den kleinen Außenbordmotor gesetzt, ich in den Bug mit einer Grachten-Übersichtskarte und dann ging es los… wir haben Enten gesehen, die sich am Kanal gesonnt haben, Katzen, die interessiert auf die sonnenden Enten geschielt haben, mussten schnell lernen, dass Ausweichen nicht sooo einfach ist mit einer Nussschale, und das Gefühl, wenn man unter einer Brücke herfährt, wo man sich flach an den Boden des Bootes pressen muss, um nicht an der Mauer hängen zu bleiben wie in einem Lucky Luke Comic, ist unbezahlbar. Von meiner Boot/Schiffliebe sicherlich an anderer Stelle nochmal mehr.

Mein liebster Platz in Egmond ist aber die Treppe an der Promenade. Da kann man sich hinlümmeln, die Seele und die Füße baumeln lassen und den Sonnenuntergang beobachten. Haben wir auch getan, und weil es nicht sooo warm war, mit Thermobechern ausgestattet. Hach.

Abendstimmung auf egmondisch

Abendstimmung auf egmondisch

Was soll ich sagen? Unterwegs sein ist der Hammer. Und dann in Egmond ankommen ist der Oberhammer. Von meinem Heimatort Duisburg übrigens nur 2,5 Stunden entfernt, deswegen lässt das nächste Mal mitnichten auf sich warten.

Sunny + die Nordsee = große Liebe