Große Veränderungen

Sometimes good things fall apart, so better things can fall together.
Marilyn Monroe

Ihr Lieben,

dieser Satz steht, geschrieben auf einer Postkarte, auf meinem Schreibtisch. Ich habe diese Postkarte im Jahr 2014 von einer meiner liebsten Freundinnen geschenkt bekommen, und zwar ganz genau ein Jahr, bevor mein Leben… auseinanderfiel. Um dann wieder… zusammenzufallen.

Ich kann noch gar nicht so richtig glauben, dass es schon wieder Mai ist. Vor ein paar Tagen war die Taufe vom Herzenskind ein Jahr her. Und in wiederum einigen Tagen mehr wird es ein Jahr her sein, dass ich mit ihr nach Ostfriesland gefahren bin, zum ersten Mal. Zeit ist wirklich relativ, das merke ich überdeutlich, seit ich Mama bin. Auch vorher schon gab es Zeiten, die gefühlt „verflogen“ sind, aber nun rinnen mir die Tage, Wochen, Monate dahin.
Doch es fühlt sich anders an. Ich habe mal einem Freund gegenüber geäußert, dass ich mich um manche Zeiten betrogen fühle. Weil sie vergangen sind, und nichts von dem, was in dieser Zeit passiert ist oder ich getan habe, scheint zu bleiben oder von Wert gewesen zu sein. Das ist nun komplett anders. Ja, die Zeit rennt. Aber nicht sinnlos. Ich begleite einen kleinen Menschen auf dem Weg durch’s Leben. Das ist manchmal unfassbar viel Verantwortung, aber eben auch unfassbar viel Glück. Jedenfalls empfinde ich es so.
Ich hatte soviele Fragen, als ich schwanger geworden bin, und als meine bisher gekannte Welt, meine geglaubte Welt, dann auseinanderfiel, noch während ich das Mädchen erwartungsvoll strampelnd im Bauch trug, sind diese Fragen in nackte Angst umgeschlagen. Und ich habe weiß Gott in meinem Leben schon Angst gehabt, die ich, obwohl ich das Meer so liebe, immer als Wellen beschrieben habe, die mich umwerfen, aber das? Das fühlte sich in manchen Momenten an wie ein gewaltiger Stein, unter dem ich zermalmen, zerbrechen, ersticken würde, und Angst vor’m Zerbrechen, die kannte ich bis dahin noch nicht. Ich würde ein Menschenkind auf die Welt bringen, in der ich meinen bis dahin sicher geglaubten Platz verloren hatte, und trotz aller lieber Menschen, die ja zum Glück an meiner Seite waren, kann ich mich nicht erinnern, mich je so hilflos gefühlt zu haben.

Ich habe euch in einigen Posts hier zumindest ein wenig davon erzählt, wie ich mich selbst damit überrascht habe, dass ich nicht nur nicht zerbrochen bin, sondern viel stärker war, als ich mir zugetraut hätte. Und jetzt fühle ich mich wieder so: nicht nur ist mein auseinander gefallenes Leben wieder „zusammen“. Es ist besser, viel besser als ich geahnt hätte. Als ich überhaupt bereit war, zu glauben, denn wer richtig tief fällt, hat bekanntlich erstmal Schiss vor’m Fliegen, und Veränderungen in einem eh schon in vielen Teilen neuen Leben fühlen sich an wie ein Düsenjet. Aber wer hätte das gedacht? Ich liebe das Fliegen ❤

Meine Arbeit hat sich verändert, ich bin innnerhalb der Firma an eine Stelle gerutscht, an der ich mich nie gesehen hätte und bin meinem Chef so dankbar, dass er mich voller Zuversicht dorthin gesetzt und gesagt hat "Das machst du schon!" Ja, tue ich tatsächlich, und es ist toll.
Und ich habe so viele Ideen, was ich noch tun will. Mit dem Herzenskind, dem Herzensmann, Familie, Freunden, aber auch für mich. Ich habe ganz konkrete Ideen für diesen Blog, für neue Puzzleteilchen meines Lebens.
Aber das wird auch wieder Zeit brauchen, auf jeden Fall noch, bis eine weitere, große Veränderung über die Bühne meines Lebens gebracht worden ist. Ich verlasse den Ruhrpott nach über 35 Jahren und lasse mich dort nieder, wohin mich meine Ausflüge und meine Kindheit sowieso schon oft geführt haben und ich mein gefühltes zweites Zuhause habe: am wunderschönen Niederrhein, genauer, am nördlichen Niederrhein. Ende Juli wird es soweit sein, und ich freue mich so sehr, aber es ist auch noch sooo viel zu tun.
Deswegen denkt nicht, dass ich euch keine neuen Puzzleteilchen mehr kredenzen möchte, doch, ich will! Und wie! Aber etwas dauern wird es noch.
Bis dahin wünsche ich euch eine wunderbare, ausgefüllte, und deswegen verfliegende, aber nicht verschwendete Zeit!

Herzlichst, SunnyWaldfrühling

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Urlaub zuhause – Rees am Rhein

Willkommen in ReesDer Niederrhein hat es mir offenbar angetan.
Wie ich hier erzählt habe, war ich schonmal auf dem Weg in die Stadt am Rhein und wurde dann von der Lippe „aufgehalten“. Aber vor einigen Tagen lockte mich die Herbstsonne aus dem Haus und es war beschlossene Sache: heute geht es bis nach Rees.

Diese alte Stadt am Rhein (Wiki sagt dazu: Am 14. Juli 1228 erhob der Kölner Erzbischof die Siedlung mit etwa 150 Gebäuden und 600 Bewohnern zur Stadt, Rees gilt damit als älteste Stadt am unteren Niederrhein.) begrüßte mich mit stillen, übersichtlichen Straßen, viel weniger verwinkelt, als ich gedacht hatte. Dafür aber mit diesen typischen schmalen Gässchen, in denen der Wind immer nach Wasser riecht und von denen man schon weiß, dass sie genau dort hin führen.

Ein kleiner Parkplatz in einem Innenhof verhieß kostenfreies Parken für zwei Stunden, und so ließ ich mein Auto dort stehen und machte mich als erstes auf die Suche nach meinem geliebten Fluss, dem Rhein. Der hat in Rees eine beachtliche Breite und die Promenade ist an der alten Stadtmauer (deren Bau 1289 begann und 1350 abgeschlossen wurde) entlang ausgebaut. Es gibt verschiedene Infotafeln und Denkmale sowie Kunstinstallationen, und auf den kleinen Bänken saßen Jung und Alt und reckten ihre Gesichter in die Vormittagssonne.

Auf meinem Weg dem Rhein folgend, an der Stadtmauer entlang, passierte es dann: ich entdeckte ein absolutes Traumhäuschen. Mit Erker! Blick auf den Rhein! Hach! Neugierig wollte ich das Haus auch von der anderen Seite bewundern und wurde nicht enttäuscht.

(Jetzt muss ich nur noch die bisherigen Bewohner überzeugen, auszuziehen und den Liebsten darauf vorbereiten, dass wir doch etwas außerhalb vom Ruhrpott wohnen werden… )

Unmittelbar an dem „Haus Schaeling“ (es ist denkmalgeschützt und stammt im Kern von 1332, seit 1945 sieht es so aus, wie ich es fotografiert habe) ist der Aufgang zum „Mühlenturm“, den ich natürlich erklomm, um einen herrlichen Ausblick zu allen Seiten zu genießen.

Außerdem führte ich mir dank einer der Infotafeln folgende Geschichte, die sich um den Turm rankt, zu Gemüte:
 

Es war einmal… ein Müller, der mit seiner einzigen Tochter in der Mühle wohnte und so ein verschwenderisches Leben führte, dass die Einkünfte der Mühle nicht mehr ausreichten, seine Schulden abzutragen. Ein reicher Händler, dem die schöne Müllerstochter gefiel, lieh dem Müller immer wieder große Geldbeträge, damit der Müller hiervon seine Schulden begleichen konnte. An eine Rückzahlung der Schulden war bei dem Müller jedoch nicht zu denken. Daraufhin forderte der Händler von dem Müller dessen Tochter als Eheweib. Diese hatte jedoch in dem Müllersknecht ihren Eheliebsten gefunden und weigerte sich, den Händler zum Ehemann zu nehmen. Auch der Müllersknecht machte nun beim Müller einen Eheantrag und versprach, durch Fleiß und Ausdauer die Rückzahlung der Schulden möglich zu machen. Ein Müllersknecht als Schwiegersohn war dem Müller jedoch zuwider und es kam zu einem heftigen Streit, der in einem Zweikampf endete. Der Knecht drückte den Müller an die Umwehrung der Plattform oben auf der Mühle. Das Gestänge brach, der Müller stürzte in die Tiefe und riss seinen Knecht mit hinab in den Tod.

 
Keine schöne Geschichte, muss ich zugeben (und außerdem kommt gleich 13 (!!!) mal das Wort Müller in dem nicht besonders langen Text vor…), dafür war die Ruhe auf dem Turm und der Anblick des träge vorbeifließenden Rhein umso idyllischer.

Als ich mich schließlich, vollgesogen mit frischer Luft und Sonne, so langsam wieder auf den Rückweg zum Auto machte, legte ich noch einen Schlenker im Ortskern ein, der mit typischem Niederrhein-Flair (nicht sehr hohe, teils schmale Häuschen, viele Backsteine) bezauberte. Außerdem zog es mich mal wieder in eine kleine, feine Buchhandlung, die ich wie immer nicht ohne eine Tüte mit vielseitigem Inhalt verlassen konnte.

IMG_0424Fazit: Rees ist nicht so verwinkelt-romantisch wie z.B. Kaiserswerth, dafür aber mit traumhafter Rheinpromenade, zahlreichen kleinen Gastronomien und freundlichen Parkkonditionen gesegnet. Zum Seele baumeln lassen (und Traumhäuser betrachten) definitiv geeignet.

Rees am Rhein