reingelesen: Sternschanze – Ildikó von Kürthy …und meine große Hamburgliebe

Ihr Lieben,

Bücher und ich, das ist so ein Paar, das für immer zusammen gehört. Ebenso wie Hansestädte und ich. UND Musicals und ich. Und in diesem Post vereinen sich alle diese von mir geschätzten dringend gebrauchten Wunderbarigkeiten: ich wandle auf den Spuren des Buches Sternschanze in Hamburg, der schönen Hansestadt und besuche den König der Löwen. So.

Der Liebste und ich verreisen gern zusammen. Auch für „nur mal eben ein Wochenende“. Und da er Hamburg noch gar nicht so richtig kannte, ich aber schon, und da ich keine Eintrittskarten für ein Musical hatte, er aber schon, machten wir uns an einem echten Schiet-Wetter-Tag auf gen Norden.
Nun ist es ja so, dass es von Hamburg-Posts wahrlich viele gibt, weil dieses Stadt einfach umwerfend ist und zahlreichste Geschichten bietet. Und diese vielen Posts wiederum sind bestückt mit vielen, vielen wunderschönen Fotos. Da reihe ich mich jetzt aber einfach nicht ein. Sondern hier kommt zunächst die oben erwähnte Buchempfehlung (denn dieses Buch spielt in Hamburg und hat mich dazu verleitet, dem genannten Viertel selbst einen Besuch abzustatten).

SternschanzeZum Inhalt:

Nicola Lubitz, genannt Nicki, purzelt durch äußerst widrige Umstände mit Anfang 40 aus ihrem Luxusleben in einen ungewollten Neuanfang. Vom barrierefreien Penthouse im Nobelviertel Harvestehude nach einem Zwischenstopp in einem Motel mit Plastikblumen in eine befristete 2-Zimmer-Mietwohnung im Schanzenviertel. Sie findet neue Freunde, alte Wunden und stellt sich die Frage, wie man am besten neu anfängt, wenn man noch nicht mal sicher ist, dass man das Ende überhaupt wollte.

lesenswert?

Da ich ein eingefleischter von Kürthy-Fan bin, musste ich das Buch sowieso lesen. Was mir aber hier besonders gut gefallen hat: man taucht als Leser an vielen Stellen ein in das Leben in Hamburg, die Stadtteile, die Menschen, und die verschiedenen Lebensideale werden so herrlich selbstironisch beleuchtet. Und obwohl die zahlreichen Zeitsprünge manchmal etwas verwirren können, bringen sie Dynamik und Überraschung in die Geschichte, die so ganz anders endet, als ich es von anderen Büchern der Autorin gewohnt war. Dewegen würde ich schon sagen, dass auch Leser, die Frau von Kürthy bisher nicht im Regal zu Besuch hatten, dieses Buch höchst unterhaltsam finden werden.

Die 2-Zimmer-Wohnung im Schanzenviertel ist sogar im Buch mit Adresse angegeben. Und was macht frau da, als neugierige und begeisterte Leserin? Schnappt sich den (zum Glück nicht fußlahmen) Ehemann und wandert in die Sternschanze auf der Suche nach ebendieser Adresse.
Worüber wir aber als erstes „stolperten“, als wir ins Schanzenviertel kamen, war dieses kleine Café:

Herr Max CaféDa wir schon eine Weile gelaufen waren, beschlossen wir dort einzukehren. Die Idee hatten noch so einige andere Menschen gehabt, aber einen kleinen Tisch am Rand konnten wir für uns erobern, und dort ließ ich mir Rhabarber-Baiser-Kuchen und Capucchino und der Liebste eine Limo schmecken. Außerdem ließ ich mein Auge erfreut über die Einrichtung schweifen. Das Herr Max sieht aus wie ein alter, griechischer Imbiss, der mit viele Liebe zum Detail und hinzufügen diverser Möbel und Accessoires in ein süßes, kleines Café umgebaut wurde. Ich kann über die frühere Beschaffenheit nichts sagen, aber in seinem jetzigen Zustand ist es sehr einladend.

Kuchen und Kaffee waren sehr lecker, und es gab noch einiges in der Auswahl, was ich ebenfalls gern probiert hätte, aber es zog uns bereits weiter. Das Schanzenviertel ist nicht schick, zum Glück. Ich finde, es hat Charakter. Gesetzte Herrschaften begegneten uns keine, dafür viele Menschen zwischen 20 und 40, auch einige Familien, kleine Läden, viele Cafés, Bars und Restaurants und herrliche Altbauten.

Was ich mir aber auf keinen Fall nehmen lassen konnte, war, das Haus, in dem Nicki in dem Buch „Sternschanze“ wohnt, selbst zu sehen- zumindest von außen (ja ich weiß, ich olle Stalkerin). Und da war dann auch die Straße… und das Haus. Hach.

Es ist doch wirklich so, dass die meisten Städte auch oder gerade außerhalb ihrer touristischen Hotspots echt viel zu bieten haben. Die Sternschanze kannte ich bis zu dem Buch von Ildikó nicht, und muss sagen, dass ich über das Kennenlernen sehr froh bin. Liebe Sternschanze, ich komme wieder!

An dem Abend unseres Erkundungstages stand dann noch ein Besuch im Musical „König der Löwen“ an. Ich hatte das Musical vor einigen Jahren schon gesehen und wusste, dass ich es lieben und lachen und heulen würde. Der Liebste hat sein Herz schon vor Jahren an ein Musical verloren, das von keinem erreicht werden kann: Les Miserables (und als ich es in London gesehen habe, konnte ich auch verstehen, wieso). So fand er dann auch den Löwenkönig eher zu bunt und zu kindlich, aber „nicht schlimm“, um ihn zu zitieren. Ein Highlight für uns beide war aber der Sonnenuntergang, den uns Hamburg am Hafen kredenzte…
Schiff am Hamburger Hafen
Sonnenuntergang am HafenSo ein wunderschöner Anblick… Ein bisschen konnte er mich damit aussöhnen, dass die Zeit in Hamburg schon fast wieder vorbei war.

Bevor wir dann zurück gefahren sind, musste ich mir aber noch eine Extra-Portion nahenden Frühling abholen, in Blankenese im Treppenviertel. Wart ihr schonmal dort bei einem Hamburgbesuch? Es ist eine eigene kleine Welt, finde ich. Schnuckelige Häuser, verschlungene Gässchen und zu Füßen von alldem die majetätische Elbe.

So schön… und der Abschied wird tatsächlich nur für ein paar Monate sein, denn im Sommer werde ich nochmal nach Hamburg zurück kehren. Mal sehen, was ich dann noch alles entdecke. Ich freu mich schon sehr darauf!

Herzlichst, Sunny

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reingehört: Sting – The last ship

Ja, ich gebe es zu: das Album ist nicht mehr ganz neu (erschienen am 20.09.2013). Und ich habe es auch nicht erst seit gestern. Aaaaber, ich habe gestern mal wieder die ganze CD gehört und mich nochmal neu so reinverliebt, dass ich jetzt darüber berichten möchte.

„The last ship“ ist das 13. Studioalbum von Sting (und das muss ein Zeichen sein, denn 13 ist meine Glückszahl – ja, ich bin sogar an einem Freitag den 13. geboren!) nach einer längeren Schaffenspause und hat mich von der ersten Sekunde an gehabt.

Es ist eher folkig instrumentiert, mit vielen Streichern und null elektronischen Beats. Vor allem das für Schiffermusik so typische Akkordeon kommt oft zum Zuge und unterstreicht den Charakter des Albums. Ein wenig Jazz findet sich auch (And Yet), ebenso wie Irish Folk (What have we got?). Viele Lieder sind im 3/4 oder 6/8 Takt, der zum Schunkeln einlädt, die Stimmung (inklusive Text) ist aber eher melancholisch als fröhlich (wunderbare Ausnahme: The night the Pugilist learned how to dance, Sting gibt den Straßenboxer mit Dialekt zum Niederknien gut). Die Texte beschäftigen sich mit (Sting’s) Kindheit (er ist in Wallsend, England aufgewachsen, dort ist ein Hafen und ein Schiffsbauwerk), Heimkehr, Selbstfindung, Liebe und natürlich der Schiffahrt (die auch das Leben manchmal sein kann). Die Stücke erzählen alle eine eigene Geschichte, manche gehen ineinander über (Practical Arrangement – I love her but she loves someone else). Es ist kein Schnappen nach Ohrwürmern, sondern der Wunsch, jeder Story hinter dem Lied gerecht zu werden, was das Album dominiert. Die Deluxe-Edition beeinhaltet eine weitere CD mit fünf Extra-Songs.

Was mich aber am meisten fasziniert, ist zum einen die Eindringlichkeit, mit der Sting jedes Lied vorträgt, als ob er die Zuhörer begreifen lassen müsste, um was es geht. Das Album ist zum Teil autobiographisch und ist inspiriert durch das gleichnamige Theaterstück, an dem Sting bereits seit drei Jahren arbeitet und das in Kürze am Broadway uraufgeführt wird. Man hört mit jeder gesungenen Silbe, dass sein Herz sehr an den Musikstücken hängt.

Zum anderen fesselt mich jedes Mal die Unfehlbarkeit seiner Stimme. Die ist mit den Jahren dunkler und rauer geworden, hat aber nichts von ihrer Magie verloren. Ich glaube, dieser Mann könnte mir auch die Postleitzahlen von Deutschland oder eine Speisekarte von 1985 vorsingen, und ich würde mich einfach im Klang seiner Stimme verlieren. Hach.

Sting The last ship