Egmond mit Übernachtung – ein Sonnenwochenende am Meer

Ihr Lieben,

ich war schon wieder am Meer.

in Egmond am StrandIch geb es ja zu, ich kann einfach nicht lange ohne. Und weil wir beide das gemeinsam haben, war ich mit Jasmin zusammen unterwegs.

Am (zumindest für uns) frühen Morgen packte ich sie ein, und auf gut Glück hatten wir auch beide eine Tasche dabei. Wir wollten vor Ort spontan schauen, ob wir für eine Nacht eine Unterkunft finden. Vor Ort war in diesem Fall, wen wundert es eigentlich noch, mein geliebtes Egmond aan Zee. Ich hab euch ein paar sonnige Strandeindrücke mitgebracht, und auch von unserem Mittagsplätzchen an der Sonne bei „Het Wapen van Egmond“, wo wir mittags eigentlich immer zu speisen belieben. Aber vor allem möchte ich diesen Eintrag nutzen, um euch einen 1a-Übernachtungstipp zu geben.

Wir fuhren also gegen 11 Uhr in Egmond ein (über die Strandpromenade am Leuchtturm vorbei, wie ich das seit 30 Jahren tue) und begannen unsere Unterkunftssuche am Kennedeyboulevard, die Churchilllaan runter und überall blickte uns aus den Fenstern ein „Bezet“-Schild an. War ja irgendwie klar, an einem langen Wochenende. Aber dann, um die Kurve auf der Marshallstraat (ja, eindeutig waren wir im Präsidenten-Viertel) endlich ein „Vrij“-Schild. Und am Türschild stand „De Strandwal“ (gerade habe ich bei der Suche nach dem richtigen Link noch ein „Strandwal“ in Egmond gefunden, allerdings in Egmond-Binnen. Das meine ich nicht, auch wenn die Fotos schick aussehen. Wisster Bescheid.). Da hüpfte mein Herzchen, denn vor 8 Jahren hatte ich dort schonmal gewohnt, im Somerhuis. Das sind kleine Häuschen in den allermeisten Gärten dort in Egmond (und anderen holländischen Städten), die an Gäste vermietet werden. Bei den Eheleuten de Waard gibt es Zimmer mit Frühstück, die ich persönlich noch nicht gesehen habe, oder eben das Somerhuis. Und genau das war auch noch frei, also zogen Jasmin und ich nach gerade mal fünf Minuten Suche für 30 Euro/p.P. mit großem Hallo dort ein. Leider gibt es keine Fotos von mir, und auf der Infoseite von Egmond aan Zee sind nur Bilder der Zimmer mit Frühstück, aber hier eine kleine Beschreibung:

Beim Betreten des Somerhuis (als Gast muss man nicht durch das Haus der Gastgeber, sondern hat durch das Gartentor einen eigenen Eingang) steht man in einem kleinen Flur, von dem links eine (sehr steile!, knarzige) Treppe nach oben führt, geradeaus geht es in das kleine, aber feine und pikobello saubere Badezimmer, nach rechts ins Wohnzimmer. Dort stehen eine gemütliche Rattancouch und ein Schwingsessel (ich glaube vom Schweden) um einen kleinen Holztisch, ein Esstisch mit Bank und Stühlen steht an der hinteren Wand, darüber ist ein recht großer Flachbildschirm-Fernseher angebracht, so dass man ihn auch von der Couch aus sehen kann. In einer Nische schließt sich die voll eingerichtete Küche an. Über die Treppe gelangt man ins Dachgeschoss, wo es zwei Schlafkammern gibt, eine kleine am Aufgang der Treppe mit einem 1,40 x 2 m Bett und eine geräumige dahinter mit einem großen Doppel-, einem Einzel- und einem Kinderbett, Platz für Garderobe in Wandschränken und einem Waschbecken mit Warmwasser. Bettwäsche und Handtücher sind vor Ort. Alles ist zwar schlicht, aber trotzdem liebevoll eingerichtet, und kleine maritime Details lassen einen nie vergessen, wo man gerade ist. Eigentlich ist so ein Sommerhaus für Selbstversorger, aber die entzückende Frau de Waard winkte ab und meinte im Hinausgehen zu uns, dass es doch Quatsch sei, für eine Nacht was einzukaufen, und dass sie uns am nächsten Morgen ein Tablett rüber bringen würde. Wir waren sehr dankbar und glücklich, dass der Sonnentag jetzt so richtig anfangen konnte.

Es folgen nun also ein paar Eindrücke für euch vom Mittagstisch und unserem Nachmittag am Strand. Hach.

Den Abend verbrachten wir zum Essen im „Mats“ (wo es sehr lecker, aber auch nicht ganz günstig war) und nach einem Eis als Absacker auf der Couch mit unseren Büchern. Die Nacht war ruhiger als zunächst befürchtet (nebenan im Somerhuis Wand an Wand mit unserem wohnte eine Familie mit gefühlt 50 Kindern, die aber ab halb elf schlagartig still wurden) und am nächsten Morgen stand wie verabredet um neun Uhr Frau de Waard vor unserer Tür. Und mit ihr ein Tablet mit unserem Frühstück. Achtung: zwei frisch gekochte Eier, zwei Gläser Orangensaft, eine Kanne Kaffee, Butter, zwei Sorten Brot, Salami, Schinken, Käse, Marmelade UND Hagelslag (Schokostreusel). OHNE Aufpreis. Da war’n wir erstmal platt, und Frau de Waard wollte von überschwänglichen Dankesbekundungen nichts wissen. Sie wünschte Guten Appetit und überließ uns dem Essen. Großartig.
Also, einfach nur weil es mir so gut gefallen hat und man dort vortrefflich aufgehoben ist, wenn man nicht unbedingt Luxus braucht, mein Übernachtungstipp in Egmond für euch: bei Familie de Waard im Strandwal auf der Marshallstraat 43. So.

Bevor wir am späten Nachmittag zurück gefahren sind, waren wir noch in Bergen-Binnen am Streichelzoo (die liebe Fee hat hier mal darüber geschrieben und sooo süße Fotos gemacht) und nochmal am Strand für einen Tee und Blick aufs Meer, diesmal mit Wolken und Wind, aber das machte nichts. An meiner geliebten Nordsee ist es schließlich immer schön.

Demnächst geht es für mich in die ganz andere Richtung, nach Süden in die Berge. Ich bin schon gespannt… Bis dahin sonnig-sandige Grüße,

herzlichst, Sunny

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Urlaub auf Juist: Von Rosinenstuten und Herzenskindern – und warum ich etwas sauer auf mich selbst bin

Das Seezeichen und der HafenIhr Lieben,

wie ihr Dank meiner Fotoflut ja bereits wisst, war ich letzte Woche im Töwerland, auf der wunderschönen Ostfrieseninsel Juist. Jetzt sind alle Fotos gesichtet und ich bin (widerwillig) auch mental zuhause im Pott angekommen. Das ist doch dann die perfekte Zeit, um einen kleinen Bericht zu schreiben, finde ich.

Der Liebste und ich waren nicht nur mit dem Paulehund, sondern auch mit zwei Freundinnen, Kerstin und Alex, und Alex‘ zwei Herzenskindern unterwegs. Wir wohnten alle zusammen im Loog, der westlichen Siedlung von Juist, in zwei Ferienwohnungen. Ich könnte seitenlang über die Juister Geschichte schreiben, da mich das sehr interessiert hat und ich mich quasi freiwillig fortgebildet habe, aber das täte dann doch den Rahmen eines Posts sprengen, deswegen verweise ich hier an Wikipedia, wo das alles sehr nett und übersichtlich zusammengefasst ist. Allerdings fehlt dort meiner Meinung nach eine wichtige Sehenswürdigkeit, die nur unter dem Punkt „Naturdenkmäler“ kurz angerissen wird: die Domäne Bill. Aber dazu später mehr (und da erfahrt ihr dann auch, warum ich sauer auf mich bin. Grummel.).
Rein vom schwärmen könnte ich vermutlich minutiös erzählen, was wir alles so erlebt haben, aber ich beschränke mich dann lieber auf die Dinge, die für mich am tollsten waren.

Die Überfahrt am Montag von Norddeich war abenteuerlich. Die Flut hatte sich noch nicht vollends hinbequemt und unser Schiff schrabbte das ein oder andere Mal laut hörbar über eine Sandbank. Aber angekommen sind wir dann doch, und sobald man einen Fuß auf die Insel setzt, wird sowieso alles anders: Pferdegetrappel, Möwengekreisch und Salzgeruch in der Luft… da sind dann die anderen ankommenden Gäste auch egal, denn man selbst kommt an. Meine Güte klingt das esoterisch, aber es ist wahr. Keiner hetzt (weil man keinen Bus verpassen kann), keiner hupt (weil keine Autos da sind) und keiner will so schnell wieder weg.
Eine große Kutsche brachte uns ins Loog zu unseren Unterkünften, und außer auspacken, mit Hallo den Strand begrüßen und einem herzhaften Abendessen im Kiebitz-Eck war am Ankunftstag nicht mehr viel los. So viel frische Luft macht ja auch müde…

Am Dienstag morgen war ich ganz der Morgenmensch, der ich nunmal auch im Urlaub bin und schnappte mir um kurz nach acht den Paulehund, um die Sonne am Strand zu begrüßen. Vom Loog aus ist man nämlich innerhalb von wenigen Minuten am Strand, und zwar am Hundestrand! Heißt für Paul: Düne rauf, schon begeistert gucken, weil das Meer in Sicht ist, Leine ab und los! Um diesen Morgen festzuhalten musste mein Smartphone herhalten, aber es ging ganz gut:

Sonnenaufgang1 Sonnenaufgang2Außerdem liehen wir an diesem Tag unsere Fahrräder, denn die sind auf Juist nunmal das beste Fortbewegungsmittel, wenn man unabhängig von Kutschenzeiten schnell von A nach B kommen möchte, und wir legten einen Gitarren-Gesangs-Nachmittag ein, Kerstin, Alex und ich. Der Liebste hörte zu und zupfte ab und an auch mal an dem Instrument. Das kanner.

Am Mittwoch ging es zu den Seehundbänken, und das fing ungemütlich an. Denn die graue Wolkendecke, die schon morgens über uns gehangen hatte, beschloss in dem Moment, als wir am Hafen von den Rädern stiegen, den Regen endlich loszulassen. Das kleine Bötchen war voll mit neugierigen Menschen, und während Alex mit dem kleinen Herzenskind unter dem kurzen Dach noch einen Sitzplatz ergatterte, saßen Kerstin, das große Herzenskind und ich im Regen am Bug. Eigentlich der beste Platz… aber nicht, wenn das Schiff noch im Hafen liegt und es nichts zu sehen gibt außer einer Frachtfähre und endlose Regenschnüre. Aber als wir endlich ablegten, hatte auch Petrus ein Einsehen und drehte den himmlischen Wasserhahn langsam wieder zu. Ich hatte zwar schonmal was gezeigt von den puscheligen Seehunden und der Vogelinsel Memmert, aber ich kann nicht anders:

Wer denkt denn da noch daran, dass er vorher nassgeregnet wurde?!

Am Donnerstag war für mich ein Auszeittag, denn mein Körper nahm mir den zwar wunderschönen, aber auch kalten und nassen Ausflug vom Vortag übel und bescherte mir einen Fibroschmerzschub vom allerfeinsten. Aber wir ließen es generell ruhig angehen an diesem Tag, versuchten ohne Wind mit dem großen Herzenskind einen Drachen steigen zu lassen und kochten uns abends eine riiiesige Portion Nudeln mit Tomatensauce. Auch schön.

Freitagvormittag stahlen der Liebste und ich uns davon (ok, nicht heimlich, sondern ganz offiziell), um für uns allein einen kleinen Bummel durch das Dorf zu machen (und dabei verliebte ich mich sehr in eine Mütze, die dann den Rest des Urlaubs meinen Kopf zieren durfte). Auf Juist gibt es einen unverschämt gut ausgestatteten Süßigkeitenladen, „Süsse Sachen“, mit Nougatbruch, Bonbons, Pralinen und anderem Hüftgold, auch da konnten wir nicht vorbeigehen.
Mittags kamen wir wieder zurück, denn da brachen Kerstin, Alex und das große Herzenskind zu einer Wattwanderung auf… und das kleine Herzenskind blieb beim Liebsten, dem Paulehund und mir! Das war eine ganz neue Erfahrung für mich, kann ich euch sagen. Ich war spazieren, hab vor mich hingesungen, meinen Schlüssel mit Hilfe von großen, neugierigen Kinderaugen ganz neu entdeckt und habe mit einem ganz merkwürdigen Gefühl im Bauch den Liebsten beobachtet, wie er mit dem kleinen Herzenskind auf dem Boden herumkrabbelte und die Annährung mit dem geduldigsten Hund aller Zeiten überwachte. Hach.

Am Samstag schließlich schwangen wir uns alle auf die Räder (und das kleine Herzenskind in den Anhänger) und fuhren zur Domäne Bill am äußersten Westende von Juist. Ein Arbeitskollege von mir hat zu mir gesagt, bevor ich vor gut drei Jahren das erste Mal meinen Fuß auf die Insel setzte: „Wer auf Juist Urlaub macht, muss einfach auch zum Bill, Rosinenstuten essen!“ Ich weiß noch, dass ich dachte „Muss man?“ und nachdem ich nun zum vierten Mal in diesen Genuß kam, kann ich sagen „Ja! Muss man!“ Nun habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Rosinen. Wenn man sie in einem Schälchen vor mich hinstellt zum knabbern, fällt das Knabbern für mich aus. Pfui bah. Sind sie in einem Kuchen oder Brot verarbeitet, juchuuu! Seltsam, ist aber so. Und nun kommen wir zu dem Punkt, warum ich mit mir selbst ein bisschen grummelig bin: da schleppe ich meine Kamera überall hin, um schöne Momente festzuhalten und versäume, diese dicke, duftende, noch warme Stutenscheibe, auf der die Butter wegschmilzt, zu fotografieren, damit ihr wenigstens eine Ahnung davon bekommen könnt, warum man diesen Stuten einfach essen muss (ist ja gut, ich weiß, dass nicht jeder Rosinenstuten mag! Die sich schütteln, müssen nicht. Es gibt noch andere leckere Sachen in der Domäne Bill, versprochen.). So gibt es also nur Schwärmerei vom Stuten, aber dafür andere, festgehaltene Momente, die auch schön waren. Sehr sogar.

Als wir uns am letzten Abend auf den Weg ins Dorf machten, um die Fahrräder wieder abzugeben und in der „Hubertus-Klause“ essen zu gehen, zeigte sich die Insel nochmal von ihrer schönsten Seite… wie, um uns daran zu erinnern, bloß wieder zu kommen. Aber da muss sie keine Sorge haben.
Wir sehen Dich wieder, Töwerland! ❤

Abschied von Juist(Die Fähre am Sonntagmorgen ging schon um viertel vor neun. Der Abschied war also schnell, wenn auch nicht ganz schmerzlos. Und es regnete wieder. Aber diesmal hatten wir einen Platz im Trockenen. Immerhin.)

Juist – meine Zauberinsel in Bildern Teil 2

StrandausblickIhr Lieben,

ich kann es gar nicht glauben, dass die Woche schon beinahe um ist.
Es ist zwar richtig, dass auf Juist die Uhren irgendwie… geruhsamer ticken, aber trotzdem rennt die Zeit ja meistens davon, wenn man sich richtig wohl fühlt.
Hier nochmal einige Impressionen für euch, mit ganz viel Sand, Meeresrauschen und Salz in der Luft:

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende! Ich fröne noch für den letzten Abend meiner Meeresliebe…

Sunny am MeerHerzlichst, Sunny

Juist – meine Zauberinsel in Bildern Teil 1

Ihr Lieben,

ich bin gerade angefüllt mit Glück und Meerliebe. Bis obenhin. Und zwar, weil ich eine Woche auf Juist verbringen darf.

Die Ostfriesen nennen diese Insel „Töwerland“, das heißt „Zauberland“. Das kann ich nur unterschreiben. Was ich genau hier so gemacht habe, erzähle ich euch, wenn ich zurück bin. Jetzt möchte ich einfach nur Bilder sprechen lassen.

Seehundbaby

Herzlichst, Sunny

 

 

Meerliebe 2.0

Meine Meersehnsucht ist immer da. Aber manchmal wird sie ganz besonders stark, und wenn dann ein freier Tag und trockenes Wetter zumindest kein Dauerregen zusammenfallen, gepaart mit relativer Schmerzfreiheit, hält mich eigentlich nichts mehr. Gerne schleppe ich jemanden mit, wie den Liebsten, Jasmin oder Anny. Manchmal fahre ich aber auch einfach allein los.

So geschehen am gestrigen Tag. Der Wecker schmiss mich um halb sieben raus und um sieben saß ich im Auto Richtung Egmond aan Zee. (Jaja, ich weiß, da bin ich doch ständig. Na und? Es ist quasi mein 2. Zuhause, und wenn ich nicht entdecken, sondern nur genießen will, geht es dorthin. )
Wen’s interessiert: A3 hoch Richtung Emmerich/Arnhem (nach der Grenze wird die Autobahn zur A12), weiter bis Utrecht, dort Wechsel auf die A2 Richtung Amsterdam, kurz vor Amsterdam auf die A9 Richtung Haarlem/Schipol, runter am Ring Alkmaar auf die N9 (gut zu erkennen am riesigen AFAZ-Fußball-Stadion), Beschilderung im großen Kreisverkehr Richtung Egmond aan Zee folgen.
Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich an einem ganz normalen Montag vermutlich in den Berufsverkehr geraten würde. Und so saß ich dann zwischen der Grenze und Utrecht erstmal fest. Naja. Bütterken und Kaffee dabei, Hörbuch an, halb so wild. Danach war aber freie Fahrt, und um viertel nach Zehn fuhr ich endlich über die Strandpromenade, winkte dem Meer das erste Mal zu und parkte schließlich am Kennedyboulevard.

(Dort habe ich mit meinen Eltern jahrelang in einer Mietferienwohnung gewohnt, in der obersten Etage mit Blick vom Balkon direkt auf den täglichen Sonnenuntergang, und als wir 1998 aus heiterem Himmel erfuhren, dass die Wohnung verkauft sei und die neuen Besitzer nicht mehr vermieteten, habe ich mich in den Schlaf geheult. Aber es war ja „nur“ die Wohnung verloren, nicht mein geliebtes Dorf, also habe ich neue Wohnmöglichkeiten ausprobiert: auf dem Campingplatz, in Zimmern mit Frühstück und Sommerhäusern. Und dabei zweifelsfrei festgestellt: „Egmond is‘ immer schön!“)

Von der angekündigten Bewölkung war nichts zu sehen, ein wenig Hochnebel vielleicht, ansonsten: Sonne pur! Herrlich. Die Regenjacke wanderte direkt mal aus dem Rucksack auf den Autositz, und dann zog ich los.
Der erste Gang führte mich (natürlich!) zum Strand, wo ich sogleich von einer Möwe und einem Schiff und einem kleinen, gelben Bötchen bezaubert wurde…

Ein Stück den Strand hinauf (um kurz vor elf übrigens noch erfreulich menschenarm) kraxelte stolperte und kullerte ich eine Düne hinauf, um meine Decke auszubreiten und erstmal nur zu gucken und zu hören und zu riechen.

Ausblick Egmond rechtsDas war meine Aussicht nach rechts…

Ausblick hinter mir…das war hinter mir…

Ausblick Egmond links…das nach links…

Aussicht Egmond vorn…und das war meine Aussicht nach vorn. Hach.
Ich hatte mir ein Buch mitgebracht, das ich aber immer mal wieder zur Seite legte, um die Augen zu schließen und nur zu genießen. (Ich hatte übrigens auch Kopfhörer für Musik dabei. Aber braucht frau die, wenn doch Meeresrauschen allgegenwärtig ist? Eben.) Kennt ihr das? Man vergisst wirklich die Zeit, und wenn man ganz viel Glück hat, auch Stress und Hektik und Lärm.
Als dann gegen Mittag mein Bäuchlein die hehre Stille mit einem unfeinen Knurren unterbrach, packte ich erstmal wieder alles ein und lief (barfuß ❤ ) zurück am Strand Richtung Dorf (und entdeckte freudig das gelbe Bötchen vom Morgen, jetzt auf „hoher See“).

Im „Het Wapen van Egmond“ ließ ich mir dann ein Broodje Gezond (das ist ein wahlweise weißes oder braunes Brot mit Kochschinken, Gouda, Salat, Gurke, Tomate und Ei) und einen Cappuchino schmecken und machte mich danach auf in den Ort.

Cappuchino im Wapen van EgmondIch brauche diesen Spaziergang jedes Mal, obwohl ich die Voorstrat schon so lange kenne. Irgendwie ist sonst ein Besuch in Egmond nicht vollständig. Dort bestaunte ich die hübsche Auslage eines Blumengeschäftes, verliebte mich in einem Dekoladen in eine Kommode und fand eine bezaubernd-verwucherte Hinterhofidylle.

Den Tag abgeschlossen habe ich aber nach diesem Spaziergang natürlich am Meer…
…und angedacht war, den Abschluss mit einem Bild voll goldener Abendsonne zu krönen… Hmpf. Hat meine kleine Kamera aber anders entschieden. Beziehungsweise die Batterien für „Low Power Products“, die ich ihr aus Versehen zugeführt hatte. Gut. Dann kommt eben ein Bild vom Vormittag an den Schluss und das Versprechen, dass ich die Tage noch mit einer Begebenheit um die Kurve komme, die sich gestern am Meer zugetragen hat. Die verdient aber einen eigenen Post. Bis ganz bald also!

Herzlichst, Sunny

Strandblick

Im Land der Leprechauns – sunny spells and occasional showers

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Diesen September ist es fünf Jahre her. Da habe ich mein Herz an eine grüne Insel verloren.

Vor einigen Tagen schrieb ich mit einem Bekannten zum Thema Fotografie über die Schönheit von „wilden, ungezähmten“ Orten. Und da fielen mir unweigerlich drei Momente ein: der Ausblick von den Cliffs of Moher, die Stille am Poulnaborne Dolmen und der Anblick der Berge am Lady’s View. Kann ja kein Zufall sein, dass diese Orte alle in Irland sind. Eigentlich ist das ganze Land eine einzige, ungezähmte Schönheit.

Ich wollte schon lange nach Irland. Es war ein Buch, das zum ersten Mal die Sehnsucht nach dieser Insel geweckt hat, und zwar dieses hier. Ich glaube, damals war ich zwölf. Es ist die wahre Geschichte einer Autorin für Pferdebücher, wie sie an ihre erste (und unvergessene) Connemara-Stute Colleen gekommen ist. Dafür musste Frau Heuck damals nach Irland reisen, und einige Kapitel ihres Buches spielen dort. Sie beschreibt Land und Leute (und das Wetter) so eindringlich, dass ich mich unweigerlich dorthin versetzt gefühlt habe. Es war mir sofort klar, dass ich einmal dorthin reisen würde musste.

2009 war es dann endlich so weit. Da ich ja bekanntlich fliegen nicht soooo sonderlich gern mag, trat ich die Reise mit einem Schiff an, der Oscar Wilde. Diese Fähre ist zwischen Roscoff, einem kleinen französischen Hafen, und Rosslare, einem irischen Hafen im Süd-Osten, nonstop unterwegs, also ohne in England Halt zu machen. 18 Stunden dauerte die Überfahrt und es war herrlich. Meerliebe + Schiffliebe = seehr glückliche Sunny. Aber das war nichts im Vergleich zu den 18 Tagen auf der Insel. Eine gute Woche in einem Cottage im Westen, 10 Tage im Südwesten, drei davon in einem Hotel. Was soll ich sagen? Ja, die Iren sind wirklich so gastfreundlich und musikalisch, wie man immer hört. Ja, die Insel trägt ihren Beinamen „Die Grüne“ mehr als zurecht. Ja, das Wetter ist tatsächlich so unbeständig und gewaltig und wunderbar. Und ja, ich muss auf jeden Fall nochmal hin! Aber was erzähle ich so viel? Ich lasse lieber Bilder sprechen.

Im Westen (Lahinch, Galway, Burren, Dolmen, Ennis):

 

Im Südwesten (Lady’s View, Kenmare, Bantry, Sheep’s Head, Ring of Kerry, Killarney):

 

Wer jetzt ganz große Lust bekommen hat, Irland besser kennenzulernen, dem möchte ich noch dieses Buch ans Herz legen: Sunny Spells – Occasional Showers von Christoph Fechler.Selten habe ich etwas gelesen, das Irland und seine Menschen treffender beschreibt. Humorvoll und mit einem großen Augenzwinkern geschrieben ist jedes einzelne Kapitel lesenswert. Und was war es für ein schönes Detail, zu entdecken, dass das Haus von Herrn Fechler in Kenmare steht – in dem Ort, wo ich als zweites gewohnt habe. Hach.

Wenn ich die Bilder so betrachte, hab ich tatsächlich wieder den Wind im Gesicht und den… wirklich grünen Geruch in der Nase. Die Gänsehaut, die sich bei mir eingestellt hat, als ich an dem über 5000 (!) Jahre altem Dolmen stand, ebenso wie das Gefühl, stundenlang an den Cliffs of Moher sitzen zu können und auf’s Meer zu schauen und das reiche für’s Glücklichsein… alles ist unvergessen. Am Abreisetag, bevor es auf die Fähre ging, waren einige Menschen von Tourism Ireland an der Autoschlange mit Clipboards unterwegs, um die Insassen zu befragen, wie ihnen der Aufenthalt gefallen habe. Und auf die Frage, was ich denn nun von „ihrem“ Irland halte, konnte ich der Dame im Regenmantel nur antworten: „It’s just… stunning. Breathtaking.“ Und das war nichts als die Wahrheit.

Die Sehnsucht nach Irland ist ungebrochen groß, und nach diesem Blogpost erst recht. ❤ Ich komme wieder!

Sunny Spells

Sunny Spells

 

unerwünschte Begleitung inklusive – mit Fibromyalgie auf Reisen

Gestern war es wieder soweit: ich habe mich durch diverse Fotos von Reisen geklickt (diesmal durch Abendstimmungen), die ich im Laufe der letzten Jahre aufgenommen habe (das Unterwegs sein ging von „ziemlich weit weg“ bis zu „nur um die Ecke“) und die Bilder sorgten dafür, dass ich mich zurück versetzt gefühlt habe. Dieses zurück reisen im Kopf ist etwas, das ich sehr liebe und häufig praktiziere und führt unweigerlich dazu, dass erneut Reisefieber ausbricht, denn

reisen schafft Inspiration.

Egmond aan Zee 2014

Niederlande, Egmond aan Zee, 2014

Portugal 2011

Portugal, Algarve,  2011

Teneriffa, Alcalá, 2013

Teneriffa, Alcalá, 2013

Für neue Idee, neue Texte, neue Sichtweisen, neue Fotos… die dann wieder beim „zurück reisen“ helfen. Und wenn man gerade mal keine Inspiration, sondern Erholung und einen freien Kopf braucht, schafft reisen auch das. Manche nennen es dann Urlaub. Aber es ist das „weg sein“-Gefühl, das all das auslöst. Das kann mir vermutlich jeder, der gern unterwegs ist, bestätigen.

Was packen wir alles ein? Vom Rucksack bis zum XXL-Trolley reicht der Platz, und was wir mitnehmen hängt von dem ab, was wir meinen, zu brauchen auf dieser Reise. Für einen oder zu zweit? Oder für die ganze Familie?

Ich packe grundsätzlich für zwei.

Und damit meine ich (leider) nicht den Liebsten. Auch wenn ich mich allein auf den Weg mache, um werte Menschen zu besuchen oder einfach nur, um mal wieder unterwegs zu sein, sitzt Madame schon auf der Tasche. Und mein Reisegepäck enthält dann neben den gewöhnlichen Dingen wie Badartikeln und Wechselwäsche grundsätzlich:

  • ein (nicht zu spannendes) Buch, um eventuell aufkommende Gedankenstrudel abzulenken
  • etwas Wärmendes für Nacken, Füße und Handgelenke (ja, auch im Sommer. Ohne dicke Socken geht nicht. Könnte ja abkühlen.)
  • Schmerzmittel

Das nimmt in der Tasche nicht sooo viel Platz ein. Aber in meinem Kopf.

Immerhin bin ich überhaupt wieder unterwegs.

Einige Zeit vor und auch noch nach meiner Diagnose war sogar längeres Autofahren schwierig. Weil plötzlich aufkommende Schmerzen in Händen oder Knien oder Druck im Kopf für Angstgefühle sorgten, und die wiederum für Verschlimmerung… wiedermal der Teufelskreis. Für mich, die ich „rauskommen“ schon immer toll fand, war das niederschmetternd. Ich wollte mir nicht diktieren lassen (müssen), ob und wann ich unterwegs sein dürfte. Dass das heute wieder möglich ist, hat viel mit meiner Therapie zu tun und dem, was ich dabei über mich gelernt habe.

Der Flug nach Portugal 2011 zum Beispiel war der reinste Horror. Der arme Liebste hat 4 Stunden damit verbracht, mich zu beruhigen und mich daran zu erinnern, ruhig zu atmen. Flugangst inklusive Negativ-Gedankenstrudel olé! In den neun Tagen, die wir dort waren, habe ich mehr als die Hälfte mit dem nahenden Schrecken des Rückflugs verbracht. Dabei war die Umgebung so traumhaft schön… mit einer Poolterasse direkt in den Felsen gebaut, unmittelbar darunter der Atlantik, es war ein Meertraum. Aber ich konnte an vielen Stunden des Tages nur an die Panik vor dem Flug denken. War nicht so erholsam.

Der Flug nach Teneriffa letztes Jahr war dann schon deutlich besser. Meine Flugangst hatte ich bearbeitet – mit Vorfreude. Nicht nur sollte die Reise nach Teneriffa gehen, und so weit im Süden war ich noch nie gewesen (ok, auch, weil es mich eigentlich eher in nördlichere Gefilde zieht… aber das ist eine andere Geschichte), sondern es war auch unsere Hochzeitsreise. Traumhaftes Hotel, direkt am Meer mit Blick auf La Gomera, wie sollte ich mich nicht unbändig darauf freuen? Also habe ich jedem vorbeifliegenden Flugzeug mit einem Lächeln nachgeschaut und mir das Glücksgefühl verinnerlicht, dass der Gedanke an die Hochzeit und die Flitterwochen in mir auslöste. Für den Flug selbst gab es außerdem noch einen Helfershelfer außer der Hand des Liebsten: mein iPad mit brandneuen Folgen der herrlich kitschig-unterhaltsamen US-Serie „Glee“ darauf. Viel Gesang, Musik und Herzschmerz. So schnell sind knapp fünf Stunden Flug noch nie vergangen, kann ich euch sagen. Die Fibro war chancenlos. Sie hat dann im Laufe der Tage auf Tenriffa ein paar Mal für Druckkopfschmerzen gesorgt, aber die meiste Zeit hat mein Glück über diese wunderschöne Insel und den Mann an meiner Seite die Schmerzen quasi in den Hoteltresor gesperrt. Ha!

Und so ein spontaner Egmond-Besuch wie dieser hier mit Jasmin ist inzwischen so ein fester Bestandteil meines Lebens geworden, dass die Fibro nur noch mitkommt, weil sie muss. Ich habe den Spieß quasi umgedreht. Es ist nicht mehr so, dass ich denke „Oh nein, die olle Zicke sitzt auch schon wieder im Gepäck“, sondern dass ich mich gut fühle, weil ich weiß, dass mein Reiseglück ganz oft größer ist als der Schmerz.

So ist das nämlich. Ich kann am allerbesten entspannen, wenn es mir gut geht, und das gilt eben auch  besonders für die Reiselust. Denn dann kann ich mich getrost umdrehen und etwas neues entdecken und Ideen haben und tiiiieef einatmen – und die Fibro kann mir gestohlen bleiben.

Deutschland, Lindau, 2014

Deutschland, Lindau, 2014