Kleines Mädchen

Die Ereignisse in meinem Leben, die Gedanken in meinem Kopf, die Gefühle in meinem Herzen… alles ist gerade so viel und so schwer in Worte zu fassen. In solchen Momenten will ich dem Menschen besonders danken, der es wie kein anderer schafft, aus meiner Seele zu sprechen.
Danke, Herr Mey.

kleines Mädchen

Das kleine Mädchen auf meinem Schoß
Plaudert und lacht und erzählt atemlos,
Singt und hält inne und spielt mit mir
Mit einem Finger auf dem Klavier.
Und Gedanken und Bilder, Erinn‘rungen zieh‘n
Durch meinen Sinn mit den holprigen Melodien.
Mir doch grad erst geschenkt, gestern kaum erst ein Jahr
Und heut Spangen und Schleifen und Bänder im Haar.
Kleines Mädchen auf meinem Schoß
Schmieg dich an, wieg dich, ich lass‘ dich nicht los.

 

Die Hand, die da über die Tasten spaziert,
Erlaubt mir heut noch, daß die meine sie führt.
Heute noch ist der Platz auf meinen Knien
Ein guter Hort, vor allem Kummer zu flieh‘n.
Heute seh‘ ich dich noch fragend zu mir aufschau‘n,
Doch voll Ungeduld schon und voller Selbstvertrau‘n
Beginnst du dich Schritt für Schritt zu befrei‘n,
Und den nächsten, den gehst du dann schon ganz allein.
Bald, kleines Mädchen auf meinem Schoß,
Bald, kleines Mädchen, so bald bist du groß.

 

Die Jahre vergeh‘n, unsre Zeit fliegt dahin.
Wir dreh‘n uns im Kreise, und das ist der Sinn:
Alles muß enden und Neues beginnt.
Du bist der Morgen und frei wie der Wind.
Kinder sind uns ja nur für kurze Zeit gelieh‘n,
Und sie sind ja gekommen, um weiterzuzieh‘n.
Doch sie gehen zu lassen, ist die schwerste Lektion.
Geduld, kleines Mädchen, ich lern‘ sie ja schon.
Kleines Mädchen auf meinem Schoß
Spring in den Reigen, ich lasse dich los.

 

Das größte Glück

So plötzlich…

Völlig unvorbereitet.
Du dachtest, du hättest bereits gefühlt. Du dachtest, dein Leben hätte auch schon vorher einen Sinn gehabt. Du dachtest, du kennst deinen Platz in dieser Welt.
Und dann passiert es.
Einen Vorgeschmack hast du schon bekommen.
Das Warten, sitzend auf einem Balkon im Urlaub, die Hand auf dem Bauch, ein stummes Zwiegespräch „Bist du da?“
Zwei blaue Streifen auf einem Test, deren Anblick dir die Tränen in die Augen treibt.
Ein flackerndes, weißes Licht in deinem Bauch und dazu der Satz „Das ist das schlagende Herzchen.“ Sprachlosigkeit.
Die erste Bewegung, ein Stupsen, eine sanfte Meldung, die dir sagt „Ich bin da!“
Die ersten Töne, ein Rauschen und dann, schnell wie ein Rennpferd, Herzklopfen.
Warten. Fragen, Ängste, Vorfreude.
Dann der Schmerz. Erst vorsichtig, wie zur Vorbereitung, ein Ziehen. Mit langen Pausen. Später der Nachdruck, das Zeichen, dass es passieren wird, bald. Und dann die Gewalt, das Überwältigende, der Gedanke „Ich kann nicht mehr!“, aber es geht doch noch, es geht, es muss einfach…
Und dann ist sie da. Deine einzig wahre, große Liebe. So überwältigend, dass du vergisst zu atmen. Du weißt einfach, ohne es denken zu müssen, dass du alles, alles geben würdest für dieses Menschlein, diesen Teil von dir, der nun auch ein Teil dieser Welt ist.
Die großen Augen, die alles zum ersten Mal sehen. Die kleinen Hände, die alles zum ersten Mal berühren. Das Herz, das alles zum ersten Mal fühlt. Du willst bei allem dabei sein, du willst alles teilen, du willst… alles, ALLES geben, damit dieses Kind, dein Kind, glücklich ist und bleibt. Denn dein größtes Glück hat es dir geschenkt. Und das willst du wiedergeben. Mit allem, was du hast und bist.

<3