Denn nichts bleibt…

…nichts bleibt, nichts bleibt… Kein Ring, kein Gold, kein Leid. Es wird Zeit zu leben, endlich Zeit…

neubeginn
Oben genanntes Zitat stammt aus dem Lied „Zeit zu leben“ von Reinhard Mey. Und auf einer Autofahrt in Ostfriesland im Mai diesen Jahres hörte ich es das erste Mal, und es hat mir die Tränen in die Augen getrieben und ich dachte „Ja verdammt! Das wird es!“

 

Ihr Lieben,

wir lesen uns jetzt schon eine Weile (der zweite Bloggeburtstag im Juni ist, wie so vieles, an mir vorbei geflogen), und ich habe lange gebraucht, um in Worte fassen zu können, was ich heute sagen will. Aber es wird Zeit für dieses wichtige Puzzleteilchen.
Vielleicht hat es der ein oder andere von euch schon etwas heraus gelesen aus meinen Einträgen seit letztem Silvester: in meinem Leben hat sich einiges grundlegend verändert.
Zum einen bin ich im Februar Mami geworden, das wisst ihr. Und mein kleines Mädchen ist das größte Geschenk, das mir je zu Teil wurde. Doch bevor meine Tochter geboren wurde, musste ich einen anderen Menschen gehen lassen. Den Mann, von dem ich so oft geschrieben habe, das „wir“, das so oft in einem meiner Einträge auftauchte, gibt es nicht mehr. Es gibt den Vater des bezaubernden Kindes, und er ist ein wirklich guter Vater. Aber von dem Mann musste ich Abschied nehmen. Von dem Zuhause, das ich geglaubt hatte, zu haben, und ich meine nicht nur die vier Wände.
Ich habe mir ein neues Nest geschaffen, bevor die Kleine zur Welt kam, denn das war sehr wichtig für mich. Und es ist eines, in dem ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt habe, erst allein und dann mit dem Mädchen. Aber der Prozess des Loslassens war ein langer, schwieriger.
Man sagt doch, dass sich erst in wirklich schweren Zeiten zeigt, wer deine wahren Freunde sind. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich einfach nur „danke“ gesagt, gedacht, geheult und gelacht habe seit Beginn des Jahres für die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann. Die angerufen, geschrieben, angeklingelt haben, mit angepackt oder auch alleine zugepackt haben. Zugehört, in den Arm genommen, Rat gegeben haben. Eigene Sorgen hinten angestellt haben mit den Worten „Du bist jetzt wichtiger!“ Einfach DA waren. Das war der erste Schritt auf dem Weg des Loslassens: begreifen, dass ich vielleicht einsam, aber auf keinen Fall allein war. Die vielen Stunden, in denen ich die Wände angeheult und den Sinn von dem ganzen Scheiß angezweifelt habe, die leeren Momente, die Verzweiflung… ich musste da nicht alleine durch.
Dann kam das Abstand nehmen. Das anders betrachten. Das alte Wahrheiten anzweifeln. Und damit kam auch Wut. Das ist zwar ein Gefühl, das mehr Bewegungsfreiheit lässt als Trauer, aber sie hat mir nicht gut getan. Trotzdem gab es auch hier wieder die Menschen an meiner Seite, die gesagt haben „Du darfst wütend sein! Schrei einfach mal rum, tritt irgendwo gegen!“ Habe ich gemacht. Hat gut getan, aber nichts geändert.
Die größte Veränderung in meinem Leben ist in mir selbst geschehen. Und da komme ich wieder zu dem Zitat aus dem Lied oben: ich kam an den Punkt, an dem ich das lachende Mädchen auf meinem Schoß angesehen und gedacht habe: „Das kriegst du nie wieder! All diese Momente mit deiner Tochter sind einzigartig, und du lässt sie vorbeiziehen in diesem Wirrwarr aus Schmerz und Wut und Trauer. Hör AUF damit!“ Und dann habe ich aufgehört. Nicht von heute auf morgen. Aber ich habe angefangen zu leben, wieder.
Und jetzt bin ich an dem Punkt, von dem man im Grunde weiß, dass er kommen wird, ihn aber beim besten Willen nicht sehen kann, wenn man gerade abgestürzt ist: ich schaue zurück und sage „Ach so. Deswegen.“
Ich habe unfassbar viel gelernt über mich und die Menschen um mich herum. Und ich hatte ernsthaft gedacht, dass es da sooo viel gar nicht mehr zu lernen gäbe. Ich habe geglaubt, mich zu kennen. Ich habe geglaubt, die Menschen um mich herum zu kennen. In beidem habe ich mich geirrt, und nicht jede Erkenntnis war eine positive. Andere kritisch zu betrachten ist ja so wunderbar leicht… aber stell dich mal vor einen Spiegel, genau so, wie du bist. Nackt, quasi. Und sieh nicht weg, auch nicht, ERST RECHT nicht bei den Dingen, die dir nicht gefallen. Sieh hin bei den Stellen, die andere dir zeigen und sagen „Das ist nicht ok so.“ Und dann frag dich ganz ehrlich: „Wollen die mich nur ärgern? Oder haben die am Ende recht?“
Ich sage ganz ehrlich: ich habe mich noch nie in meinem Leben so beschissen gefühlt wie dieses Jahr. Aber ich war auch noch nie so glücklich wie dieses Jahr.
Mein Weg war ein langer. Ich musste auch mal zurück blicken, und auch das hat manchmal weh getan. Ich habe das kleine Mädchen, das ich mal war, in seinem gelben Plastikzelt auf der Wiese in unserem alten Garten besucht und ihr gesagt, dass sie ok ist, wie sie ist. Ich musste verstehen, dass ich nicht Kraft aus anderen schöpfen kann, wenn ich sie nicht auch in mir habe. Dass ich kein Glück verschenken kann, wenn ich nicht selbst glücklich bin. Und dass ich nicht lieben kann, wenn ich mich nicht selbst liebe.
Wie es ist, den Satz „Ich würde alles für dich tun“ wirklich ernst zu meinen, weiß ich erst, seit ich Mutter bin. Ich würde mich vor ein Auto schmeißen, damit meine Tochter nicht überfahren wird. Es gab Anfang diesen Jahres Tage, an denen ich nur aufgestanden bin, weil sie mich gebraucht hat. Aber jetzt wache ich morgens auf und bin glücklich. In meinem Nest, mit dem süßen kleinen Nestbewohner, und mit mir. Das ist die größte Veränderung in meinem Leben. Das größte neue Puzzleteilchen.

Es gibt noch so einiges. Aber davon demnächst mehr.

Alles Liebe für euch,

Sunny

Advertisements

3 Gedanken zu „Denn nichts bleibt…

  1. Pingback: Von einer die auszog, sich selbst zu finden | sonnenpuzzleteilchen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s