Vom Zufrieden sein (können)

Ihr Lieben,

seit Wochen habe ich das Bedürfnis, diesen Post zu schreiben. Aber wie das manchmal so ist, kam mir das Leben dazwischen.
Erst war ich im Urlaub auf meiner geliebten Zauberinsel Juist und dann wurde ich krank. Das bin ich auch immer noch, aber ich muss diese Gedanken nieder schreiben, bevor der September vorbei ist. Das ist nämlich mein Lieblingsmonat, vielleicht hat er diesen Post sogar mit angestoßen, einfach weil er da war, und selten ist er so schnell verflogen wie dieses Jahr.

Wie ich euch hier erzählt habe, war dieser Sommer sehr turbulent und arbeitsreich für mich. Natürlich gab es auch schöne Momente an Wochenenden, mit Freunden und dem Liebsten, aber so richtig „runter kommen“ war nicht drin. Unter anderem habe ich den September noch mehr herbeigesehnt als sonst, weil ich am dem 12.09. Urlaub haben würde. Jedes Jahr steht der September für mich für beginnende Ruhe und Besinnlichkeit, für den Herbst, der meine liebste Jahreszeit ist, und seit zwei Jahren auch für den Hochzeitstag mit dem geliebten Mann. All das habe ich mir dieses Jahr noch mehr herbei gesehnt.
Und dann war er da, der September… und die gewünschte Ruhe mochte sich nicht einstellen, jedenfalls vorerst. Auf der Arbeit war der Stress nicht so vorbei wie gehofft und ich begann, die Tage bis zum 12. rückwärts zu zählen. Eigentlich bin ich sehr gut im Genießen (können), aber die Entspannung wollte nicht kommen. Bis dann in der Woche vor meinem Urlaub der erste Moment des „Oh, das muss ich aufschreiben!“-Moment statt fand:

der Liebste und ich renovieren gerade noch den letzten Teil unserer Wohnung, und dazu gehört auch der Balkon. Er hat das ganze letzte Jahr brach gelegen, mit alten Fliesen darauf und ohne Möbel, und wenn ich zuhause draußen sein wollte, dann im Garten. Nicht falsch verstehen, ich mag unseren Garten sehr. Aber morgens im Wohnzimmer einfach die Tür öffnen können und schon die frische Luft im Gesicht zu haben, ist großartig. Bisher mussten ein Esszimmerstuhl und der Klavierhocker herhalten, wenn ich auf dem Balkon sitzen wollte, aber nun haben wir endlich Möbel. Eine Rattancouch und einen Hängesessel.

BalkonfriedenUnd in diesem Hängesessel saß ich, an dem Abend, als er angekommen war, mit einem neuen Buch auf den Knien, im Garten rauschte der Wind in den Bäumen und da war sie plötzlich: die ersehnte Ruhe. Ich hab mein Buch sinken lasse und einfach erstmal tief durchgeatmet. So einfach ist das also, dachte ich. Ab in den Hängesessel und genießen. Auf einmal wurde mir wieder bewusst, wie gut es mir geht und wie dankbar ich sein kann für alles, was ich in meinem Leben habe. Das war ein wunderbares Gefühl.

Dann ging es an meinem ersten Urlaubstag sofort auf die Fähre zu meiner liebsten Insel. Ich habe euch letztes Jahr schon ausführlich vorgeschwärmt vom Töwerland, deswegen diesmal „nur“ einige Fotos und Gedanken:

Es ist jedes Mal auf’s Neue so, dass mich die Ruhe und andere Lebensgefühl dort gefangen nehmen. Ich liebe es, dass es einen zu nichts drängt – außer vielleicht, jeden Tag wenigstens einmal das Meer zu sehen, aber das ist da ja denkbar einfach.
Auch auf Juist gab es zwei ganz besondere „Das Leben kann so schön sein“-Momente. Zum einen, als wir auf dem Rückweg von der Domäne Bill einen Stop eingelegt hatten, weil die Freunde, mit denen wir diesmal dort waren, einen Aussichtspunkt am Hammersee sehen wollten. Da sind der Liebste und ich mit dem Paulehund einfach auf einer Bank am Wattenmeer sitzen geblieben, weil wir den Aussichtspunkt bereits kannten. Einfach sitzen, dem Wechselspiel von Wolken und Sonne zusehen und an nichts denken. Das kann man eigentlich überall, aber dort hatten wir endlich das Gefühl, dass es jetzt gerade passt. Dass sonst nichts erledigt werden muss, dass nichts anderes wartet.
Zum anderen an unserem letzten Tag vor der Abreise. Da war die Welt eigentlich ein grausamer Ort, zumindest für mich. Mir ging es nicht gut, und das Wetter war aber toll und ich wollte doch eigentlich… und schon wieder kam es zu so einer „Du musst doch aber“-Schleife, die einen in Stress versetzt. Den man sich selbst macht, und der ist genau genommen anstregender als Stress von außen. Als also alle Mit-Urlauber aufgebrochen waren, um den schönen Tag zu genießen, saß ich auf unserem Ferienwohnung-Balkon mit Wattenmeerblick, ein Buch, um mich zu beschäftigen und aus der Stress-Schleife zu holen… und die Sonne schien, und direkt neben mir im Baum klopfte ein Specht, und ab und zu fuhren Fahrräder mit lachenden Menschen drauf vorbei. Und ich beschloss, dass ich bescheuert war, mir selbst das „Nichts müssen“-Gefühl zu versauen, dass den Aufenthalt auf meiner Insel doch immer so besonders macht.

Es ist doch eigentlich Luxus, die Möglichkeit zu haben, nur zu sitzen und zu sein. Gerade im Moment gibt es unzählige Menschen, die das nicht können. Und es wäre leichtsinnig, nein, geradezu dumm, nicht ab und zu innezuhalten und den Augenblick auszukosten. Auf dem Balkon, im Urlaub oder einfach nur zuhause auf der Couch. Einfach mal den „Was ich nicht eigentlich noch alles haben und erreichen und machen wollte…“-Gedanken abschalten und dankbar sein, für alles, was man bereits hat. Genießen (können). Das wünsche ich euch, denn es tut so gut. Ich hatte es mal wieder für einige Wochen aus den Augen verloren, aber zum Glück nicht aus dem Sinn.

Es gibt noch so einiges mehr, was ich gern mit euch teilen würde, aber mein Krank sein macht sich wieder bemerkbar und ruft mich zur Ruhe. Und die habe ich doch schließlich gerade erst wieder gefunden, da will ich sie ja nicht warten lassen…
aber wir lesen uns bald wieder. Bis dahin genießt doch das herrliche Herbstwetter.

Herzlichst, Sunny

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