Zur Niederlage für die Menschheit

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute ein Thema ansprechen, das mir wirklich sehr bitter aufgestoßen ist. Die erste Schlagzeile, die mir entgegenleuchtete, als ich gestern die Pforten des www geöffnet habe, war folgende:

„Vatikan betrachtet das Ja zur Homo-Ehe als eine Niederlage für die Menschheit“

Ich habe den (ziemlich kurz gehaltenen) Artikel gelesen und war erstmal sprachlos. Aber jetzt habe ich meine Sprache wieder gefunden und möchte, anstatt die neusten Urlaubsfotos zu sortieren, die euch eigentlich zeigen wollte, etwas loswerden.
Als ich aufwuchs, hatte ich recht viele Berührungspunkte mit der Kirche. Ich bin evangelisch getauft und habe mich damit immer wohl gefühlt. Meine Eltern und Großeltern haben mir nichts aufgedrängt, sondern mir in meiner Erziehung eine, ich würde sagen, gemäßigte Form des Christentums näher gebracht. Seit meiner Konfirmationszeit hatte und habe ich noch viele Kontakte in unsere Gemeinde. Ich habe meinen eigenen Frieden mit meinem Glauben an Gott gemacht, und ich bin heterosexuell. Aber nie hat irgendjemand, mit dem ich, wie man so schön sagt, „über Gott und die Welt“ gesprochen habe, von mir zu hören bekommen, dass ich Homosexualität für falsch oder sogar für krank halte. Weil sie das nicht ist. Weil ich gelernt habe, dass die Liebe das größte und wichtigste Gut ist.

Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe, sagte der Kardinal-Staatssekretär – der so etwas wie die rechte Hand des Papstes ist – weiter. *

Sind zwei Männer oder Frauen, die sich lieben, etwa keine Familie? Und wenn sie ein Kind adoptieren oder durch eine Leihmutter oder Samenspende ein Kind bekommen, das behütet und mit Liebe aufwächst, ist dieses Kind dann kein Teil einer intakten Familie? Hätte ich, als heterosexuelle Frau, irgendeinen Nachteil dadurch? Irgendeinen? Natürlich ist die Familie die Zukunft der Menschheit! Aber wieso schließt der Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin eine Familie, die aus einer Homo-Ehe hervorgeht, davon aus?

Am Montag und Dienstag kam der Rat der Bischofssynode zusammen, um die anstehende Familiensynode im Oktober im Vatikan vorzubereiten. Bei dieser Versammlung aller Bischöfe der Welt sollen Themen wie wiederverheiratete Geschiedene oder eben auch der Umgang mit Homosexuellen diskutiert werden. *

Der Umgang mit Homosexuellen soll diskutiert werden? Der Umgang? Weil diese Menschen in irgendeiner Art und Weise anders behandelt werden müssen? Wieso?

Kirchenmänner, ich sag euch was: ich bin auch ein Thema für euch, denn ich bin eine von diesen „wiederverheirateten Geschiedenen“. Wenn ihr meint, mich verurteilen zu müssen dafür, dass ich in einer Beziehung, die eurem Ideal von Familie entsprochen hätte, nicht glücklich war und nun einen Menschen gefunden habe, mit dem ich es bin, und wenn ihr glaubt, dass gleichgeschlechtliche Menschen sich nicht lieben dürfen, sage ich euch folgendes:

eine Institution, die seit Jahrtausenden die Verantwortung für unzählige Kriege trägt, die durch völlig veraltete Ansichten AIDS-Kranke auf der ganzen Welt fördert, die hinter geschlossenen Türen vergewaltigte Kinder zu verstecken versucht, die die vielgerühmte Nächstenliebe nur denen anträgt, bei denen es ihr in den Kram passt, die ist eine Niederlage für die Menschheit.

 

* Zitate aus dem Online-Portal „Die Welt“

Advertisements

The Soundtrack of my life – special search (Was ist das für ein Lied??)

Ihr Lieben,

ich hab es.
ICH hab es.
Ich HAB es.
Ich hab ES: das ominöse erste Lied ohne bekannten Interpreten aus meiner „The Soundtrack of my life“-Reihe!

Es leben die 90er :-)

Es leben die 90er 🙂

Dieses Bild stammt natürlich, wen wundert es noch, aus Egmond. Aus einem Sommerurlaub mit meinen Eltern. Und ich bin mir sicher, auf der Fahrt nach Holland war auch dieses Lied in meinen Ohren, vom Walkman durch die Kopfhörer in mein Musikliebe-Herz. Ich hatte es nie auf CD, sondern damals von der Mutter einer Freundin bekommen, wo ich es zum ersten Mal gehört hatte. Meine ausführliche Suche im Netz wollte mir nichts ausspucken, und auch eure zahlreichen Vorschläge (danke nochmal dafür!) waren zwar großartig, aber nicht das gesuchte Lied. Ich hab schon kurz darüber nachgedacht, ob ich mir das Lied über die Jahre zusammenfantasiert hätte… aber dann! Auf einer alten, schrömmeligen Kassette schlummerte es zwischen solchen Welthits wie „Max don’t have sex with your ex“ und „Think about the way“, und ich hatte schon nicht mehr geglaubt, es zu finden.

da ist es!In einer dieser typischen Ikea-Aufbewahrungsboxen habe ich noch viele, viele meiner alten Tapes herumliegen und dachte irgendwann, dass dieses Lied doch vielleicht noch darunter sein könnte…? Auf einer Hülle stand es zumindest (ich hatte wirklich Herzklopfen, als ich den Titel las), nur war die völlig falsche Kassette darin. Also kamen noch einige Unbeschriftete in Frage, sieben an der Zahl. Und die vorletzte, die ich durchprobierte, spulte, ein paar Selkunden hörte und dann weiter die „fwd“-Taste drückte, offerierte mir das hier (vom Liebsten netterweise digitalisiert, aber die Qualität hat natürlich gelitten):

Hold on (?)

So. Das ist es also, und trotz gebührendem Abstand von über 20 Jahren mag ich das Lied noch immer sehr. Klar, da hat keiner das Rad neu erfunden, aber ich weiß immer noch genau, warum meine Reihe damit begonnen hat.
Aber finde ich den Text irgendwo im Netz? Weiß ich jetzt, welche Band oder Sängerin das ist?? Nö!
Ich brauche nochmal eure Hilfe, bitte. Dann ist das letzte Puzzleteilchen (tarääää! Was für eine Fügung) an seinem Platz. Vielleicht kennt es ja einer von euch und kann mir sagen, wo außer auf einer abgeliebten Kassette ich es noch finden kann.

Herzlichst, Sunny

UPDATE: es ist gefunden! Es heißt tatsächlich Hold on und erschien 1993, interpretiert von der deutschen Band Stone & Stone! Vielen Dank, ich habe ein Stück musikalische Kindheit zurück 😀

 

Ich bin ein Küstenmädel! – Langes Wochenende (mit Beuteldrachen!) in Lübeck Mai 2015

Ihr Lieben,

dass ich das Meer ehelichen würde, wenn ich könnte, wisst ihr ja bereits. Und dass ich, wenn ich nicht so voller Pottliebe stecken würde, sofort in eine Hansestadt zöge, auch.
Am 01. Mai-Wochenende durfte ich eine (für mich) neue Hansestadt erkunden, und auch wenn die an meiner nicht so guten Freundin, der Ostsee liegt, ist die Begeisterung doch sehr groß… also kommt mit und wandelt mit mir an schickimicki Stränden und durch schmale Gassen, und entdeckt ein brägenklöteriges Fischbrötchen und den entzückendsten Beuteldrachen der Welt.

Holstentor LübeckNachdem wir Ende Januar, Anfang Februar gemeinsam Worms und Weinheim erobert hatten, zog es Thomas, Jasmin, den Liebsten und mich also nach Lübeck. Da wir das relativ kurzfristig beschlossen und der 1. Mai so günstig auf einem Freitag lag, mussten wir schnell feststellen, dass wir nicht die Einzigen waren, die an einen Städtetrip gedacht hatten. Aber nach einiger Suche fanden wir dann doch noch eine schöne Unterkunft, nämlich das Hotel Freesenholm in Timmendorf. Dort mieteten wir uns ein Appartement und hatten einen kurzen Weg (ca 20 Minuten) nach Lübeck und einen noch kürzeren (ca 8 Minuten) zum Timmendorfer Strand. Da zog es uns denn auch am Ankunftstag, nachdem wir fast staufrei durchgekommen waren, zum Abendessen und Meer hallo sagen hin.
Nun ja. Wie eingangs bereits erwähnt, ist die Ostsee meine nicht so gute Freundin. Denn ich bin seit Jahrzehnten die Nordsee gewohnt, mit ihren endlos weiten und breiten (!!!) Sandstränden, ihrem rauen Wind und den Wellen. DAS ist für mich, wenn ich „Meer“ sage. Die Ostsee ist da… öhm. Berechenbarer. Um nicht zu sagen, langweilig. Mag ich nicht so. Und Jasmin, die zum ersten Mal an der Ostsee war, stimmte mir zu, dass etwas fehlte. Mein Liebster und Thomas hingegen ergingen sich in Kindheitserinnerungen, denn die beiden waren wiederum immer an der Ostsee gewesen und finden die Nordsee zu… wild. (Unverschämtheit! Aber das nur am Rande.) Das hier erwartete uns jedenfalls, und ich finde, die Wolken reißens mit der Wildheit wieder raus:

Zum Abendessen kehrten wir in einen kleinen, aber feinen Italiener ein, bei dem wir zwar lange auf das Essen warten mussten, aber das lohnte sich wenigstens. Es war nämlich köstlich. Beim Verdauungsspaziergang zurück zum Auto (und damit das Verdauen besser klappte, kippten wir direkt ein bis drei Kugeln Eis hinterher) trafen wir dann auf dieses Plakat. Dieses. Plakat.

Weltfischbrötchentag. Ein Wort für die Ewigkeit.

Weltfischbrötchentag. Ein Wort für die Ewigkeit.

Ob das arme Brötchen so guckt, weil ihm ein Spieß im Kopf steckt? Oder weil ein Fisch mit appen Kopp aus ihm heraushängt?

Ansonsten war der Timmendorfer Strand sehr schick. Nix für mich. Deswegen auch keine Bilder. Alles war doch arg durchgestylt, Menschen ebenso wie Umgebung. Hat mein Herzchen eben nicht hüpfen lassen. Aber dann!
In unserem Appartement zurück entzündete Jasmin fachfrauisch („Hey, ich war bei den Pfadfindern!“) den Kaminofen und wir kuschelten uns auf Couch und Stühle zum quatschen, Drachen züchten und trainieren (auf dem Tablet, versteht sich!) und Let’s Dance gucken. Das war so gemütlich, wie es nur ging. P1010815Und der nächste Tag brachte Sonne und Meer UND eine Hansestadt!
Nach einem wirklich guten Frühstück ließen Jasmin und ich die Männer bei ihren Drachenzüchtungen zurück und suchten uns einen stilleren Strand als den Timmendorfer. Und fanden ihn in Scharbeutz. Dort aalten wir uns eine Stunde in Sonne und Sand, redeten und schwiegen und freuten uns. Ooooh, ich freue mich ganz besonders! Schaut:

<3

Da, im hübschen Babybauch meiner lieben Jasmin, ist nämlich mein Patenkind drin!!! Wie ich mich vorgefreut habe, das zu erzählen! Mitten im Sommer wird die Kleine in unser Leben purzeln, und ich bin jetzt schon so stolz, dass ich platzen könnte.

Schließlich sammelten wir dann aber doch die Männer ein und fuhren alle gemeinsam nach Lübeck. Dort wurde ich geflutet mit Eindrücken einer wunderschönen, teils sehr alten Hansestadt. Wir fanden ein entzückendes Café in einer Seitenstraße, den „Tonfink“, liefen einmal kurz in den großen Niederegger-Marzipanladen direkt an der Breiten Straße, nur um an der meterlangen Schlange ohne etwas zu kaufen wieder hinaus zu gehen, statteten dem Holstentor einen Besuch ab, kauften einige Souvenirs in einem kleinen Laden… und dann entdeckte ich in einer sehr schmalen Gasse den Beuteldrachen. Dort hing er am Museum für Theaterfiguren und eroberte mein Herz im Sturm. Hach…

Unsere Zeit in Lübeck war etwas begrenzt, da wir abends zum großen Barbecue wieder im Hotel sein wollten, aber die Stunden haben gereicht, um in meinem Hansestadtherzchen wieder einen neuen Einwohner aufzunehmen.

Das Barbecue am Abend war ein Gaumenschmaus. Am nächsten Morgen hatten wir kurz überlegt, noch einem Kindheitsurlaubsort des Liebsten einen Besuch abzustatten, aber die vor uns liegende lange Heimfahrt und leider noch wartende Arbeit zwangen uns, doch sofort nach dem Frühstück aufzubrechen. Da es ein Rückreisetag für viele Menschen war, waren auch dementsprechend viele Autos unterwegs. Die knapp vierstündige Fahrt, die unser gutgelauntes, optimistisches Navi bei der Abfahrt versprach, dehnte sich trotz kurz gehaltener Pausen auf beinah sechs Stunden, und da war es doch auch irgendwie schön, wieder zuhause zu sein.
Aber, ich kann es nur wiederholen: Lübeck ist eine Reise wert. Auch wenn man kein Marzipan mag (wie der Liebste) oder die Ostsee langweilig findet (wie ich). Schließlich gibt es dort entzückende Buttons und güldene Schiffe auf Dächern in der Abendsonne. Und einen Beuteldrachen!

IMG_0914

Herzlichst, Sunny

The Soundtrack of my life – Part 3

Ihr Lieben,

nach dem etwas trübsinnigen Abschluss der vorherigen musikalischen Rückreise bringen wir das Jahr 2002 fröhlicher deutlich anders hinter uns, und dann nehme ich euch mit in eine sehr verändernde Zeit. Schule vorbei… und jetzt? Und die Liebe, die Freundschaft… und immer wieder die Musik.

 

The Soundtrack of my life – Part 3

 

1. After Dark – Tito & Tarantula

Das Jahr 2002 ging für mich auf eine Art und Weise zu Ende, mit der ich in der Form nicht gerechnet hatte. Der Herzschmerz der vorigen Zeit ging vorbei, aus zwei Gründen: ich entdeckte eine neue Musikrichtung, und die wiederum ließ mich einen Herrn entdecken. Die Musikrichtung war, ganz grob gesagt, Gothic. Und der Mann, von dem ich mir sicher war, dass mein Vater ihm die Tür vor der Nase wieder zu machen würde (was er aber gar nicht tat! Er mochte ihn!!), machte mich sehr glücklich. Das oben genannte Lied war das erste, zu dem wir gemeinsam tanzten. Nein, nicht expressionistisch. Nur sehr… nah.

 

auf der Tetraeder-Halde, 2003. Der Kerl hatte seine Kamera mit für den Sonnenuntergang. Und da saß ich drin. Tja.

auf der Tetraeder-Halde, 2003. Der Kerl hatte seine Kamera mit für den Sonnenuntergang. Und da saß ich drin. Tja.

2. Won’t forget these days – Fury in the slaughterhouse

Ja, ich weiß. Voll gothic… nicht. Aber nur, weil ich diese Musik für mich entdeckt hatte, hieß das dann nicht, dass ich plötzlich taube Ohren für anderes hatte. Diese Band mochten nicht nur der Herr und ich beide sehr gern, das Lied habe ich auch für eine Freundin gesungen, als die 2003 wegzog in die Schweiz. Auf der Abschiedsparty packte ich meine Gitarre aus, und den Refrain hab ich mitnichten allein gesungen. Schön war’s.

 

3. Until the end of the world – Apoptygma Berzerk

Das passt dann schon eher in die „schwarze Szene“. Wollte ich jedem Lied gerecht werden, das mich durch diese Zeit begleitet hat (angefangenes, aber abgebrochenes Studium, am Wochenende tanzen), müsste ich eine seeehr lange Liste anfertigen. Aber dieses beschwört doch besonders viele und besonders schöne Bilder herauf von durchgetanzten Nächten und vielen lieben Menschen, von denen ich damals wusste, wenn ich in unsere „Stammdisco“ gehe, treffe ich auf jeden Fall 2/3 von ihnen… Falls es jemanden interessiert, das war das ehemalige Saint, heute Kulttempel, in Oberhausen.

 

4. My last Serenade – Killswitch Engage

Dort, im Saint, lief auch gerne mal dieses Lied. Es soll für eine Freundschaft stehen, die zu dieser Zeit besonders intensiv war, und das zugehörige Mädel sehe ich immer noch vor mir zur Musik abgehen (<- was für ein Unwort eigentlich. Aber irgendwie beschreibt es das am besten), wenn ich dieses Lied höre. Wir haben heute keinen Kontakt mehr, aber damals haben wir viel zusammen erlebt, und das vergesse ich nicht.

 

5. Willst Du? – Schandmaul

Das erste Lied, welches ich wirklich und vollständig auf der Gitarre zupfen lernte. 2004 hatte ich nach meinem missglückten Studium eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel mit dem Schwerpunkt Musikalien begonnen, und ein Arbeitskollege aus der E-Gitarrenabteilung wurde mein Gitarrenlehrer. Das Lied steht für einiges: Stunden im Zimmer meines Lehrers, die nicht nur zum Gitarrespielen, sondern auch zum Reden und besondere Musik näher bringen genutzt wurden, das Ende meiner Beziehung zu dem Gothic-Herrn Anfang 2005 und die Hochzeit zweier sehr guter Freunde von mir (wenn die auch „erst“ 2009 stattfand). Der Satz meiner Freundin „Wenn wir mal heiraten, wünsche ich mir, dass du dieses Lied für uns singst“ hatte schließlich und endlich 2005 dazu geführt, dass ich es lernen wollte. Und ich hab ihren Wunsch erfüllt.

 

Ich trete mal eben den Gegenbeweis an, dann Gothics a) nie in der Sonne sind und b) nie lachen... voll untrue.

2006 im Wald am Rotbach. Ich trete mal eben den Gegenbeweis an, dann Gothics a) nie in der Sonne sind und b) nie lachen… voll untrue.

6. Far away – Nickelback

Musikalisch wieder in bekannteren Gefilden, wohl auch aus dem Grund, dass ich im Jahr 2006 seeehr viel auf der Autobahn unterwegs war und dabei oft Radio hörte. Ich fuhr zwischen Bochum und Köln hin und her, wo zwei Filialen meines Arbeitgebers waren, und ich als Azubine bekam dann öfter mal die Fahrt aufgedrückt. Machte mir aber nix aus, denn Anfang 2006 hatte ich mein Herz verloren, gründlich und schmerzhaft, an jemanden, der in Köln ansässig war und den ich demzufolge am ehesten sehen konnte, wenn ich diese Fahrt auf mich nahm. Überhaupt war 2006 ein Jahr: Fußball-EM in Deutschland, mein Auszug von zuhause in die erste eigene Wohnung (nach Bochum zur Ausbildungsstelle), ein wunderbares Festival am Tanzbrunnen in Köln… und ein gebrochenes Herz. Zweimal. Von demselben Mann. Selbst Schuld, kann ich da nur sagen. Also jetzt, mit dem gebührenden Abstand.

 

7. Chasing Cars – Snow Patrol

Aber 2006 war auch das Jahr, das freundlich zu Ende ging. Denn nicht nur lernte ich damals über eine sehr gute Freundin den Liebsten kennen, mit dem mich damals schnell eine Freundschaft verband, sondern auch den Herrn, der die Katzen, von denen ich hier schonmal erzählt habe, in mein Leben brachte. Nach dem Chaos, das das Jahr über geherrscht hatte, war das Gefühl, zu dem oben genannten Lied früh morgens zur Arbeit zu fahren und alles, aber auch alles in meinem Leben wieder herrlich zu finden, eine schöne Abwechslung.

Im Zoom, 2008. Die Haare werden wieder kürzer und heller, die Musik gitarrenlastiger.

Im Zoom, 2008. Die Haare werden wieder kürzer und heller, die Musik gitarrenlastiger.

 

8. Saxon Street – Ezio

Ezio ist ein Sänger, dessen Musik mich immer, immer, immer an die darauffolgenden Jahre erinnern wird. Mein damaliger Mann des Herzens brachte Ezio in meinen Gehörgang, und da ist er bis heute verblieben. Ich verbinde damit vor allem Autofahrten (seltsamerweise scheint dabei immer die Sonne…), da wir am Anfang 80 Kilometer auseinander wohnten und immer hin und her gependelt sind (und später landeten wir erst für ein Jahr in Gelsenkirchen, wo wir aber beide irgendwie nicht so recht heimisch wurden, und dann in Oberhausen, meiner alten Heimat), ausgelassenen Gesang und Urlaub. Wir haben Ezio auch einmal live gesehen, in Unna. Das war ein herrlich atmosphärisches, klein gehaltenes Konzert, das auch zu den schönen Erinnerungen gehört.

 

9. Searching my soul – Vonda Shepard

Nachdem ich zwei Jahre Auszeit hatte, war ich 2006 zu meiner Band zurückgekehrt, und Searching my soul gehörte zu unserem Repertoire, damals und tut es heute noch. Ein Lied, bei dem ich Westerngitarre spiele und singe und mit dem ich mich wirklich wohl fühle. Was dann dazu führte, dass ich im September 2010 das unfassbare Vergnügen hatte, mit einer ganz anderen Band auf der Bühne zu stehen, nämlich als „Talent des Monats“ bei der Session Possible von Wolf Codera. Nichts gegen meine Band-„Jungs“, aber mit professionellen Musikern spielen zu dürfen, die sonst Stefanie Heinzmann, Xavier Naidoo und Konsorten begleiten, war echt… unglaublich. Die spielen Lieder auf Zuruf. Nix wochenlange Proben im Bunker.
„Welche Tonart issn das?“ – „A-Dur!“ – „Ah, klar. Dann weiß ich.“
Natürlich.
Ich kann euch sagen, diese drei Auftritte in Hattingen, Solingen und Essen stehen ganz, GANZ weit oben auf meiner Liste der (musikalischen) „War das groß-ar-tig!!“-Erinnerungen.

 

10. Live for real – K’s Choice

2010 ging nachdenklich zuende. Es gab eine Trennung, die zwar diesmal von mir ausging, was es aber emotional nicht unbedingt einfacher gemacht hat, und einen Umzug (mal wieder), aber diesmal nur innerhalb von Oberhausen. Plötzlich war ich nach über vier Jahren wieder allein in einer (ziemlich kleinen) Wohnung und hatte zu wenig Platz für meinen Krimkrams (ich kann echt nix wegschmeißen… vor allem nichts, das aus Papier ist. Briefe, Bücher, Kladden. Seufz.) und zu viel Platz für meine Gedanken. K’s Choice kannte ich zu diesem Zeitpunkt schon länger (meine beste Annie und ich hatten sie schon 2000/2001 sehr viel gehört), aber als ich da zur Weihnachtszeit statt mit wie sonst hüpfendem eher vor sich hin schwingenden Herzchen stand, fiel mir „Live for real“ wieder ein.
I will breathe the air, I’ll dance
And you will wonder why
It’s because you made me see
This chance was moving by
Because I’m not gonna live forever
But as long as I do
I’d love to live for real
With you I might get there
With you I might start to feel
With you I will get there
With you I will live for real.
Und dann begann ich, sehr viel Zeit mit dem Liebsten zu verbringen. Und mit Paul.
Man sieht ja, was daraus geworden ist.

Fünf Jahre liegen noch zwischen damals und heute. Einen letzten Ausflug wird es also noch geben, aber vermutlich keine 10er Liste mehr. Vielleicht kommt ihr ja dann nochmal mit. Es gibt noch was Neues, und schönes Altes.
Bis dahin alles Liebe,

herzlichst, Sunny