Momentaufnahme VI

Was man nicht so alles wieder findet… Diese Momentaufnahme ist 2011 entstanden, vor dem Urlaub. Und sie hat mich deswegen besonders erfreut, weil ich eigentlich großen Schiss hatte. Fliegen und so. Aber dann kam

 

 

Paula

In der hektischen Anonymität eines großen Flughafens gibt es eine Insel. Sie besteht aus einem Tisch und zwei Sesseln, einer Tasse Kaffee, einem leeren Teller mit übrig gebliebenen Krümeln und drei Menschen.
Eine hübsche junge Frau, mit einem freundlichen Lächeln, sonnengebräunter Haut und Lichtreflexen im Haar, die nicht nach einem überteuertem Friseur aussehen. Ein junger Mann mit schwarzem Haar und Brille, in einem hellen Hemd und Jeans.
Und Paula.
Sie ist etwa zwei Jahre alt, mit Kulleraugen, einer Stupsnase und winzigen, dunkelblonden Löckchen, die wild ihr Gesichtchen umstehen.
Sie sitzt bei ihrem Papa auf dem Schoss und benennt Tiere in einem Bilderbuch.
„Löwe!“ „Tiger!“ „Affe!“
„Was für ein Affe?“, fragt ihr Vater und sie sagt im Brustton der Überzeugung: „Gorilla!“
Die Mama schmunzelt und greift nach ihrem Kaffee. Papa und Paula grübeln derweil über den Namen eines Vogels.
„Ein Beo?“ versucht Mama mitzuraten.
„Beos sind schwarz“, entgegnet Papa bestimmt.
„Der IST schwarz“, grinst Mama.
„Aber nicht ganz!“, triumphiert Papa.
Paula hat den Wortwechsel wie einen Ball hin und her verfolgt, aber das ist auf Dauer nicht sehr spannend, und so klettert sie nun auf dem Sessel herum. Die Menschen hinter ihr haben sie entdeckt und schneiden Grimassen mit ihr. Während Paula genussvoll an einem Keks knabbert, kramt Mama nach ihrer Zeitschrift und fragt dann, ob sie wohl noch dazu käme, ihren Kaffee zu trinken und etwas zu lesen…?
„Papa hat schließlich schon gelesen, jetzt ist die Mama mal dran.“ Paula nickt verständig. Klar.
Doch kaum hat Mama sich zurück gelehnt, kommt Paula übermütig angekrabbelt, greift mit ihrem freien kleinen Händchen nach Mamas Arm, mit einem Gesicht, das sagt „So, genug gelesen, hab mich lieb!“ und schwupps… da landet ein Schwung des dunklen Gebräus auf T-Shirt, Hand und Tasche. Und dem Pandabären in der Handtasche.
„Ach Paula“, seufzt Mama, während Papa hilfreich eine Serviette reicht.
„Und ich hab noch überlegt, ziehst du ein weißes T-Shirt an…? Guck mal, jetzt ist auch Kaffee auf dem Panda!“
Große, bestürzte Kinderaugen betrachten den eigentlich weißen Pandarücken, der jetzt braune Flecken trägt. Aber Papa rubbelt resolut mit der Serviette und siehe da…
„Zum Glück ist der Teddy aus 100% Poly-Poly“, scherzt er, und ein Lächeln lässt Mamas Gesicht  wieder erstrahlen. Paula nimmt den geretteten Teddy dankbar entgegen.
Schließlich wirft Mama doch noch einen Blick in die Zeitschrift, während Paula und Papa neue Bilder gucken.
Bevor es losgeht zum Flieger muss noch ein kleiner Kampf über Schuhe ausgefochten werden. Denn Paula mag keine Schuhe anziehen.
„Aber dann können wir nicht nach Portugal fliegen“, gibt Mama zu bedenken. Paula schüttelt den Kopf, dass die blonden Löckchen tanzen.
„Willst du garnicht nach Portugal?“
„Nein!“
„Und du willst auch nicht dein Planschbecken in Portugal aufbauen?“
Kurzes Zögern. Schließlich: „Doch!“
Also Schuhe. Und wenig später auf Papas Arm die großen Flugzeuge bestaunen.
Auch schon vor dem Urlaub gibt es Inseln der Ruhe und des Glücks. Man muss sie nur sehen.

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The Soundtrack of my life – Part 2

Ihr Lieben,

heute geht es also weiter mit meiner musikalischen Rückreise. Wir verlassen die Neunziger zuerst schleichend und tauchen dann ein in die 2000er, eine sehr bewegte Zeit in meinem Leben, sowohl musikalisch als auch menschlich. Aber lest selbst…

 

The Soundtrack of my life – Part 2

1996, auf Zypern. Ich warte auf den Bus. Sonnend. In Plateau-Schuhen. Logisch, oder?

1997, auf Zypern. Ich warte auf den Bus. Sonnend. In Plateau-Schuhen. Logisch, oder?

1. You must love me – Evita OST

Im April 1997 im Urlaub auf Zypern (zum zweiten Mal, mit meinen Eltern) war ich unglücklich verliebt. Soll ja schonmal vorkommen, mit 15. Und dieses todtraurige Lied half mir so wunderbar dabei, mich in meinem Schmerz zu suhlen. Der ganze Soundtrack von Evita begleitete mich durch diesen Urlaub (noch heute weiß ich durch egal welches Lied davon, wie ich mich damals gefühlt habe, als ich auf unserem Balkon saß), aber dieses Lied war das am meisten zurück gespulte. Es lebe der Walkman.

2. Ein und Alles – Reinhard Mey

Frühsommer ’97, auf dem Weg aus besagtem Liebeskummer heraus, bekam ich von einer Freundin meine erste Mey-CD geschenkt, das Live-Album „Lebenszeichen“. Aus irgendeinem Grund hörte ich die zweite CD zuerst, beim Zimmeraufräumen (erstaunlich, dass man damals dachte, wie aaaanstrengend es ist, die paar Quadratmeter in Ordnung zu halten… ob das der Grund ist, warum erste eigene Wohnungen oft auch nicht mehr als ein, zwei Zimmer haben?), schmunzelte über die Lieder und die Ansagen dazwischen… und dann begann „Ein und Alles“. Es würde den Rahmen dieses Posts sprengen, wenn ich jetzt versuchte, alles aufzuzählen, was ich seit dem zu diesem Lied gedacht und gefühlt habe. Zumal das für so einige Mey-Lieder gilt, die nach und nach dazu kamen. Deswegen soll dieses eine für viele andere stehen, die zu einer großen Liebe geführt haben, die nie weniger wurde, sondern immer mehr wächst.

3. All out of love – Air Supply

Gemeindefest im Sommer ’97. Gruppenbildung zum gemeinsamen Musizieren ist gefragt, denn abends soll es eine kleine Aufführung geben, wo das Einstudierte in die geneigten Zuhörerohren geträufelt werden soll. Der Zufall will es, dass ich mich mit einem Mädel zusammen tue, die ich vom sehen bereits kenne und die eine Gitarre dabei hat. Wir sitzen in der winzigen Teestube des Kindergartens, probieren ein bisschen, lachen uns kaputt und singen am Abend schließlich oben genanntes Lied. Und nein, das war nicht (nur) die Geschichte zu dem Song. Der Song ist der Anfang einer Geschichte. Nämlich meiner Besten und mir, die ich somit dieses Jahr im Sommer seit 18 Jahren kenne und die mein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert hat (und es noch tut), nicht nur musikalisch. Aber bei diesem Lied bin ich wieder 15 und singe mit ihr zum ersten Mal. Hach.

1997, in unserem Garten. Ich hüpfe neckisch aus dem Bild. Warum auch immer.

1998, in unserem Garten. Ich hüpfe neckisch aus dem Bild. Warum auch immer.

4. Infected – Bad Religion

Im Jahr danach war das unglückliche Verliebtsein endgültig vorerst vorbei, denn das „un“ wurde gestrichen durch einen jungen Mann, der bis heute einen nicht geringen Einfluss auf meinen musikalischen Werdegang hat (auch wenn ein paar Jahre Funkstille dazwischen lagen). Damals jedenfalls waren wir zusammen und verbrachten große Teile unserer Zeit mit Nintendospielen (hauptsächlich er, während ich zusah), Kinogängen (ca einmal die Woche. Was haben wir uns nicht alles angeguckt!) und Musik. Er versorgte mich mit Tapes (die damals bereits schwer am Aussterben waren. Leider!) und eins davon war vollgepackt mit Bad Religion. Ich war sechszehn, ich war aus (Pubertäts – und ähnlichen) Gründen manchmal stinksauer und diese Musik war genau richtig dafür.

5. Somebody – Depeche Mode

1998 war auch das Jahr des Gesangs mit meiner besten Annie. Aus unserem Auftritt beim Gemeindefest war nicht nur eine Freundschaft entstanden, sondern auch eine Zwei-Mädchen-Band names „The Spells“ und wir trafen uns mindestens einmal die Woche zum proben, und wannimmer wir durften, fand diese Probe in der Kirche statt. Denn die Akustik dort war erstens der Wahnsinn, und zweitens stand dort ein (genau richtig um melancholisch zu klingen, leicht verstimmtes) Klavier. Ich konnte einige Tasten drücken, die dann hörbaren Klang ergaben, aber für die Begleitung unserer Lieder war Annie zuständig, die damals schon einfach vom Zuhören Musik nachspielen konnte. Einige der Lieder, die wir zusammen sangen, ließen sich mit einem Klavier einfach besser begleiten als mit der Gitarre, wie Somebody eben. Es gibt einige Songs, die mich an unsere Proben dort erinnern, aber dieses ist bis heute bei mir (und in meiner meistgehörten Playlist) geblieben.

6.  Rosanna – TOTO

Unsere musikalische Aktivität blieb (in unserem Stadtteil. Weil der klein war. Hust.)  nicht ungehört, und so trat 1999 eine Band auf uns zu, die es zu diesem Zeitpunkt bereits schon länger gab, ob wir nicht bei ihnen mitmischen wollten. Wollten wir allerdings, und obwohl es auch hier zahlreiche Lieder gibt, die wir zusammen gespielt haben, ist Rosanna doch besonders wichtig für mich. Zum einen hatten Annie und ich jedesmal einen Heidenspaß mit der „Choreographie“, die wir uns dazu ausgedacht hatten, und zum anderen war dieses Lied auch auf einer Kassette (ja doch! Fortschritt und so, aber ich hab es ja schonmal gesagt, ich liebe Tapes!), die wir in diesem (und dem Sommer danach) immer und immer wieder hörten und lauthals mitsangen.

7. Josephine – Reamonn

Im Sommer 2000 trat ich meinen allerersten Nebenjob an: bei McDonald’s im CentrO. Ich weiß, Klischee und so, und ja, natürlich hätte ich mir auch besseres vorstellen können, aaaber: zum einen gingen Annie und ich zusammen hin (was zu einigen Tanzeinlagen hinter der Theke führte, wenn das immerfort laufende Programm in der Cola-Oase einen guten Song zu spielen beliebte) und zum anderen traf ich dort einen Menschen, der für die nächsten Jahre ebenfalls sehr wichtig für mich werden sollte (auch wenn betreffende Dame nun nicht mehr in meinem Leben ist, in meinen Gedanken schon) und dieses Lied erinnert mich an beides. Und an einen Urlaub am Meer. Und daran, dass in diesem Sommer mein Leben noch eine andere Wende nahm, ich wurde nämlich vom „wenn es der Zufall will, verirre ich mich mal in eine Disco“ zum „wann ist endlich wieder Wochenende, ich will TANZEN!!“-Mädchen. Und das hat die nächsten Jahre mehr beeinflusst, als man zunächst denken würde.

8. Lakini’s Juice – Live

Als das Jahr 2000 sich dem Ende zuneigte, ging es stramm auf mein ABI zu (mehr schlecht als recht), ich hatte mein erstes eigenes Auto (gebraucht und bereits abgeliebt, aber sooo toll) und meine Wochenenden gestalteten sich recht ähnlich: arbeiten bei McD, abends mit Annie den herrlichen Film „Mystery Sience Theatre 3000“ gucken, auswendig mitsprechen, uns dabei ausgehfertig machen und dann in den „Delta Musik Park“ in Duisburg, ins Rockzelt. Damals war es noch das große Zelt mit den Balken, und wir hatten unseren Platz links vor der Theke, damit wir nach einer seltenen Trinkpause (ich Wasser, Annie nicht) wieder auf die Tanzfläche stürmen konnten. Durch unsere gemeinsame Musik konnten wir irgendwie nicht anders als uns ständig anzusingen, und auch wenn es noch viel mehr Lieder gibt, die ich bei dieser Gelegenheit im Kopf habe (Take a look around, Nobodys Wife, Wie es geht…) kann Lakini’s Juice stellvertretend für diese alle stehen, denn auch das gehört zu den Liedern, die sich seit damals in meiner (Herzens-) Playlist festgesetzt haben.

2001 in meinem ersten Auto, ein Ford Fiesta genannt Maxi. Groooße Liebe damals.

2001 in meinem ersten Auto, ein Ford Fiesta genannt Maxi. Groooße Liebe damals.

9. My mind is dangerous – Life of Agony

2001 ist das Jahr meines Schulabschlusses und das Jahr vom Abschied bei McD. Und es ist ein Jahr der Liebe. Leider nicht nur im positiven Sinne. Es würde zu weit führen, das detailiert auszuführen, aber ich formuliere es mal so:
Hideous devastations, lifeless serenity
My abstract emotions, somehow get the best of me
Lord take away my sorrow, Lord take away my pain
Erasing life tomorrow, ain’t the motive to the game
My mind is dangerous, that’s who I’ll always be

10. OK – Farin Urlaub

Anfang 2002 fand das Elend dann ein Ende. Nein, nicht wirklich. Die Beziehung, die dazu geführt hatte, fand ein Ende, das Elend hielt mit seinen ekelhaften Widerhaken-Krallen kreischend an mir fest. Meine Beste war (der Liebe wegen) weggezogen ins nicht so ferne, aber so unerreichbare Niedersachsen. Ich machte mein „Freiwilliges Soziales Jahr“ im evangelischen Krankenhaus in Mülheim an der Ruhr, hatte keine Ahnung, wie es danach mit mir weiter gehen sollte (studieren? Ausbildung? Rumhängen?!) und war inzwischen nicht nur am Wochenende in einer Disco anzutreffen, sondern enterte auch mittwochs mit zwei Freundinnen das „Delta“ zur Ladys-Night. Die beiden teilten sich meinen Sekt und dann ging es wieder auf die Tanzfläche, die Ahnungslosigkeit, die Traurigkeit und die Wut wegtanzen. Freundlicherweise stellte der Herr Urlaub (und der DJ im Rockzelt, der unsere Vorlieben kannte) mir „OK“ zur Verfügung, um mich heiser zu brüllen. Danke dafür.

 

Hm. Kein besonders positives Ende, fällt mir auf. Ist aber ja erstens kein Ende, sondern nur ein Abschnitt, und zweitens liegt es nur daran, dass die zehn Titel hier aufgebraucht sind. Denn beim nächsten Mal nehme ich euch mit in musikalisch veränderte und verändernde Jahre, die einen besseren Nachgeschmack hinterlassen werden. Versprochen.

Herzlichst, Sunny

Frühlingserwachen im Kaisergarten

Ihr Lieben,

ihr wisst, dass ich ein Herbstkind bin. Am ehesten. Vielleicht ein Herbst & Winter-Kind. Aber wenn diese beiden von mir sehr geschätzen Jahreszeiten doch sehr lange da waren und gerade Letzterer statt knackig kalt und Schnee eher graumatschig und Regen zu bieten hatte, werde ich unversehends zu einem Frühlingsfreund.
Auch wenn Heuschnupfen, Wespen und Stechmücken dann ebenfalls wieder Einzug in die Welt halten: wenn die Sonne das erste Mal so richtig wärmt, Blüten duften und alles wieder grün wird, ist das doch sehr schön. Und es gibt Tierbabys! So richtig süße, die zum quietschen und knuddeln wollen verleiten. Aber auch alle anderen Tiere, die dann wieder zum Vorschein kommen (bis auf eingangs erwähntes Krabbelzeugs… nützlich, ok. Muss ich aber trotzdem nicht haben) lassen mein Frühlingsherzchen hüpfen. Und von Sonne, Frühlingsblumen und entzückenden Tierchen habe ich euch welche mitgebracht von meinem letzten Besuch im Kaisergarten. Ich hatte ja hier schonmal darüber geschwärmt, welch vielfältige Motive einem dort vor die Linse kommen. Da war es Herbst. Jetzt aber eine Ladung Frühling!

So einladend wurde ich bereits begrüßt, als ich den Park betrat. Ich bin ja eigentlich ein Musik-über-Kopfhörer-Hörer, wenn ich unterwegs bin. Oft zumindest. Aber nicht an diesem Tag. Ich wollte nicht nur sehen und riechen, sondern auch hören. Und das war ein Glück. Sonst hätte ich das Rascheln im Laub am Wegesrand verpasst und somit dieses putzige Gesellchen, das mir einen schnellen Knipser erlaubte, bis es wieder eilig davonhuschte:

Mäuschen!(ich freue mich in einem Tierpark irgendwie noch mehr über die frei lebenden Tiere. Seltsam. Dazu später noch mehr.)

Ein Glück war es ein ganzes Stück entfernt von ihm hier:

Corvus CoraxIch glaube nicht, dass diesem scharfen Blick eine Maus im Laub entgehen würde…

Nur wenige Meter weiter bot sich mir ein herrlicher Anblick. Balzzeit bei Pfauens!

Zugegebermaßen habe ich von diesem hübschen Kerl nicht zwei Bilder, sondern etwa 20x so viele… aber das würde hier den Rahmen sprengen. Die Rufe der Pfaumännchen waren übrigens im ganzen Park zu hören.
Dann kam es zu den ersten quietschenden Entzückungslauten meinerseits. Deswegen:

SchaffamilieUnd erst recht deswegen:

Guckguck!Hach! Aber auch frühlingsbotenmäßig in Form von Blumen und Blättern bekam ich noch einiges geboten… und einen stolzen Schwan! Der schwamm so langsam und elegant vorbei, als wüsste er genau, dass ich da am Ufer herumhüpfte und ihn besonders vorteilhaft abzulichten versuchte…

So langsam neigte sich die Sonne zum untergehen. Und ich meinte mich irgendwie zu erinnern, dass der Kaisergarten irgendwann schließt. Also machte ich mich auf den Rückweg – und kam dabei bei den Waschbären vorbei. Die hielten mich dann auf. Denn das war einfach so ein knuddeliger Anblick, dass ich nicht dran vorbeigehen konnte.

Als ich dann aber wirklich, wirklich dem Ausgang zustrebte, fegte auf einmal ein rotbrauner Blitz über den Weg. Und mein Herz, das bekanntermaßen voller Eichhörnchenliebe steckt, schlug schneller. Sollte ich wirklich, als krönenden Abschluss, sozusagen, noch ein Hörnchen-Bild machen dürfen?! Besagtes Hörnchen dachte sich erstmal „Nö!“ und drehte mir den Rücken zu.

das Hörnchen und ich IAber ein schöner Rücken kann auch… lassen wir das. Seht ihr, wie es mich aus dem Augenwinkel beobachtet hat? Ich trat einen Schritt näher – und schwupps war es im Gebüsch verschwunden. Aber direkt daneben war ein Baum. Und man weiß ja (als alter Eichhörnchen-Fan) dass die gern auf Bäume flüchten. Sollte es vielleicht…? Ja! Sollte es! Nachdem wir uns eine Weile um den Baum „gejagt“ hatten (ich ins Gebüsch, um die andere Seite des Baumes zu sehen, Hörnchen drumherum. Ich wieder auf den Weg, um das Hörnchen besser zu sehen, Hörnchen auf die andere Seite usw.) saß es schließlich lange genug still, um mir diesen Schnappschuss zu gewähren:

das Hörnchen und ich IIUnd dann kletterte es davon.
Ich seufzte zufrieden auf (nachdem ich auf der Kamera gescheckt hatte, ob das Bild ansatzweise scharf geworden war), drehte mich zum Weg und sah bei der Gelegeneheit, dass der Park leer war. Also, menschenleer. Hmja. Ausgang nochmal wo?
Nachdem ich vor einer verschlossenen Tür gestanden und peinlicherweise sogar mal dran gerüttelt hatte, fiel mir das Schild ins Auge „nach 16:30 Uhr (zu diesem Zeitpunkt laaange vorbei) nutzen Sie bitte den Ausgang hinter dem Wildpferdgehege“. Gut. Auf der ganz anderen Seite. Warum nicht.
Ich hielt also mein Gesicht nochmal beim laufen in die immer schneller schwindende Sonne, hielt nicht nochmal an, um ein Pfaumännchen zu fotografieren, das dabei war, zu demonstrieren, wer hier das größte Rad hatte, und fand schließlich eine sich willig drehende Drehtür. Der Pfau hinter mir rief, die Sonne vor mir ging unter. Herrlich.

Abschied über'm Rhein-Herne-KanalIch muss ehrlich sagen, ich freue mich über ihn, den Frühling. Ihr auch?

Herzlichst, Sunny

reingelesen: Sternschanze – Ildikó von Kürthy …und meine große Hamburgliebe

Ihr Lieben,

Bücher und ich, das ist so ein Paar, das für immer zusammen gehört. Ebenso wie Hansestädte und ich. UND Musicals und ich. Und in diesem Post vereinen sich alle diese von mir geschätzten dringend gebrauchten Wunderbarigkeiten: ich wandle auf den Spuren des Buches Sternschanze in Hamburg, der schönen Hansestadt und besuche den König der Löwen. So.

Der Liebste und ich verreisen gern zusammen. Auch für „nur mal eben ein Wochenende“. Und da er Hamburg noch gar nicht so richtig kannte, ich aber schon, und da ich keine Eintrittskarten für ein Musical hatte, er aber schon, machten wir uns an einem echten Schiet-Wetter-Tag auf gen Norden.
Nun ist es ja so, dass es von Hamburg-Posts wahrlich viele gibt, weil dieses Stadt einfach umwerfend ist und zahlreichste Geschichten bietet. Und diese vielen Posts wiederum sind bestückt mit vielen, vielen wunderschönen Fotos. Da reihe ich mich jetzt aber einfach nicht ein. Sondern hier kommt zunächst die oben erwähnte Buchempfehlung (denn dieses Buch spielt in Hamburg und hat mich dazu verleitet, dem genannten Viertel selbst einen Besuch abzustatten).

SternschanzeZum Inhalt:

Nicola Lubitz, genannt Nicki, purzelt durch äußerst widrige Umstände mit Anfang 40 aus ihrem Luxusleben in einen ungewollten Neuanfang. Vom barrierefreien Penthouse im Nobelviertel Harvestehude nach einem Zwischenstopp in einem Motel mit Plastikblumen in eine befristete 2-Zimmer-Mietwohnung im Schanzenviertel. Sie findet neue Freunde, alte Wunden und stellt sich die Frage, wie man am besten neu anfängt, wenn man noch nicht mal sicher ist, dass man das Ende überhaupt wollte.

lesenswert?

Da ich ein eingefleischter von Kürthy-Fan bin, musste ich das Buch sowieso lesen. Was mir aber hier besonders gut gefallen hat: man taucht als Leser an vielen Stellen ein in das Leben in Hamburg, die Stadtteile, die Menschen, und die verschiedenen Lebensideale werden so herrlich selbstironisch beleuchtet. Und obwohl die zahlreichen Zeitsprünge manchmal etwas verwirren können, bringen sie Dynamik und Überraschung in die Geschichte, die so ganz anders endet, als ich es von anderen Büchern der Autorin gewohnt war. Dewegen würde ich schon sagen, dass auch Leser, die Frau von Kürthy bisher nicht im Regal zu Besuch hatten, dieses Buch höchst unterhaltsam finden werden.

Die 2-Zimmer-Wohnung im Schanzenviertel ist sogar im Buch mit Adresse angegeben. Und was macht frau da, als neugierige und begeisterte Leserin? Schnappt sich den (zum Glück nicht fußlahmen) Ehemann und wandert in die Sternschanze auf der Suche nach ebendieser Adresse.
Worüber wir aber als erstes „stolperten“, als wir ins Schanzenviertel kamen, war dieses kleine Café:

Herr Max CaféDa wir schon eine Weile gelaufen waren, beschlossen wir dort einzukehren. Die Idee hatten noch so einige andere Menschen gehabt, aber einen kleinen Tisch am Rand konnten wir für uns erobern, und dort ließ ich mir Rhabarber-Baiser-Kuchen und Capucchino und der Liebste eine Limo schmecken. Außerdem ließ ich mein Auge erfreut über die Einrichtung schweifen. Das Herr Max sieht aus wie ein alter, griechischer Imbiss, der mit viele Liebe zum Detail und hinzufügen diverser Möbel und Accessoires in ein süßes, kleines Café umgebaut wurde. Ich kann über die frühere Beschaffenheit nichts sagen, aber in seinem jetzigen Zustand ist es sehr einladend.

Kuchen und Kaffee waren sehr lecker, und es gab noch einiges in der Auswahl, was ich ebenfalls gern probiert hätte, aber es zog uns bereits weiter. Das Schanzenviertel ist nicht schick, zum Glück. Ich finde, es hat Charakter. Gesetzte Herrschaften begegneten uns keine, dafür viele Menschen zwischen 20 und 40, auch einige Familien, kleine Läden, viele Cafés, Bars und Restaurants und herrliche Altbauten.

Was ich mir aber auf keinen Fall nehmen lassen konnte, war, das Haus, in dem Nicki in dem Buch „Sternschanze“ wohnt, selbst zu sehen- zumindest von außen (ja ich weiß, ich olle Stalkerin). Und da war dann auch die Straße… und das Haus. Hach.

Es ist doch wirklich so, dass die meisten Städte auch oder gerade außerhalb ihrer touristischen Hotspots echt viel zu bieten haben. Die Sternschanze kannte ich bis zu dem Buch von Ildikó nicht, und muss sagen, dass ich über das Kennenlernen sehr froh bin. Liebe Sternschanze, ich komme wieder!

An dem Abend unseres Erkundungstages stand dann noch ein Besuch im Musical „König der Löwen“ an. Ich hatte das Musical vor einigen Jahren schon gesehen und wusste, dass ich es lieben und lachen und heulen würde. Der Liebste hat sein Herz schon vor Jahren an ein Musical verloren, das von keinem erreicht werden kann: Les Miserables (und als ich es in London gesehen habe, konnte ich auch verstehen, wieso). So fand er dann auch den Löwenkönig eher zu bunt und zu kindlich, aber „nicht schlimm“, um ihn zu zitieren. Ein Highlight für uns beide war aber der Sonnenuntergang, den uns Hamburg am Hafen kredenzte…
Schiff am Hamburger Hafen
Sonnenuntergang am HafenSo ein wunderschöner Anblick… Ein bisschen konnte er mich damit aussöhnen, dass die Zeit in Hamburg schon fast wieder vorbei war.

Bevor wir dann zurück gefahren sind, musste ich mir aber noch eine Extra-Portion nahenden Frühling abholen, in Blankenese im Treppenviertel. Wart ihr schonmal dort bei einem Hamburgbesuch? Es ist eine eigene kleine Welt, finde ich. Schnuckelige Häuser, verschlungene Gässchen und zu Füßen von alldem die majetätische Elbe.

So schön… und der Abschied wird tatsächlich nur für ein paar Monate sein, denn im Sommer werde ich nochmal nach Hamburg zurück kehren. Mal sehen, was ich dann noch alles entdecke. Ich freu mich schon sehr darauf!

Herzlichst, Sunny