Winter, für dich schlägt mein Herz – Gedanken zwischen den Jahren

Ihr Lieben,

die besten Grüße von Paul dem Schneehund zunächst einmal:

Wir beide waren gerade draußen. Einfach so, weil die Sonne schien und ich Zeit hatte.
Ich. hatte. Zeit.
Diese drei Worte muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen. Denn in den letzten Wochen war das eher nicht der Fall, Zeit haben. Für was auch immer im Allgemeinen, und für entspannte Hunderunden im Besonderen. Aber heute kommt irgendwie alles zusammen. Die Weihnachtsbesuche sind gemacht, bis Silvester ist noch etwas Zeit, und das Wetter hat sich endlich entschieden, mein Freund zu sein.
Es ist nicht so, als müsste ich unbedingt weiße Weihnachten haben. Es ist nichtmal so, dass ich zwingend Schnee überhaupt haben muss, auch wenn er für mich eine Krönung ist (trotzdem dann anscheinend bestimmte Menschen nicht mehr Autofahren können, ohne den restlichen Verkehr lahm zu legen…). Was ich aber wirklich brauche, ist ein kalter Winter. Keine 12 Grad und Dauerregen, mit grauen Wolken am Himmel und grauen Menschengesichtern um mich herum. Knackig kalt, so dass man beim ersten Schritt vor die Tür den Atem vorm Gesicht sieht, so dass der Himmel das blaueste Blau hat und die Luft klirrt.


Und wenn ich das Privileg habe, in so einer Kulisse mit dem schneeverrückten Paulehund eine große Runde direkt bei mir „umme Ecke“ zu laufen, fließen auch endlich wieder Gedanken. Gedanken darum, wie schnell 2014 für mich verflogen ist mit der großen Hausrenovierung Anfang des Jahres, dem vielen Unterwegs sein, der ausgefüllten Arbeitsstelle. Wie dankbar ich für so vieles bin, Unternehmungen, Spaß und gute Gespräche mit Freunden (neue und alte), eine liebe Familie und den außerordentlichen Liebsten. Und dass ich mich in letzter Zeit zu sehr gestresst habe und vergessen habe, auf die Kleinigkeiten zu achten, die glücklich machen.

Dazu gehört auch, sich endlich wieder Zeit zu nehmen, um zu schreiben. Meine Gedanken festzuhalten und mit euch zu teilen.

2014, Du warst ein schönes, aufregendes und veränderndes Jahr. Nicht nur für mich, auch für Menschen um mich herum. Du hast neue und alte Liebe, neue und alte Ängste, große Freude und noch größere Vorfreude gebracht. Wir gehen als Freunde auseinander.

Ich wünsche euch, dass auch ihr versöhnt Abschied nehmt von diesem Jahr.
Wir sehen, lesen und hören uns in 2015!

Herzlichst, eure Sunny

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Luftholen im Vorweihnachtsstress – ein Plätzchenschlachtfeld und Chorgesang

WeihnachtsbaumIhr Lieben,

die Vorweihnachtszeit hat mich fest im Griff.
Das heißt zum Beispiel leider, fast doppelt so lange für den Weg zur Arbeit zu brauchen. Wer sich im Ruhrgebiet auskennt, weiß, dass die paar Kilometer zwischen Duisburg und Essen sich plötzlich ausdehnen und unendlich lang werden können, wenn man das Gefühl hat, dass alle Menschen gleichzeitig in die Stadt hinein – bzw. hinauswollen. Seltsamerweise egal zu welcher Uhrzeit. Ich versorge mich zwar mit guter Musik und schönen Hörbüchern, aber nichts desto trotz fühlt es sich am Ende des Tages so an, als wären diese Stunden weg.
Vorweihnachtszeit heißt auch viel zu tun auf der Arbeit. Wenn man das Glück hat wie ich, mit lieben Menschen zusammen zu arbeiten und die meiste Zeit etwas zu tun, das Spaß macht, und wenn schon keinen Spaß, dann zumindest Sinn, kommen einem diese Stunden wenigstens nicht verloren vor. Aber besinnlich ist anders.
Und obwohl ich mir doch so fest vorgenommen hatte, es dieses Jahr aber wirklich  anders zu machen, stehe ich Mitte Dezember da und habe gerade mal eine Handvoll Weihnachtsgeschenke beisammen. Nicht, dass ich nicht wüsste, was ich jemandem schenken soll. Ideen habe ich einige. Nur umgesetzt hab ich noch (fast) nix.

Aber trotzdem die Zeit irgendwie rennt und am Sonntag schon die dritte Kerze angezündet wird, gibt es auch Schönes in all der Hektik.
Ein kompletter Nachmittag mit Danni und Jasmin zum Beispiel, an dem wir meine Küche und den Esstisch in ein Plätzchen-Schlachtfeld verwandelt haben und sieben allesamt köstliche Sorten gezaubert haben. Wenn man zu dritt backt, den Backofen von Schwiegermuttern dazu benutzen darf und die Ergebnisse anschließend auf jeden gleichmäßig verteilt, kommen (in meinem Fall) drei prall gefüllte Tupperdosen dabei heraus. Und ja, ich habe bei der Gelegenheit festgestellt, dass ich eine schöne Keksdose brauche. Eine große. Und Food-Fotos sind echt nicht meins. Vielleicht ändert sich das ja noch.

Plätzchen-GeburtJedenfalls hat dieser Nachmittag mit den Mädels dafür gesorgt, dass ich mich um einiges „weihnachtlicher“ gefühlt habe.

Oder auch mein Wohnzimmerchor. Ja, richtig gelesen. Das ist ein Chor, der sich einmal die Woche im Wechsel bei den Mitgliedern zuhause trifft und dort probt. Seit Sommer 2013 bin ich dabei in dieser Gruppe von momentan zehn Menschen inklusive Chorleiter, und es ist mir ein Fest, jeden einzelnen von ihnen zu kennen.
Und zur Adventszeit haben wir vor einigen Tagen die heimischen Wohnzimmer verlassen und in einer Tageseinrichtung für Senioren gesungen, die ihre Weihnachtsfeier hatten. Und wenn da Gesichter auf einen gerichtet sind, während man singt, die strahlen, weil Musik das einfach mit Menschen egal welchen Alters macht, die klatschen und Zugabe rufen und dann aus vollem Halse bei Wunderkerzenlicht „Stille Nacht“ anstimmen, da hab ich dann meine Besinnlichkeit. Und meine Freude über diese Wochen im Jahr, in denen es doch eigentlich nicht darum gehen sollte, wer die größten, besten, teuersten Geschenke bekommt oder verteilt. Vielmehr um die Zeit, die man mit den Menschen verbringt, die einem wichtig sind und mit Dingen, die nicht nur einem selbst Freude machen, sondern auch anderen.
Manchmal kriegt man das hin. Und das sind sehr schöne Momente, finde ich.WeihnachtsfensterHerzlichst, Sunny

Ein Weihnachtsgruß

100_4434Weihnachten – Joseph von Eichendorff

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wand’re aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!