Momentaufnahmen I-III

An mancher Stelle wird in diesem Blog eine Momentaufnahme auftauchen.

Der Name sagt schon sehr gut, um was es sich dabei handelt. Es begegnen mir immer wieder Menschen oder Situationen, die mich nach meinem Notizbuch greifen lassen. Dann versuche ich, meine Beobachtungen fest zu halten, manchmal in wenigen Sätzen, manchmal ausführlich. Und ab und zu mag ich diese dann teilen.

Die folgenden drei sind alle an einem Abend entstanden, als ich für (ganz) kurze Zeit nachts in einem Club an der Garderobe gearbeitet habe. Von dort hatte ich einen wirklich guten Blick auf das Geschehen um mich herum, denn die Gaderobe ist dort nicht abseits, sondern an der Seite des großen Raumes. Es war ein Gothic-Club, aber es hätte vermutlich auch jeder andere sein können.

 

DSC00174I – Im Abseits

Ihr Blick folgt ihm überall hin. Jede Faser ihres Körpers, der in Klamotten gehüllt ist, die alles versprechen, aber nicht zuviel zeigen, verlangt nach ihm. Sie sucht seine Nähe, lehnt sich beim Sprechen nah an ihn, so dass er die Wärme ihres Körpers spüren muss. Der Raum ist voller dunkler Ecken, und sie sucht in Gedanken bereits einen Ort aus, wohin sie mit ihm verschwinden kann. Aber die Realität holt sie immer wieder ein, und wenn ihre Blicke noch so sehnsuchtsvoll sind… er gehört nicht zu ihr. Beinah beiläufig berührt er eine andere, doch diese Geste ist nicht nachlässig; sie ist vertraut. Die Andere schenkt ihm ein kleines Lächeln, aber auch dieses ist voll Verbundenheit.

Sie steht da und schaut es sich an, zupft an ihrem kurzen Röckchen, nimmt einen Schluck aus ihrem Getränk. Wartet, dass die Andere geht, sie ihn zumindest in ihren Träumen wieder für sich haben kann. Hier ist alles dunkel, hier ist alles Traum. Wenigstens das kann ihr keiner nehmen. Die Musik berührt sie nicht, die anderen Menschen sind ihr egal. Wenn nur er in ihrer Nähe ist. Auch wenn es niemals nah genug sein wird für sie. Solange er da ist, ist sie es auch. Und das muss genügen. Vorerst.

 

DSC00213II – Selbstbetrug

Was treibt denjenigen an, der immer allen alles abnehmen will? Und was denjenigen, der am liebsten alles auf andere abschiebt? Der eine will beliebt sein, es allen recht machen, sich gebraucht fühlen. Der andere will sich wichtig fühlen, dominant; als derjenige, der das Sagen hat. Der eine wurde vielleicht nicht genug geliebt. Braucht Bestätigung durch andere, die er sich selbst nicht geben kann. Der andere wird vielleicht woanders unterdrückt, herumgescheucht, klein gemacht, und braucht deshalb das Gefühl, sich „größer“ zu machen. Beides zeugt von wenig Selbstwertgefühl. Zu wenig.

DSC00189III – Wege

Man kann immer wählen. Die Zähne zusammen beißen und das Beste daraus machen… oder sich zusammenrollen und sich selbst bedauern. Was einem gegeben wird annehmen und es zum Positiven hin betrachten… oder sich laufend die Frage stellen „Warum immer ich?!“ Da gibt es Menschen, die mit nichts zufrieden und immer auf der Suche sind. Nach was, könnte man fragen, aber das ist sinnlos. Es ist eine Suche ohne Ende, ohne Ziel. Und dann gibt es Menschen, die Schicksalsschläge erleiden, mehrere, die jeder für sich schon reichen würden, um einen fertig zu machen. Und sie lachen trotzdem. Und lieben das Leben.

 

Im Land der Leprechauns – sunny spells and occasional showers

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

Diesen September ist es fünf Jahre her. Da habe ich mein Herz an eine grüne Insel verloren.

Vor einigen Tagen schrieb ich mit einem Bekannten zum Thema Fotografie über die Schönheit von „wilden, ungezähmten“ Orten. Und da fielen mir unweigerlich drei Momente ein: der Ausblick von den Cliffs of Moher, die Stille am Poulnaborne Dolmen und der Anblick der Berge am Lady’s View. Kann ja kein Zufall sein, dass diese Orte alle in Irland sind. Eigentlich ist das ganze Land eine einzige, ungezähmte Schönheit.

Ich wollte schon lange nach Irland. Es war ein Buch, das zum ersten Mal die Sehnsucht nach dieser Insel geweckt hat, und zwar dieses hier. Ich glaube, damals war ich zwölf. Es ist die wahre Geschichte einer Autorin für Pferdebücher, wie sie an ihre erste (und unvergessene) Connemara-Stute Colleen gekommen ist. Dafür musste Frau Heuck damals nach Irland reisen, und einige Kapitel ihres Buches spielen dort. Sie beschreibt Land und Leute (und das Wetter) so eindringlich, dass ich mich unweigerlich dorthin versetzt gefühlt habe. Es war mir sofort klar, dass ich einmal dorthin reisen würde musste.

2009 war es dann endlich so weit. Da ich ja bekanntlich fliegen nicht soooo sonderlich gern mag, trat ich die Reise mit einem Schiff an, der Oscar Wilde. Diese Fähre ist zwischen Roscoff, einem kleinen französischen Hafen, und Rosslare, einem irischen Hafen im Süd-Osten, nonstop unterwegs, also ohne in England Halt zu machen. 18 Stunden dauerte die Überfahrt und es war herrlich. Meerliebe + Schiffliebe = seehr glückliche Sunny. Aber das war nichts im Vergleich zu den 18 Tagen auf der Insel. Eine gute Woche in einem Cottage im Westen, 10 Tage im Südwesten, drei davon in einem Hotel. Was soll ich sagen? Ja, die Iren sind wirklich so gastfreundlich und musikalisch, wie man immer hört. Ja, die Insel trägt ihren Beinamen „Die Grüne“ mehr als zurecht. Ja, das Wetter ist tatsächlich so unbeständig und gewaltig und wunderbar. Und ja, ich muss auf jeden Fall nochmal hin! Aber was erzähle ich so viel? Ich lasse lieber Bilder sprechen.

Im Westen (Lahinch, Galway, Burren, Dolmen, Ennis):

 

Im Südwesten (Lady’s View, Kenmare, Bantry, Sheep’s Head, Ring of Kerry, Killarney):

 

Wer jetzt ganz große Lust bekommen hat, Irland besser kennenzulernen, dem möchte ich noch dieses Buch ans Herz legen: Sunny Spells – Occasional Showers von Christoph Fechler.Selten habe ich etwas gelesen, das Irland und seine Menschen treffender beschreibt. Humorvoll und mit einem großen Augenzwinkern geschrieben ist jedes einzelne Kapitel lesenswert. Und was war es für ein schönes Detail, zu entdecken, dass das Haus von Herrn Fechler in Kenmare steht – in dem Ort, wo ich als zweites gewohnt habe. Hach.

Wenn ich die Bilder so betrachte, hab ich tatsächlich wieder den Wind im Gesicht und den… wirklich grünen Geruch in der Nase. Die Gänsehaut, die sich bei mir eingestellt hat, als ich an dem über 5000 (!) Jahre altem Dolmen stand, ebenso wie das Gefühl, stundenlang an den Cliffs of Moher sitzen zu können und auf’s Meer zu schauen und das reiche für’s Glücklichsein… alles ist unvergessen. Am Abreisetag, bevor es auf die Fähre ging, waren einige Menschen von Tourism Ireland an der Autoschlange mit Clipboards unterwegs, um die Insassen zu befragen, wie ihnen der Aufenthalt gefallen habe. Und auf die Frage, was ich denn nun von „ihrem“ Irland halte, konnte ich der Dame im Regenmantel nur antworten: „It’s just… stunning. Breathtaking.“ Und das war nichts als die Wahrheit.

Die Sehnsucht nach Irland ist ungebrochen groß, und nach diesem Blogpost erst recht. ❤ Ich komme wieder!

Sunny Spells

Sunny Spells

 

reingelesen: ein Blog wie ein Bilderbuch – sonjas perspektive 2

Guten Morgen zusammen,

ich bin gerade zurück von einem virtuellen Spaziergang. Und zwar nicht zum ersten – und sicherlich nicht zum letzten Mal. Durch Zufall habe ich nämlich oben genannten Blog entdeckt, Sonjas Blog (und bevor es Verwechslungen gibt, es ist Zufall, dass wir den gleichen Namen tragen 🙂 ), und bin dort dauerhaft, im positivsten Sinne des Wortes, hängen geblieben.

Sie sagt auf der Startseite:

bilderbuch – zum träumen, umherspazieren, wirken lassen und vieles mehr.

Und genau so ist es. Ein Fotografie-Blog, auf dem Sonja einzelne Momente eingefangen hat und sie mit dem Leser teilt. Bei meinem ersten Besuch wollte ich „nur mal eben“ reinschauen und hab mich dann festgeklickt. Ein Foto nach dem anderen wollte betrachtet und verinnerlicht werden. Am meisten angetan hat es mir dieses wunderbare Bild hier . Ich liebe Fotos mit Wasser und Wasserspielen (auch gefrorenes Wasser wie Schnee oder Eis darf es sein), und noch dazu die nostalgische Sepia-Färbung… hach.

Außerdem kam mir bei dem Anblick spontan folgendes Lied  in den Kopf:

Ein wenig Melancholie am Morgen kann ja nicht schaden… ich mag einfach REM sehr gerne.

Schaut mal auf Sonjas Blog vorbei, vielleicht geratet ihr ebenso ins Träumen und Spazieren gehen wie ich. Da gibt es auch Bilder mit fröhlicherer Grundstimmung, ich hab sie schon gesehen 🙂

In diesem Sinne, ein wunderschönes, vielleicht nicht sooo verregnetes Wochenende!

unerwünschte Begleitung inklusive – mit Fibromyalgie auf Reisen

Gestern war es wieder soweit: ich habe mich durch diverse Fotos von Reisen geklickt (diesmal durch Abendstimmungen), die ich im Laufe der letzten Jahre aufgenommen habe (das Unterwegs sein ging von „ziemlich weit weg“ bis zu „nur um die Ecke“) und die Bilder sorgten dafür, dass ich mich zurück versetzt gefühlt habe. Dieses zurück reisen im Kopf ist etwas, das ich sehr liebe und häufig praktiziere und führt unweigerlich dazu, dass erneut Reisefieber ausbricht, denn

reisen schafft Inspiration.

Egmond aan Zee 2014

Niederlande, Egmond aan Zee, 2014

Portugal 2011

Portugal, Algarve,  2011

Teneriffa, Alcalá, 2013

Teneriffa, Alcalá, 2013

Für neue Idee, neue Texte, neue Sichtweisen, neue Fotos… die dann wieder beim „zurück reisen“ helfen. Und wenn man gerade mal keine Inspiration, sondern Erholung und einen freien Kopf braucht, schafft reisen auch das. Manche nennen es dann Urlaub. Aber es ist das „weg sein“-Gefühl, das all das auslöst. Das kann mir vermutlich jeder, der gern unterwegs ist, bestätigen.

Was packen wir alles ein? Vom Rucksack bis zum XXL-Trolley reicht der Platz, und was wir mitnehmen hängt von dem ab, was wir meinen, zu brauchen auf dieser Reise. Für einen oder zu zweit? Oder für die ganze Familie?

Ich packe grundsätzlich für zwei.

Und damit meine ich (leider) nicht den Liebsten. Auch wenn ich mich allein auf den Weg mache, um werte Menschen zu besuchen oder einfach nur, um mal wieder unterwegs zu sein, sitzt Madame schon auf der Tasche. Und mein Reisegepäck enthält dann neben den gewöhnlichen Dingen wie Badartikeln und Wechselwäsche grundsätzlich:

  • ein (nicht zu spannendes) Buch, um eventuell aufkommende Gedankenstrudel abzulenken
  • etwas Wärmendes für Nacken, Füße und Handgelenke (ja, auch im Sommer. Ohne dicke Socken geht nicht. Könnte ja abkühlen.)
  • Schmerzmittel

Das nimmt in der Tasche nicht sooo viel Platz ein. Aber in meinem Kopf.

Immerhin bin ich überhaupt wieder unterwegs.

Einige Zeit vor und auch noch nach meiner Diagnose war sogar längeres Autofahren schwierig. Weil plötzlich aufkommende Schmerzen in Händen oder Knien oder Druck im Kopf für Angstgefühle sorgten, und die wiederum für Verschlimmerung… wiedermal der Teufelskreis. Für mich, die ich „rauskommen“ schon immer toll fand, war das niederschmetternd. Ich wollte mir nicht diktieren lassen (müssen), ob und wann ich unterwegs sein dürfte. Dass das heute wieder möglich ist, hat viel mit meiner Therapie zu tun und dem, was ich dabei über mich gelernt habe.

Der Flug nach Portugal 2011 zum Beispiel war der reinste Horror. Der arme Liebste hat 4 Stunden damit verbracht, mich zu beruhigen und mich daran zu erinnern, ruhig zu atmen. Flugangst inklusive Negativ-Gedankenstrudel olé! In den neun Tagen, die wir dort waren, habe ich mehr als die Hälfte mit dem nahenden Schrecken des Rückflugs verbracht. Dabei war die Umgebung so traumhaft schön… mit einer Poolterasse direkt in den Felsen gebaut, unmittelbar darunter der Atlantik, es war ein Meertraum. Aber ich konnte an vielen Stunden des Tages nur an die Panik vor dem Flug denken. War nicht so erholsam.

Der Flug nach Teneriffa letztes Jahr war dann schon deutlich besser. Meine Flugangst hatte ich bearbeitet – mit Vorfreude. Nicht nur sollte die Reise nach Teneriffa gehen, und so weit im Süden war ich noch nie gewesen (ok, auch, weil es mich eigentlich eher in nördlichere Gefilde zieht… aber das ist eine andere Geschichte), sondern es war auch unsere Hochzeitsreise. Traumhaftes Hotel, direkt am Meer mit Blick auf La Gomera, wie sollte ich mich nicht unbändig darauf freuen? Also habe ich jedem vorbeifliegenden Flugzeug mit einem Lächeln nachgeschaut und mir das Glücksgefühl verinnerlicht, dass der Gedanke an die Hochzeit und die Flitterwochen in mir auslöste. Für den Flug selbst gab es außerdem noch einen Helfershelfer außer der Hand des Liebsten: mein iPad mit brandneuen Folgen der herrlich kitschig-unterhaltsamen US-Serie „Glee“ darauf. Viel Gesang, Musik und Herzschmerz. So schnell sind knapp fünf Stunden Flug noch nie vergangen, kann ich euch sagen. Die Fibro war chancenlos. Sie hat dann im Laufe der Tage auf Tenriffa ein paar Mal für Druckkopfschmerzen gesorgt, aber die meiste Zeit hat mein Glück über diese wunderschöne Insel und den Mann an meiner Seite die Schmerzen quasi in den Hoteltresor gesperrt. Ha!

Und so ein spontaner Egmond-Besuch wie dieser hier mit Jasmin ist inzwischen so ein fester Bestandteil meines Lebens geworden, dass die Fibro nur noch mitkommt, weil sie muss. Ich habe den Spieß quasi umgedreht. Es ist nicht mehr so, dass ich denke „Oh nein, die olle Zicke sitzt auch schon wieder im Gepäck“, sondern dass ich mich gut fühle, weil ich weiß, dass mein Reiseglück ganz oft größer ist als der Schmerz.

So ist das nämlich. Ich kann am allerbesten entspannen, wenn es mir gut geht, und das gilt eben auch  besonders für die Reiselust. Denn dann kann ich mich getrost umdrehen und etwas neues entdecken und Ideen haben und tiiiieef einatmen – und die Fibro kann mir gestohlen bleiben.

Deutschland, Lindau, 2014

Deutschland, Lindau, 2014

 

visuelle Erfrischung

IST das ein Wetter…

Sonne pur und Temperaturen, wie sie in einen echten Juli gehören. Uuund heute ist Freitag. Gut, einige müssen auch morgen noch arbeiten (wie ich… *insert vor Hitze dampfenden Smiley here*), aber dann heißt es: ab nach draußen, grillen, an den/ans See/Fluss/Meer ❤ , Geselligkeit und durch Rasensprenger hüpfen (wie, das macht ihr nicht mehr?! Nein, man ist NICHT irgendwann zu alt! Das ist toll!)

Ich muss allerdings ehrlich gestehen, dass ich mit vollem Herzen ein Herbstkind bin. Wenn sich die Blätter verfärben, morgens Nebel über den Feldern liegt und beim ausatmen vor der Tür die ersten Wölkchen sichtbar werden, bin ich rundum glücklich. Ich habe aber auch einen ausgeprägten Schalfetisch, und den kann ich im Sommer nicht soo gut ausleben…

Wie auch immer, ich habe eingangs eine virtuelle Erfrischung versprochen, hier ist sie also:

100_3115100_5112100_5280IMAG0109100_4117Hach. Das Meer lieben? Ich?! 🙂

Ja. Eindeutig. In diesem Sinne: ein wunderbares und hoffentlich erfrischendes Wochenende!

54, 74, 90, 2014

❤ FUSSBALL-WELTMEISTER! ❤ Die Entscheidung ist gefallen. Am 13. Juli, in der 113. Minute… ernsthaft jetzt?! Ich hab ja hier schonmal erwähnt, dass 13 meine Glückszahl ist, und jetzt das…!

DSC04135Ich bin nicht DER Fußballfan. Ich gucke es ab und an (mit dem Liebsten) und dann ist es auch mal ganz spannend. Aber wenn EM oder WM ist, verwandele ich mich plötzlich in ein auf und ab hüpfendes, quietschendes Wesen, das in einer Tour „Oh Gott!“, „Mein Herz!“, „Ich kann nicht mehr!“ und (in diesem Jahr glücklicherweise besonders oft) „TOOOOOOR!“ schreit. Wir hatten Rudelgucken in unserer „Hasenburg“ (so nannten Freunde unser Heim, als es fertig renoviert war, wegen des Nachnamens und des Spitznamens vom Liebsten) und ich war dankenswerter Weise nicht alleine mit meinem Gequietsche. Wir hatten alles: Freunde, Grill, kühles Nass (auch von oben, aber Schirm auf’m Balkon), Leckereien und Bock auf großartigen Fußball. Hamwa gekriegt. Danke nochmal, Jungs, ihr seid Helden!

Was mir dann aber noch auffiel (später, als die Gäste gegangen und die Euphorie verflogen war  so langsam abklang): diese Daten, über die alle jetzt sprachen und sangen, 54,74, 90, 2014, sind auch für mich sehr wichtig und bedeutend in einer Welt, die dann nur noch am Rande mit Fußball zu tun hat.

1954 wurde nämlich meine Mama geboren. Nach der WM, zugegeben, im September, aber in diesem Jahr.

Mama & OmiHier ist sie auf einem Bild zu sehen, das mit vielen, vielen anderen über meinem Schreibtisch hängt, zusammen mit meiner Omi (über diese tolle Frau an anderer Stelle nochmal mehr). Ich liebe dieses Foto, weil es ohne Worte sooooo viel sagt. Meine Mama erzählt oft, dass sie eine wunderschöne Kindheit hatte, und das glaube ich immer sofort, wenn ich dieses Bild sehe.

1974 haben meine Eltern sich kennengelernt.  Während der WM. Jawoll, kein Scherz.

PapsHier ist mein Papa zu sehen (ebenfalls von meiner Fotowand), natürlich noch entfernt von dem Jahr, in dem er dann seine Frau treffen sollte. Die beiden sind demnach dieses Jahr seit 40 Jahren zusammen, und ich bin stolz an dieser Stelle die Worte meiner Mam zu wiederholen: auch ich hatte eine herrliche Kindheit. Dass ich mich auf den Weg machen sollte, dauerte aber damals noch 7 Jahre.

1990 habe ich angefangen zu schreiben. Ich weiß das deshalb noch so genau, weil es ein Tagebuch mit kleinen Geschichten und Einträgen aus diesem Jahr gibt (und ich wünschte, ich könnte es in dem noch nicht ganz beseitigten Umzugschaos finden, aber ein Foto folgt, sobald alles ein-und ausgeräumt ist). Ich war damals in der zweiten Klasse und überglücklich, endlich alle Ideen, die so in meinem Köpfchen herumsprangen (zugegeben, damals waren es noch viele, viele Pferdegeschichten), zu Papier bringen zu können.

Und 2014 schließlich… was soll ich dazu groß sagen? Ich habe mich endlich entschlossen, diesen Blog hier zu schreiben und bin sooo glücklich mit dieser Entscheidung. Immer wenn ich einen Post veröffentlicht habe, geht schon der nächste Gedankenstrudel in Gang, weil: schreiben ist groß, mit das Größte, möchte ich sagen. Hach.

BlogNicht nur Fußball-Daten, auch Sunny-Daten also. Macht die Freude irgendwie noch größer.

reingehört: Sting – The last ship

Ja, ich gebe es zu: das Album ist nicht mehr ganz neu (erschienen am 20.09.2013). Und ich habe es auch nicht erst seit gestern. Aaaaber, ich habe gestern mal wieder die ganze CD gehört und mich nochmal neu so reinverliebt, dass ich jetzt darüber berichten möchte.

„The last ship“ ist das 13. Studioalbum von Sting (und das muss ein Zeichen sein, denn 13 ist meine Glückszahl – ja, ich bin sogar an einem Freitag den 13. geboren!) nach einer längeren Schaffenspause und hat mich von der ersten Sekunde an gehabt.

Es ist eher folkig instrumentiert, mit vielen Streichern und null elektronischen Beats. Vor allem das für Schiffermusik so typische Akkordeon kommt oft zum Zuge und unterstreicht den Charakter des Albums. Ein wenig Jazz findet sich auch (And Yet), ebenso wie Irish Folk (What have we got?). Viele Lieder sind im 3/4 oder 6/8 Takt, der zum Schunkeln einlädt, die Stimmung (inklusive Text) ist aber eher melancholisch als fröhlich (wunderbare Ausnahme: The night the Pugilist learned how to dance, Sting gibt den Straßenboxer mit Dialekt zum Niederknien gut). Die Texte beschäftigen sich mit (Sting’s) Kindheit (er ist in Wallsend, England aufgewachsen, dort ist ein Hafen und ein Schiffsbauwerk), Heimkehr, Selbstfindung, Liebe und natürlich der Schiffahrt (die auch das Leben manchmal sein kann). Die Stücke erzählen alle eine eigene Geschichte, manche gehen ineinander über (Practical Arrangement – I love her but she loves someone else). Es ist kein Schnappen nach Ohrwürmern, sondern der Wunsch, jeder Story hinter dem Lied gerecht zu werden, was das Album dominiert. Die Deluxe-Edition beeinhaltet eine weitere CD mit fünf Extra-Songs.

Was mich aber am meisten fasziniert, ist zum einen die Eindringlichkeit, mit der Sting jedes Lied vorträgt, als ob er die Zuhörer begreifen lassen müsste, um was es geht. Das Album ist zum Teil autobiographisch und ist inspiriert durch das gleichnamige Theaterstück, an dem Sting bereits seit drei Jahren arbeitet und das in Kürze am Broadway uraufgeführt wird. Man hört mit jeder gesungenen Silbe, dass sein Herz sehr an den Musikstücken hängt.

Zum anderen fesselt mich jedes Mal die Unfehlbarkeit seiner Stimme. Die ist mit den Jahren dunkler und rauer geworden, hat aber nichts von ihrer Magie verloren. Ich glaube, dieser Mann könnte mir auch die Postleitzahlen von Deutschland oder eine Speisekarte von 1985 vorsingen, und ich würde mich einfach im Klang seiner Stimme verlieren. Hach.

Sting The last ship

 

 

Vom Verlust der Farben… und ihrer Rückkehr

Dass die Schmerzen miteinander abwechseln, macht das     Leben erträglich.

Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863

Herr Hebbel war Lyriker. Und Dramatiker. Und Rheumakrank. Vermutlich bezieht sich das Zitat aber eher auf die beiden ersten Tatsachen als auf Letztere. Auf die Schmerzen, die das Leben mit all seinen Facetten bereit hält.

Ich fühle mich, zugegebenermaßen auf eine etwas ironische Weise, von diesem Zitat aber auch angesprochen. Denn ich lebe mit sich ständig abwechselnden Schmerzen jeden Tag. Seit 10 Jahren – mal abwarten, wie viele noch folgen, das kann mir irgendwie keiner so genau sagen. Und dass mein Leben jetzt genau dadurch erträglich würde, kann ich so nicht bestätigen.Trotzdem geht es mir gut, an vielen Tagen. Und nicht ganz so gut an manchen (und ja, auch beschissen an einigen). Auch deshalb habe ich mich entschieden, diesen Blog zu schreiben und meine Krankheit Fibromyalgie (auch Muskel-Faser-Schmerz genannt) beim Namen zu nennen. Um zu zeigen, dass und wie man mit einer chronischen, unheilbaren Krankheit zurechtkommt, was das Leben trotzdem an schönen Dingen für einen bereit hält. Und vielleicht anderen Betroffenen ein bisschen Mut zu machen, in welche Richtung auch immer. Vielleicht es es so, dass jemand die Erkrankung geheim hält, weil er oder sie sich ihrer schämt, oder das Umfeld nicht belasten will. Oder weil jemand die Arbeitsstelle nicht gefährden will. Und wenn man dann etwas liest, das einen zum Umdenken bewegt, oder zumindest zum „nochmal drüber nachdenken“, habe ich schon viel erreicht.

SunnyHeute will ich erzählen, wie das alles begann mit mir und der Fibro… Und es ist ein laufender Prozess.

 

„Das könnte jetzt ein bisschen wehtun…“

Ein bisschen. Ein BISS-CHEN?? (ist das die Verniedlichung von „Biss“, oder was?)        Ok, ich hatte mich im Vorfeld mit der möglichen Diagnose beschäftigt. Meine Mom hat nämlich auch Fibromyalgie und mir geraten mich bestärkt, mir einen Termin in einer Rheumaklinik geben zu lassen, auf dass jemand meinen hinterhältigen Zipperlein auf die Schliche käme. Ich wusste also, dass außer einem Fragebogen vermutlich auch körperliche Tests auf mich zukommen. Aber dass ich dann in Unterwäsche da stehe und die streng blickende Ärztin ihre kräftigen Finger auf einige Stellen meines Rückens presst, dass ich mich vor Schmerz zusammenkrümmen muss, war doch etwas, sagen wir mal, unangenehm.                                                                                                                                                Nachdem außerdem noch mein Nacken, meine Arme, Beine und der Oberkörper ausgiebigst den forschenden Händen der Göttin in Weiß ausgesetzt worden waren und ich mich jedes Mal vor Unbehagen wand (was von einem bestätigenden Nicken und Brummen seitens der Ärztin begleitet wurde), bekam ich schließlich die Aussage zu hören: „Sie sprechen auf 16 von 18 Tenderpoints stark an. Das macht uns die Diagnose leichter, denn auch ihr Fragebogen weist die entsprechenden Antworten auf…“                Ah ja, 16 von 18 Punkten, das klingt nach einer sehr guten Schulnote, oder…? Oder?!

Wie sich herausstellen sollte, war das aber – verborgen hinter der Krankenhaustür – der Zonk.

Eigentlich fand ich dieses rote, ungelenkte Knuddelwesen immer recht lustig. Mir war aber gerade nicht nach Lachen. Fibromyalgie also. Der Auszug aus den typischen Symptomen las sich wie eine „Hey? Wieso wissen die alles über mich?“-Liste. In den gängigen Bluttests war nichts gefunden worden – was bei mir bereits zu dem „Bilde ich mir das alles nur ein?!“-Gedanken geführt hatte, den viele Fibro-Patienten kennen – und so war ich fast schon… erleichtert? Beruhigt? Tatsächlich ein bisschen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Betroffenen blieb mir somit die Odyssee von Arzt zu Arzt erspart.

Und auch dass ich eine Simulantin sei musste ich mir nicht anhören (nur der Satz, dass „Fibromyalgie ja keine richtige Krankheit“ sei, ist in einem unseligen Moment bei meinem (ehemaligen!!) Hausarzt mal gefallen). Nach den Fragen der Ärztin und meinem bisherigen Lebenslauf ließ sich schließen, dass ich mit ca. 21 begonnen hatte, erste Symptome zu zeigen. Die nun, durch Hartnäckigkeit, Nachdruck und einem „Nöhö, wir gehen nicht wieder weg!“-Gefühl, in meinem gerade angebrochenen 28. Lebensjahr dazu geführt hatten, dass ich dort saß, an einem kalten Tag Ende November im Jahr 2009, im Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne.

Was macht frau mit so einem (nicht ganz unerwarteten, aber nicht weniger unschönen) Ergebnis? Erst mal nach Hause fahren. Nachdenken. Und dann weitersehen.

Der Schmerz hatte mich fest im Griff.

Kennt ihr das? Man schneidet sich irgendwo, merkt es aber gar nicht, weil man gerade so beschäftigt ist. Und dann ist mit einem Mal Blut am Pulli, man findet den Schnitt und dann tut’s plötzlich so richtig weh? Ich war mir in der ersten Zeit nach der Diagnose allem überbewusst, das Bemerken der Begleiterscheinungen und die Analyse davon bestimmten bald meinen Tag. Natürlich wollte ich das nicht. Aber es gab auch kein Entrinnen. Ich hing in einem Teufelskreis fest, unter dem meine Arbeit sehr litt und auch mein nahes Umfeld. Irgendwie verlor alles seine Farben und manches seinen Sinn. An manchen Tagen war das Bett so eine willkommene Heimstatt mit einer schönen, blickdichten, warmen Decke, dass ich es nur für das Nötigste verließ. Schließlich suchte ich mir Hilfe. Einen neuen Hausarzt, der mich und die Diagnose ernst nahm, und einen Therapeuten. Der Hausarzt schlug mir verschiedene Sportarten vor, die nicht zu gelenkbelastend waren und meine anfällige Muskulatur stärken sollten. Und mein Therapeut hörte sich meine Geschichte an, und nahm mich ohne Weiteres auf; ich hatte nur eine sehr kurze Wartezeit. Und das war der richtige Schritt gewesen.

Die Farben kehrten zurück, und auch die „Sunny“ in mir

Seit der Diagnose sind fast fünf Jahre vergangen. Es hat sich vieles geändert in meinem Leben. Mein Job, zum Bespiel. Ich habe offen mit meinem Arbeitgeber über meine Krankheit gesprochen, und meine Stunden sind nun gekürzt. Es ist finanziell jetzt etwas enger, aber möglich. Die Arbeit, der ich nachgehe, mache ich mit viel Freude und einem niedrigen Stresslevel. Einige Menschen in meinem Umfeld sind gegangen, aus verschiedensten Gründen. Manche sind dazugekommen, die mir heute sehr teuer sind und die ich nie mehr missen möchte, und manche sind durch dick und dünn da geblieben, „through sunny and stormy“.

Und ich? Anstatt den ganzen Tag auf die olle Zicke Schmerz zu hören, die nunmal Teil meines Lebens ist, unternehme ich viel und schleppe sie einfach mit. Den ein oder anderen Urlaubstag hat sie mir zwar vermiest, aber niemals wieder ganze Tage oder gar Wochen. Ich bemühe mich jeden Tag, mich nicht unterkriegen zu lassen, und dieser Gedanke bestimmt jetzt meine Tage.

Ich behalte meine Farben.

Schmetterling

 

Wie ich an einem Samstag morgen das Meer gesucht habe

Wer an einem arbeitsfreien Samstag freiwillig um 2:30 Uhr nachts aufsteht hat se nicht mehr alle? Hätte ich vielleicht auch so unterschrieben… wenn, ja wenn nicht meine sonnenaufgangsliebende, fotografieverrückte Freundin Anny am Wochenende zu Besuch gewesen wäre und wir ratzfatz alle „um diese Zeit ist man entweder noch nicht oder schon längst im Bett und steht nicht auf!“-Regeln über Bord geworfen hätten. So sind wir um 3:00 Uhr einfach losgefahren. Richtung Ostfriesland, genauer: Greetsiel. Da waren wir beide noch nie, ich hatte aber schon viel drüber gehört von Freunden und Bekannten. Und weil Anny eher aus der Mitte Deutschlands und somit nicht „mal eben“ ans Meer kommt, hab ich ihr mehr Meer versprochen. Mit Morgendämmerung und Sonnenaufgang.

Um 3:15 Uhr waren wir auf der Autobahn. Da mich meine Meerliebe schon öfter nach Juist verschlagen hat, wusste ich von den Fahrten zur Fähre in Norddeich, dass Greetsiel da ganz in der Nähe ist. Also brausten wir die A31 hoch, mümmelten irgendwann ein mitgebrachtes Bütterken und schauten zu, wie „draußen“ langsam Konturen bekam. Wie sich Bäume und Häuser und Felder aus dem Dunkel der Nacht schälten. Die Wolken hatten ein Einsehen und ließen zumindest kleine Lücken. Gegen 5:00 Uhr schoss Anny die ersten Bilder aus dem fahrenden Auto, von rosarot angeleuchteten Wolken über Feldern mit Windrädern. Die Landschaft rief eindeutig „Norden!“  Dann kam auch schon die Abfahrt Emden und eine Tankstelle, die den ersten Kaffee des Morgens versprach. Eigentlich konnte ich es kaum erwarten, dann auch den ersten Schluck von dem dampfend heißen Gebräu zu nehmen. Aber das ging dann doch nicht sofort, denn direkt an einer Landstraße eine Ecke weiter musste ich rechts ranfahren, deswegen:

Sonnenaufgang in EmdenUnd deswegen:

FasanHach. Glückselig von Morgensonne angeleuchtet, den zum Glück immernoch warmen Kaffee in der Hand, ging es weiter nach Greetsiel. Ein kleiner Parkplatz am Ortseingang lud uns ein, das Auto stehen zu lassen und den Rest zu Fuß zu erkunden. Der Automat spuckte einen Parkschein aus, der verkündete, dass es 6:13 Uhr sei.

Wir marschierten also los, durch ein (fast) völlig stilles Dorf. Da kam ein tatkräftig aussehender, weil Arbeitskleidung tragender, Herr des Weges , der olle, vom Sturm durch den Kanal angespülte Fahrräder wegräumte. Da fegte eine alte Dame sorgfältig den Platz vor ihrem Ladenlokal. Aber sonst? Schläfrige Stille und an jeder Ecke etwas zum knipsen…

Nur… das versprochene Meer war nicht da! Ich Schaf hatte nicht nachgesehen, ob Greetsiel denn am Wattenmeer liegt. Da ist ein Hafen, also ist da auch Meer. Dachte ich. Nee. Da ist ein Hafen, und von da aus kann man einen Kanal entlangschippern, der dann irgendwann zum Watt kommt. Dass um etwa  6:00 Hochwasser sein sollte, wusste ich allerdings, denn daran hatte ich gedacht. Die Uhr zeigte inzwischen 7:30. Noch nichts geöffnet zum frühstücken und kein Meer? Das ging so nicht, und eins davon konnten wir zumindest aktiv ändern. Also sind Anny und ich nochmal los, das Meer zu suchen und versprachen dem entzückenden Greetsiel, zum Frühstücken zurück zu kehren.

Die Irrfahrt begann. Ostfriesland ist wunderschön, und weil es außerdem so platt ist, konnte man auch überall den Damm sehen… aber der war meistens eingezäunt und/oder abgesperrt, und so gab es kein Durchkommen zum Watt. Wir sahen Schafe und empörte Pferde, die uns anschnauften, als wir das Auto kurz mal stehen ließen, um ein neues Hindernis, einen Graben, zu sehen… es war wie verhext. Aber dann fiel mir etwas ein, was ich bei Katja in ihrem Blog maedchenmitherz gelesen hatte (dort schreibt Katja mit viel Herz über ihre Wahlheimat Ostfriesland und viele schöne, andere Dinge): am Knock kann man bis ans Wasser! Und so weit war es bis dahin nicht, mit etwas Glück würden wir noch auf das Meer treffen und ich mein Versprechen einlösen können. Dran gedacht, getan, und nachdem wir dort den Deich erklommen hatten (der zwar abgesperrt war, aaaber nur für die Schafe), erwartete uns das:

WattenmeerUnd das:

WindräderUnd während wir, völlig begeistert vom Geruch des Tangs und dem leisen Rauschen und Schwappen der kleinen Wellen, auf den Steinen herumkletterten, kam mir Anny vor die Linse:

Anny(that’s a hell lot of hair ❤ )

Das Meer gesucht und gefunden! So eine Expedition, auch wenn von Erfolg gekrönt, macht erst recht hungrig, also wurde es um 9:30 Uhr dann endlich Zeit für ein schmackhaftes Frühstück. Zurück nach Greetsiel. Dort haben wir nicht nur tolle, knackfrische Brötchen in der Bäckerei und Konditorei Rector genossen, sondern waren auch bummeln, in einem kleinen Museum Motive sammeln, haben mit einem Kapitän geflirtet und in vollen Zügen die Sonne genossen (und die geniale Wetterstation entdeckt)…

Eigentlich war der Tag somit zur Mittagsstunde perfekt… außer dass uns irgendwie noch ein bisschen der Sand an den Schuhen fehlte. Aber die freundlichen Greetsieler wussten keinen Tipp (jedenfalls nicht die, die wir gefragt haben), wo man sich halbwegs in der Nähe noch vergnügt im Sand würde panieren können. Doch eine Karte, die an der Seitenwand eines Hauses hing und ganz Ostfriesland zeigte, verwies bei genauerem Hinsehen auf einen Badestrand in Norddeich. Da mussten wir nicht lange überlegen! Nur das Wetter wollte nicht mehr unser Freund sein und schickte dunkle Wolken, die schnell (schneller, als uns lieb war) gen Küste zogen. Trotzdem wollten wir den Sand. Also auf nach Norddeich. Dort angekommen zeigte zwar auch ein Schild die Richtung zum Strand, aber es war einfacher, genau dorthin zu fahren, von wo alle Menschen gelaufen kamen, schnell, mit verkniffenen Gesichtern, teilweise noch im Badeanzug und zusammengerafften Strandtüchern. Die allgemeine Flucht vor dem Wetter war ausgebrochen, aber wir wollten genau dort hin, wo es sich austobte. Und hinter einer Düne war er endlich: der Strand, samt Meer. Und Wind. VIEL Wind:

SturmHundMöweArmeeHaare im Gesicht, Sand von überall… es war überwältigend nordisch. Die Möwen standen reglos in der Luft, die Strandkörbe muteten an wie eine reglose Armee, die dem Feind trotzt. Der Regen brach los, als wir noch etwa 200 Meter vom Auto entfernt waren. Passend zum Sturm waren es dann auch keine Tröpfchen, sondern ein Wassereinbruch. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass wir danach nicht nur das Meer in unseren Köpfen und in unseren Nase hatten, sondern auch AUF unseren Köpfen, zwischen den Zähnen und in den Augenbrauen und Schuhen… aber es war wunderbar.

Die Rückfahrt gestaltete sich müde und nass, aber glücklich und bis zum Rand gefüllt mit einem herrlichen Tag und der Freude über eine erfolgreich abgeschlossene Suche.

Hatten wir se also tatsächlich nicht mehr alle, dass wir so früh einfach losgefahren sind? Mag schon sein… aber wir würden es wieder tun. Sofort.

 

Fellnasen

Natürlich kann man ohne Hund leben – es lohnt sich nur nicht.                                                              Heinz Rühmann

 

Diesen Satz kann ich erst unterschreiben, seit Paul in mein Leben getreten ist.

Tatsächlich war ich vorher skeptisch. Voll Respekt  Ängstlich, wenn der Hund eine gewisse Größe hatte. Klar, die sind schon süß und so, vor allem als Welpe. Die großen Augen, die riiiiesigen Pfoten, das Getapse… aber wie das Leben mit denen so ist – keine Ahnung, und eigentlich muss das auch nicht sein. Dachte ich.

Ich habe vier Jahre mit Katzen gelebt. Erst drei, dann zwei. Dieses Zusammenleben kam nicht durch mich, sondern den (damaligen) Herrn meines Herzens zustande, er brachte sie sozusagen mit in die Familie. Natty (von Nadja), Amy und Katy (Was?! Hab ich nicht ausgesucht!): eine grau getigerte, gezierte Dame, die durchaus auch kuscheln konnte (wenn sie wollte, und das war meistens nicht dann, wenn man selbst die Hand ausstreckte), eine wunderhübsche, Schwarze, die aber wegen ihres Stressverhaltens in der Gruppe zu einer sehr lieben Familie in Einzelhaltung kam, wo sie wie die Königin behandelt wurde, die sie bestimmt war, zu sein, und… Katy eben. Ich hätte es damals schon ahnen müssen, dass ich Hunde doch lieben konnte, denn sie war eindeutig im falschen Fellnasenkörper geboren. Ebenfalls rabenschwarz, mit leuchtenden gelben Augen und einem Bewegungsdrang und einer Power, die ihr kleiner, zierlicher, knappe 2 Kilo-Körper nie hätte vermuten lassen. Sie kam, wenn man sie rief. Sie rannte freudig maunzend zur Tür, wenn man nach Hause kam. Sie apportierte (!) große Katzenstreukrümel (!!) und zwar immer wieder und wieder (!!!). Und wenn man neben sich auf die Couch klopfte, lag sie blitzartig zusammengerollt im Schoß, schnurrend. Dass sie niemanden angeknurrt hat, den sie nicht mochte, hat mich ehrlich verwundert.

Es war schön mit ihnen, aber (wie eingangs erwähnt) gehörten sie nicht zu mir, und getrennte Menschenwege waren dann auch getrennte Sunny & Katzen – Wege.

Paul kannte ich damals schon. Der wiederum lebte nämlich bei meinem Liebsten, der zu der Zeit noch „ein Freund“ war. Wenn wir uns also ab und an sahen, war auch mal Paul dabei, und seine Größe gehörte zu denen, die mir ordentlich Respekt einflößten. Er war gut erzogen und lag immer brav unter dem Tisch (auch wenn der Kopf mal hochruckte, wenn ein anderer Hund vorbeikam), aber allzu nah wollte ich ihn dann doch nicht lassen. Aber als der Liebste Einzug in mein Herz hielt, zog Paul unwiderruflich mit ein.

Er liegt morgens am Bett, wenn ich aufwache, und falls er doch mal in seinem Körbchen im Wohnzimmer geschlafen hat, kommt er mir entgegen, sobald er meine Schritte im Flur hört. Wenn wir spazieren gehen, seine Neugier ihn ein paar Meter weggelockt hat und ich ihn dann rufe, kommt er mit fliegenden Ohren angerannt. Wenn er mal wieder voller Begeisterung in einen Tümpel/ Kanal/ das Meer/ eine Pfütze gesprungen ist und eher aussieht wie ein Erdschwein, wird er mit einem groooßen Handtuch abgerubbelt und schnauft dabei genießerisch. Wenn ich mal traurig bin, setzt er sich neben mich und legt mir seine Pfote (oder direkt seinen großen Kopf) in den Schoß. Jeden Tag stellt er Dinge an, die mich zum lachen bringen (dazu an anderer Stelle mit Sicherheit mal mehr). Und während ich jetzt tippe, liegt er auf meinem braunen Flauscheteppich, hinterlässt seine blonden Haare darauf, guckt mich ab und zu an und seufzt dann zufrieden, bevor er wieder die Augen schließt. Hach.

Es ist wahr, ich gebe es zu: ich mag nicht mehr ohne Hund leben. Denn es lohnt sich nicht.

Herbstspaziergang

Herbstspaziergang

im Gras schubbeln, herrlich

im Gras schubbeln, herrlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nordseewind im Fell

Nordseewind im Fell, Ball im Maul

 

 

 

 

 

 

 

Dünengepose

Dünengepose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

<3